Keine Antworten aus dem All

Heilbronn  Schüler des Robert-Mayer-Gymnasiums hatten am Mittwochnachmittag Funkkontakt mit Alexander Gerst. Leider war in der Keplerhalle außer Rauschen nichts zu hören. Die Enttäuschung hielt sich trotzdem in Grenzen.

Von Tanja Ochs

Keine Antworten aus dem All

Nur abgehackt kam die Stimme von Alexander Gerst in den Kopfhörern der Funk-AG an. Für die Schüler, die eigens für diesen Moment das Funken gelernt hatten, war es trotzdem ein besonderes Erlebnis.

Foto: Andreas Veigel

 

Immer wieder ruft Christian Weidemann die Weltraumstation über Funk. Der Schüler des Robert-Mayer-Gymnasiums (RMG) gehört zur Funk-AG, die sich seit eineinhalb Jahren auf den Funkkontakt mit der ISS vorbereitet. Gestern sollte es so weit sein, zehn Fragen dürfen die Heilbronner Schüler an Kommandant Alexander Gerst stellen. Doch seine Antworten gehen im Rauschen unter.

Enttäuscht sind die Gymnasiasten trotzdem nicht. Mert Tektas hat Gersts "Over" im Kopfhörer gehört: "Das war ein kleiner Erfolg", findet der Zehntklässler. "Mega cool" sei der Kontakt gewesen, sagt Sara Roth. Zumindest zeitweise habe sie im Kopfhörer die Stimme von Gerst gehört. "Eine tolle Erfahrung", sagt die Schülerin.

Die Verbindung ist zu schwach

Auf die müssen die zahlreichen Gäste in der Keplerhalle allerdings verzichten. Dort ist außer Rauschen nichts zu hören. Zu schwach ist die Verbindung zur Erde: Alexander Gerst habe keine Erlaubnis gehabt, um das russische Modul zu nutzen, erklärt ein Verantwortlicher der Realschule in Weingarten, die zeitgleich mit der ISS funkt. Abwechselnd stellen beide Schulen ihre Fragen. Gerst antwortete mit einem Notmodul, das so groß wie ein Handy sei. Nach nur elf Minuten bricht der Kontakt ganz ab. Die Fragen, ob kohlensäurehaltiges Wasser im All sprudelt, ob sich Gerst jünger fühlt, weil die Zeit langsamer vergeht oder wie die Astronauten das Leck in der Raumstation bemerkt haben, bleiben unbeantwortet.

Keine Antworten aus dem All

Offenbar hatte der Kommandant der Weltraumstation ISS nur ein Notmodul zur Verfügung, um mit der Erde Kontakt aufzunehmen. Foto: ESA

 

Damit müsse man rechnen, erklärt Professor Harald Gerlach vom Ortsverband der Funkamateure. "Es ist keine Telefonleitung, sondern wirklich live", betont er. Das Funkgerät von Gerst habe nicht ausgereicht. Nur wenige Minuten, als sich die ISS direkt über Deutschland befand, habe man den Künzelsauer verstanden. "Aber er hat uns gehört", ist sich Gerlach sicher. Für die eigens gegründete Funk-AG des RMG sei der Tag deshalb trotzdem ein Erfolg: "Die Schüler haben maximal gearbeitet und den Kontakt hergestellt." Was die Jugendlichen gezeigt haben, sei sehr wertvoll, auch wenn jetzt "das i-Tüpfelchen fehlt".

Die ganze Schule in Bewegung

Auch bei Lehrer Steffen Utech hält sich die Enttäuschung in Grenzen: "Es war ein tolles Erlebnis", sagt der Abteilungsleiter des Gymnasiums trotz allem. Auch ohne die Stimme von Astro-Alex habe das Projekt die ganze Schule in Bewegung gebracht. Mit einem Schulfest und einem ausführlichen Bühnenprogramm hat das RMG den Tag gefeiert. 25 Beamer hat die Technik-AG in den Klassenzimmern aufgebaut, damit alle das Ereignis miterleben können. Wissenschaftliche Vorträge, Theateraufführungen und Musikbeiträge haben sich abgewechselt. Bereits im Juli hatten sich die Schüler mit Projekttagen auf den Anruf im All vorbereitet.

"Spannend wie selten" sei die Zeitspanne bei der Kontaktaufnahme gewesen, sagt Schulleiterin Antje Kerdels. Ihre Schüler hätten Unglaubliches geleistet. Aber "Wenn Alexander Gerst mit dem Handy funkt", helfe auch die beste Technik auf der Erde nichts, so Kerdels.