Kinderporno-Video zeigt Missbrauch durch Ex-Erzieher

Heilbronn  Bei einer erneuten Hausdurchsuchung in der Wohnung des 31-Jährigen hat die Polizei eine Videokamera mit belastendem Material gefunden. Wegen Fluchtgefahr sitzt der Angeklagte seit Donnerstag in Untersuchungshaft.

Von Alexander Klug

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Polizeibeamte haben den ehemaligen Leiter eines evangelischen Kindergartens in Heilbronn festgenommen. Nachdem die Ermittler bei einer ersten Durchsuchung seines privaten Computers  einige tausend kinderpornografische Fotos und Videos gefunden  hatten, sind sie bei einer zweiten Durchsicht nun auf weitere Aufnahmen gestoßen. Sie zeigen den Beschuldigten im Jahr 2013 bei sexuellen Handlungen mit einem achtjährigen Jungen. Dies teilen Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

Es bestehe der dringende Tatverdacht des schweren sexuellen Missbrauchs gegen den Beschuldigten, weshalb die Staatsanwaltschaft Heilbronn am Mittwoch einen Haftbefehl beantragt hat - der ehemalige Kindergartenleiter wurde mittlerweile verhaftet und in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.

Junge stammt aus dem Bekanntenkreis

Der damals achtjährige Junge stamme aus dem Bekanntenkreis des 31-jährigen Beschuldigten, sagt Staatsanwältin Bettina Jörg auf Stimme-Anfrage. Der Beschuldigte sei in der Gegend festgenommen worden. Ein Vater hatte sich bei der Polizei gemeldet und berichtet, dass ihm sein Sohn von Fotoaufnahmen erzählt habe, "bei denen das Kind teilweise unbekleidet gewesen ist", sagt die Staatsanwältin. Der Vater hat Mitte Februar Anzeige erstattet, was zur erneuten Durchsuchung der Wohnung des ehemaligen Erziehers am 5. März geführt hat. Bisher gebe es keinen Hinweis darauf, dass der Beschuldigte das Material in Internetbörsen zum Tausch oder Kauf angeboten habe, meint Polizeisprecher Frank Belz.

Wegen der immensen Mengen an Daten hatte sich die Sichtung des Materials zunächst schwierig gestaltet. "Nachdem bei der neuen Durchsuchung die Kamera und weitere Speichermedien gefunden wurden, konnte die Sichtung der vorliegenden Aufnahmen gezielt danach stattfinden, was mit der Kamera aufgenommen worden ist", erläutert Bettina Jörg.

Fluchtgefahr Rechnung getragen

Welche Auswirkungen die neuen Funde auf das geplante Gerichtsverfahren Mitte März haben, müsse nun das Amtsgericht entscheiden. "Denkbar ist, dass die Verfahren zusammengefasst werden." Durch das nun deutlich höhere mögliche Strafmaß mit mindestens zwei Jahren Haft für den Missbrauch habe man der höheren Fluchtgefahr Rechnung getragen und einen Haftbefehl beantragt.

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"Es ist ein Albtraum", sagt Pfarrer und Kirchensprecher Matthias Treiber. "Und es ist genau das wahr geworden, was wir gehofft haben, dass es nicht passiert ist." Erst vor kurzem hat sich ein fünfköpfiges Krisenteam zusammengefunden, um die Vorgänge innerhalb der Verwaltung rund um die Funde kinderpornografischen Materials aufzuarbeiten. "Wir haben in den vergangenen Tagen intensiv versucht, die Eltern für den Umgang mit dem Thema und ihren Kindern zu sensibilisieren. Sie sollten versuchen, die Kinder nicht allzu sehr mit Fragen zu bedrängen." Mit Kindern im Alter des betroffenen Jungen könnte der ehemalige Kindergartenleiter zum Beispiel bei der Betreuung von Jugendgruppen in Kontakt gekommen sein.

Eltern sind geschockt

"Furchtbar, wir sind geschockt", sagt die Mutter eines Kindes aus dem betroffenen Kindergarten. "Wir hatten aber schon vermutet, dass in der Sache noch mehr herauskommt. Dass da noch mehr in den Privaträumen passiert ist." Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Filmaufnahmen von 2013 die einzigen gewesen sein sollen. "Und ich frage mich schon, warum die Kamera nicht schon bei der ersten Durchsuchung der Wohnung gefunden und mitgenommen wurde."

 

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