Kirche als Klimaschützer

Heilbronn  Bischof Gebhard Fürst warnt in Heilbronn eindringlich vor den Folgen der Erderwärmung. Weil es um die Existenz der Menschheit gehe, stehe jeder Einzelne in der Verantwortung.

Von Jens Dierolf

Kirche als Klimaschützer

Bischof Gebhard Fürst war Redner im Heinrich-Fries-Haus. Foto: Ralf Seidel

 

Klimaschutz geht alle an, aber heute ist der Bischof noch mit dem Audi A6 quattro da. Verständlich, viele Termine. Sein Fahrer wartet im Wagen vor dem Heinrich-Fries-Haus in Heilbronn.

"TÜ BG 1111" ist das Kennzeichen, BG für Bischof Gebhard Fürst. Drinnen ist der Saal voll, es wird nachbestuhlt, und weil eine Gruppe des Dekanats gerade auf dem Gelände der Bundesgartenschau 2019 war, schlägt Pfarrer Roland Rossnagel in seiner Einleitung den Bogen vom Klimaschutz zur Buga, die "nicht nur eine Blümleschau" werden, sondern auf die "Menschenfreundlichkeit Gottes" hinweisen solle.

Ein US-Präsident, der den Klimawandel leugnet

Eine knapp einstündige Rede hat der Bischof im Gepäck für die katholische Erwachsenenbildung (KEB), aktuell, denn er doziert über den erst wenige Tage alten Weltklimabericht. Ob die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts um 1,5 Grad oder 2 Grad steige, sei ein ganz entscheidender Unterschied, sagt Gebhard Fürst und warnt dann eindringlich: "Die folgenden Jahre werden die wichtigsten der Menschheitsgeschichte." Auch wenn ein sehr mächtiger Mann den Klimawandel leugne, sagt er in Anspielung auf US-Präsident Donald Trump, sei das Gegenteil bewiesen. "Die bisherigen Szenarien sind Wirklichkeit geworden."

Hungersnöte und Flüchtlingsleid drohen

Lange doziert der Bischof über schmelzende Gletscher, drohende Ernteeinbußen, Dürren, Hungersnöte, Überschwemmungen und Flüchtlingsbewegungen, weil Menschen in Folge des Klimawandels ihre Heimat verlassen müssen. "Klimawandel hört sich so harmlos an", sagt Fürst, doch es gehe es um die Existenz der Menschheit. "Es gibt keinen Plan B." Politik müsse handeln, aber jeder einzelne stehe in der Verantwortung, etwas zu tun.

Aus der Bergpredigt lasse sich kaum Anleitung für den Widerstand gegen den Klimawandel ableiten, wohl aber sei der christliche Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung an vielen Stellen der Heiligen Schrift verankert, sagt Fürst und zitiert unter anderem aus dem Buch Genesis: "Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und behüte." Der Satz "Macht euch die Erde untertan" bedeute ja nicht, sie auszubeuten, sondern sie zu gestalten. Möglichst ressourcenschonend. Ein Auftrag dem seine Diözese mit millionenschweren Klima-Initiativen nachkomme - Nachhaltigkeitsfonds, energieschonende Gebäudesanierungen in den Kirchengemeinden nach der internationalen EMAS-Norm und vielem mehr.

Buga in Heilbronn

Und dann, mittendrin in seiner Rede am Mittwochabend, schlägt Fürst selbst noch einen Bogen zur Bundesgartenschau in Heilbronn 2019. Sein Medienteam werde im nächsten Jahr mit einem neuen Elektroauto der Diözese nach Heilbronn zur Buga fahren. Im November soll der Wagen startklar sein, mit Strom aus der diözesanen Fotovoltaikanlage, erzählt er später im persönlichen Gespräch. Was er von der Buga erwarte? Ein wenig könne diese doch den menschlichen Vorstellungen des Paradieses entsprechen. Dazu gehöre schließlich auch die Schönheit des Gartens. Und das "vollendete Zusammenleben in der Gegenwart Gottes", wie Pfarrer Rossnagel ergänzt.

Fährt der Bischof also ebenfalls mit dem Elektrofahrzeug zur Buga? Das neue, klimafreundliche Fahrzeug, ist ein kleinerer BMW, verrät Fürst. Ob er selbst darin fährt, müsse er sich aber noch überlegen.