Kind mehrfach missbraucht: Vier Jahre Haft

Heilbronn  Mit Nachhilfe bei einer Achtjährigen fing es an. Dann ließen die Eltern das Kind bei der Familie des Bekannten auch übernachten. Der Mann habe dem Kind schweres Leid zugefügt, sagte der Richter nach dem Urteil.

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Vom Heilbronner Amtsgericht ist der 29-jährige Angeklagte zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Es ist die Höchststrafe, die ein Amtsgericht verhängen kann.

Foto: Berger

"Sie haben einem Kind schweres Leid zugefügt. Die Folgen sind noch nicht absehbar, Schäden können auch zeitversetzt noch auftreten." Mit diesen Worten hat Richter Hans-Martin Dietrich gestern einen 29 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Heilbronn zu vier Jahren Haft verurteilt - der Höchststrafe, die das Amtsgericht in Heilbronn verhängen kann.

Wegen siebenfachen schweren Kindesmissbrauchs, dem Herstellen von Nacktbildern und dem Besitz von anderen Kinderpornobildern und -videos aus fremden Quellen haben der Richter und zwei Schöffen den unsicher wirkenden Mann be-straft. "Es sind wirklich schwere Straftaten", unterstrich Dietrich und wischte die Bewertung des Verteidigers über einen minder schweren Fall beiseite.

Angeklagter: Ich weiß bis heute nicht, warum es passiert ist

Acht und neun Jahre war das Mädchen alt, als die Übergriffe stattfinden. Zunächst hatte der gelernte Kaufmann, der gerade eine Krebserkrankung überstanden hatte, dem Kind Nachhilfe gegeben. Die Kontakte wurden häufiger, teilweise schickten die aus Rumänien stammenden Eltern das Mädchen vier Tage die Woche zu der Familie ihres Bekannten - weil sie viel arbeiteten, so die Begründung. Das Mädchen schlief auch in dem Haus über Nacht. Irgendwann muss es sich in den Mann verliebt haben, steht in der Anklage. Und sie soll sexuelle Handlungen auch von sich aus initiiert haben.

Warum die Übergriffe passiert sind? "Ich weiß es bis heute nicht", sagte der Angeklagte, sprach von Stress, den Folgen seiner Krebserkrankung, unter anderem Potenzproblemen, die er bei seiner Partnerin erlebte. Und er habe das Mädchen "beschützen" wollen, weil die Eltern angeblich streng zu dem Kind waren. Erst spät sei ihm klar geworden, dass er ein Kind misshandelt habe. "Das alles tut mir so leid", sagte er im letzten Wort vor dem Urteil.

Mutter schöpfte keinen Verdacht: "Er war wie ein Bruder."

Der psychiatrische Gutachter attestierte dem Angeklagten, der in der Jugend ein Außenseiter war und gehänselt wurde, zwar depressive Symptome und eine soziale Phobie in der Jugendzeit. Er sei aber schuldfähig. Eine Therapie sei "sinnvoll und wichtig". Im Gefängnis soll er damit beginnen.

Aufgeflogen sind die Missbrauchstaten, weil die Mutter auf dem Handy ihrer Tochter zufällig eine Nachricht fand, in der die Neunjährige sexuelle Handlungen beschrieb. Zuvor habe sie keinen Verdacht geschöpft und immer Vertrauen in den Bekannten gehabt. "Er war wie ein Bruder."

Ihrer Tochter gehe es wieder besser. Psychologische Behandlung habe das Kind abgebrochen, weil sie "alles vergessen möchte". Jetzt frage sie nicht mehr nach ihm und spiele wieder mit anderen Kindern.

Der Fall könnte für den Angeklagten über die Haftstrafe hinaus noch ein Nachspiel haben. Auf seinem Laptop entdeckten Ermittler vor Kurzem weitere Kinderpornobilder und -videos, mehr als 20 000 Dateien. Eine weitere Anklage könnte deshalb noch folgen.

 


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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