Kernkraftwerk brockt der Zeag Gewinneinbruch ein

Heilbronn  Zur Hauptversammlung des Heilbronner Energieversorgers legt der Vorstand wenig berauschende Zahlen vor. Schuld waren Sondereffekte. Doch auch der Ausbau der Windkraft stockt.

Von Heiko Fritze
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Kernkraftwerk brockt der Zeag Gewinneinbruch ein

Die Zeag ist regionaler Platzhirsch unter den Energieversorgern. Das Unternehmen gehört zum weit überwiegenden Teil der EnBW.

Foto: Archiv/Veigel

Der regionale Energieversorger Zeag hat im vergangenen Jahr einen massiven Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Unter dem Strich standen bei dem erfolgsverwöhnten Strom- und Gaslieferanten diesmal nur vier Millionen Euro - vor einem Jahr war es noch mehr als sechs Mal so viel.

GKN treibt die Kosten hoch

Grund waren Sondereffekte, erläuterte Vorstand Franc Schütz in der Hauptversammlung der Heilbronner Harmonie: 2017 erhielt auch die Zeag einen Anteil aus der Rückerstattung der Kernbrennstoffsteuer, etwa 16 Millionen Euro. Das trieb den Gewinn damals in die Höhe. Im abgelaufenen Jahr sorgte ebenfalls das Neckarwestheimer Kernkraftwerk für Bewegung in der Abrechnung, diesmal nach unten, weil zum einen die Revision länger dauerte und zum anderen in die Rückstellungen für die Anlage eingezahlt werden musste.

Die Zeag hält indirekt etwa drei Prozent am GKN, erläuterte Schütz, und zwar über eine sogenannte Kraftwerksscheibe. Dadurch sei der Stromversorger auch verpflichtet, einen entsprechenden Anteil an der Stromerzeugung zum Selbstkostenpreis abzunehmen - liege dieser Preis über jenem an der Strombörse, könne das nicht berücksichtigt werden: "Bei nicht marktgerechten Kosten würden wir die Kunden verlieren." Kurzum: Dass vergangenes Jahr überhaupt noch ein Gewinn zustande kam, lag an den Ergebnissen der übrigen Geschäftsfelder und Beteiligungen. Immerhin ist der Umsatz deutlich gestiegen.

Konzerntöchter entwickeln sich gut

Kernkraftwerk brockt der Zeag Gewinneinbruch ein

Zu den wesentlichen Konzerntöchtern zählen die Netzgesellschaft Heilbronn-Franken (NHF), die Gasversorgung Unterland und seit Jahresmitte 2018 die Zeag Engineering, ehemals Technologie Service Heilbronn, die für die Versorgung des Industriekomplexes im Telefunkenparks zuständig ist. Den genauen Kaufpreis wollte Schütz auch auf Nachfrage von Aktionärsvertretern nicht nennen - man habe sich auf Stillschweigen geeinigt, mehr als "ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag" ließ er sich nicht entlocken.

Kein genehmigungsreifes Windkraft-Projekt

Außerdem betreibt die Zeag inzwischen 36 Windräder mit 108,2 Megawatt installierter Leistung, die 180 Gigawattstunden Strom erzeugten, ein Plus von 25 Prozent. Auf die 110 eigenen Photovoltaik-Anklagen entfielen gerade mal 2,8 Gigawattstunden Stromerzeugung, Wasserkraftwerke trugen knapp 33 Gigawattstunden bei. Der Löwenanteil der eigenen Erzeugung kam wieder aus dem GKN mit knapp 255 Gigawattstunden. Sorgen bereitet dem Vorstand vor allem der schleppende Fortschritt bei der Windkraft: "Wir rechnen damit, dass weitere Projekte frühestens 2020 genehmigungsreif sind", sagte Schütz. "Das Erreichen der Klimaziele wird dadurch infrage gestellt."


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