Kinder gehen vom AIM-Aktionstag schlauer nach Hause

Heilbronn  Welche psychologischen Kniffe stecken hinter Computerspielen? Oder: Wie verpacke ich ein Ei so, dass es unbeschadet aus dem dritten Stock segelt? Antworten liefert der "Tag, der Wissen schafft" bei der Akademie für Innovative Bildung und Management.

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"Workshop ist voll." Dieses Schild prangte an vielen Türen im AIM-Gebäude auf dem Heilbronner Bildungscampus. Kinder wuselten durch die Flure, Eltern blätterten eifrig im Programm. Mit einer Familienuni zum Thema virtuelle Realität, Vorträgen und mehr als einem Dutzend Arbeitsgruppen wartete die Bildungseinrichtung zu ihrem Aktionstag auf. AIM-Geschäftsführerin Tatjana Linke sieht die Veranstaltung als Familien-Pendant zur Nacht der Wissenschaft, die sich vor allem an Erwachsene richte. "Für uns ist das eine gute Gelegenheit zu zeigen, wie sich unser Programm verändert hat."

Digitalisierung spielt zentrale Rolle

Sowohl bei der Fortbildung für pädagogische Fachkräfte als auch bei den Ferienakademien für Kinder spielt die Digitalisierung eine zentrale Rolle. Am Sonntag gab es einen Crashkurs im Programmieren oder Informationen über Algorithmen im Alltag.

AIM-Aktionstag: Schlauer nach Hause gehen
Daher weht der Wind: Im Workshop mit Renate Nowak bastelten die Kinder aus einfachen Bauteilen Windmessgeräte. Es war einer von rund einem Dutzend Kurse beim Aktionstag der AIM in Heilbronn. Foto: Ralf Seidel

Zum Alltag von Kindern und Jugendlichen gehören Computerspiele. "Fortnite ist ein großes Thema", berichtete Dozent Fabian Karg in seinem Workshop. Das Spiel setzt unter anderem auf individuelle Outfits. "So ein Anzug", weiß Karg, "kostet 15 Euro." Bezahlt wird allerdings in der Fantasiewährung V-Bucks, was die Hemmschwelle senke. Dass angesagte Cyber-Klamotten nur zeitweise im Angebot sind, erhöhe wiederum den Anreiz.

Wie soziale Netzwerke basiere das Spiel auf ein paar simplen psychologischen Effekten. Einer wird mit "Fomo" abgekürzt, Fear of missing out - oder die Angst, etwas zu verpassen. Ist das alles schlimm? Karg ist gegen Pauschalisierungen, erinnerte an seine eigene jugendliche Punker-Phase: "Den Hang zur Individualisierung gab es immer." Rückmeldungen würden durch das Netz aber stark gefiltert. Er rät Eltern, sich mit dem zu befassen, was ihre Kinder im Netz treiben, getreu dem Vortragstitel "Was machst du da eigentlich?"

Psychokniffe bei Computerspielen

Keine Pauschalisierungen: Das unterschreibt Renate Nowak. Kinder und Jugendliche hätten keinesfalls den Drang zur Stubenhockerei. "Sie sind begeistert, wenn man mit ihnen in die Natur geht", so die Erfahrung der Referentin, die beim Aktionstag mit Kindern Windmesser bastelte. Ein Tischtennisball, ein paar Stöcke, Skala und Schnur - fertig ist das Anemometer, das zeigt, woher und wie stark der Wind weht.

AIM-Aktionstag: Schlauer nach Hause gehen
Digitalisierung und Computertechnik spielen auch im AIM-programm längst eine zentrale Rolle. Hier experimentierten die Besucher mit der Computermaus. Foto: Ralf Seidel

"Aha-Erlebnisse" wolle man vermitteln, unterstrich Dr. Anna Weiland, Teamleiterin Kommunikation bei der AIM. Das funktionierte auch im Knigge-Kurs für Kinder mit Kristin Koschani. Wer weiß schon, woher unser Allzweck-Gruß "Hallo" stammt? Die Ursprünge liegen in Frankreich. Wer im Mittelalter seinen Eimer mit Dreckwasser auf die Straße kippte schrie höflicherweise "Attention à l´eau" - Vorsicht, Wasser. Daraus wurde erst "à l´eau", dann irgendwann Allô und Hallo.

Eier fliegen aus großer Höhe und bleiben heil

Eine Hauptattraktion des AIM-Tages beschäftigte viele Kinder schon am sonntäglichen Frühstückstisch oder lange davor. Ein rohes Ei galt es so einzupacken, dass es nach einem Flug aus dem dritten Stock heil und möglichst schnell unten ankommt. Die einen setzten auf Fallschirme und filigrane Rahmen aus Bambusstöckchen. Andere auf schiere Wucht, indem sie die Eier in Raketen verpackten oder schwere Steine an gepolsterte Kisten hängten. Gewonnen hat letztlich eines der Schwergewichts-Flugobjekte, bei dem das Ei von Luftpolsterfolie eingehüllt war. Fallschirm-Exemplare flogen eher lahm. Hinterher ist man immer schlauer.

 

Alexander Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist seit 2003 bei der Heilbronner Stimme. Er berichtet über den Kraichgau, Verkehr, Pendler und Themen aus benachbarten Landkreisen. 

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