Kirche prüft Neubau des Hans-Rießer-Hauses

Heilbronn  Überraschung in Sachen "Hansi". Nach Protesten prüft die Kirche nun den Um- oder Neubau des Hans-Rießer-Hauses. Eigentlich hätte am Montag der Verkauf des Gebäudes am Südende der Allee beschlossen werden sollen.

Von Kilian Krauth

Das in der Nachkriegszeit gebaute Hans-Rießer-Haus steht gegenüber dem Busbahnhof am Wollhaus. Foto: Dennis Mugler

Eigentlich sollte der evangelische Gesamtkirchengemeinderat am Montagabend einen Grundsatzbeschluss zum Verkauf des sanierungsbedürftigen Hans-Rießer-Hauses fassen – und damit den Weg frei machen für Verhandlungen mit diversen Kaufinteressenten, die hier ganz neu bauen würden.

Doch der neue Dekan Christoph Baisch überraschte das Gremium zu Sitzungsbeginn mit einem alternativen Antrag, der von der großen Mehrheit der Räte am Ende tatsächlich mit 66 Ja- und nur drei Nein-Stimmen abgesegnet wurde.

Neues Konzept bis Frühjahr

Demnach muss die Kirchenpflege bis Frühjahr 2019 prüfen, „welche Möglichkeiten sich eröffnen“, einen Neubau auf dem Gelände am Südende der Allee/Ecke Wollhausstraße zu realisieren: und zwar auf der Basis eines Konzepts, das nun in einer Arbeitsgruppe mit einem professionellen Projektentwickler entworfen werden soll. 

Auf Antrag einer Rätin soll sogar die Möglichkeit einer Renovierung mit Umbauten geprüft werden. Dieses Konzept soll nicht nur Verwaltungsräume berücksichtigen, sondern auch die Möglichkeit von sozial geförderten Wohnungen, so forderte es ein Rat in einem nachträglichen Antrag.

 

 

Alternative Perspektiven 

Mehrere Ersatzstandorte wurden geprüft. Einer davon ist die unbebaute Grünfläche am Friedensgemeindehaus. Foto: Dennis Mugler

Sollte sich ein Neu- oder Umbau als „nicht umsetzbar erweisen“, so der Dekan, zeichnete Baisch folgende Perspektive auf, die allerdings - darauf legten manche Räte großen Wert - nicht Teil des aktuellen Beschlusses ist. In diesem Fall müsste zunächst der mögliche Verkaufserlös ermittelt werden.

Darauf aufbauend würden dann drei alternative Standorte für einen Neubau geprüft: im Garten des Dekanatamtes an der Wilhelmstraße, auf dem Gelände der Kreuzkirche am Hohrain oder am Friedensgemeindehaus in der Moltkestraße, wobei die dortige Wiese möglichst erhalten bleiben sollte. Zu prüfen wäre in diesem Zusammenhang dann auch, wie die bestehenden Gemeinderäume an der Kreuzkirche genutzt werden und wie die Kirche selbst als Probenraum für Chöre umgestaltet werden könnte.

Große Sorgen bei Nutzern

Evangelische Kirche will Hans-Rießer-Haus verkaufen

Dem aktuellen Beschluss vorausgegangen waren Proteste von Chören und von Pfadfindern, die beim Verkauf des Hans-Rießer-Hauses den Verlust ihres Probensaals im „Hansi“ beziehungsweise einer vor allem für die Jugendarbeit genutzten Wiese am Friedensgemeindehaus befürchten. Auch Senioren zeigten sich besorgt.

Die Kirche debattiert seit Jahren über die Zukunft des von vielen liebevoll „Hansi“ genannten Gebäudes, mit dem viele Gläubige Teile ihrer kirchlichen Sozialisation verbinden, vor allem wegen des vielfältig bespielten Veranstaltungssaals und wegen der Jugendarbeit. Das fünf Stockwerke hohe Haus wird überwiegend von kirchlichen Verwaltungsstellen genutzt. Im 3. Stock findet sich ein Arzt, im Erdgeschoss Läden.

Bei einer Gesamtnutzungsfläche von 2370 Quadratmetern in fünf Stockwerken und 800 im Keller liegt der Grundbedarf für Kirchenpflege, Verwaltungsstelle, Kindergarten-Fachberatung und Gaffenberg-Geschäftsstelle bei zusammen 940 Quadratmetern. Eine zuletzt auf 8,7 Millionen Euro veranschlagte Sanierung des Nachkriegsgebäudes war vom Oberkirchenrat bisher stets abgelehnt worden.