Kaufhaus Barthel wird abgerissen

Heilbronn  Der Heilbronner Gemeinderat stellt die Weichen für einen Neubau mit Hotel, Wohnungen, Einzelhandel und Arztpraxen an der Allee. Baubeginn könnte Ende 2019 sein.

Von Joachim Friedl

Kaufhaus Barthel wird abgerissen

Das ehemalige Kaufhaus Barthel an der Heilbronner Allee kann abgebrochen und durch einen attraktiven Neubau ersetzt werden.

Der Gemeinderat stellte am Donnerstag die städtebaulichen Weichen, indem das Gremium einen entsprechenden Bebauungsplan auf den Weg brachte und dem Gestaltungskonzept bei einer Enthaltung zustimmte.

Geplant ist auf dem 2300 Quadratmeter großen Grundstück, das von der Allee sowie der Kilian- und Klarastraße begrenzt wird, ein sechs bis zehngeschossiges Gebäude.

Gespräche mit Mietern werden jetzt intensiviert

Als Nutzungsarten sieht der Projektentwickler, die Schaefer Invest GmbH aus Heilbronn, auf den 10.000 Quadratmetern Gebäudefläche einen möglichen Mix aus Wohnen, Hotel, Arztpraxen und Einzelhandel vor. Auf der Grundlage der getroffenen Entscheidung wird Christian Schaefer jetzt die Gespräche mit potenziellen Nutzern intensivieren. Denkbarer Baubeginn könnte Ende 2019 sein: "Das ist kein unrealistischer Zeithorizont", sagte er auf Anfrage.

Die von dem Heilbronner Architekturbüro Mattes Riglewski entworfene Form des Neubaus orientiert sich am bestehenden Gebäude, allerdings mit zwei markanten Unterschieden zu heute. An der Allee und an der Ecke Kilian-/Klarastraße erhält das Haus zwei schlanke Hochpunkte, die sich der jeweiligen Umgebungsbebauung anpassen.

Der Kiliansplatz erhält einen markanten Eckpunkt

Von Architekt Franz-Josef Mattes übersetzt heißt dies: "Der Kopfbau am Kiliansplatz wird deutlich höher, wodurch der Platz räumlich erweitert wird." Zwischen den beiden Hochpunkten erstreckt sich an der Kilianstraße eine niedrigere Gebäudespange. Die beiden oberen Geschosse rücken von der geschlossenen Fassadenfront zurück.

Die etwa 83 Pkw-Stellplätze werden im Erdgeschoss und in zwei der drei Untergeschosse untergebracht. Die Tiefgarage, deren Einfahrtsbereich aus optischen Gründen in das Gebäude integriert ist, wird von der Klarastraße angefahren. Erreichbar sind die Stellplätze in der Tiefgarage über Aufzüge.

Sozial geförderter Wohnraum im Blick

Noch nicht geregelt ist mit dem Investor, zu welchen Teilen sozial geförderter Wohnraum im neuen Barthel umgesetzt werden muss. Entsprechende Abstimmungen laufen noch. Diese Unsicherheit und die "komplizierte Tiefgaragenzufahrt" war für Bunte-Stadträtin Birgit Brenner Grund genug, sich bei der Entscheidung zu enthalten.

Kaufhaus Barthel wird abgerissen

Ansonsten war aus der Mitte des Gemeinderats nur Lob zu hören. "Der momentane Leerstand ist kein Aushängeschild für die Stadt. Der Neubau wird einmal großstädtisches Ambiente bieten", ist sich CDU-Stadtrat Klaus Hackert sicher. Seine große Hoffnung ist, dass das Projekt "in einem überschaubaren Zeitraum realisiert wird".

Klare Worte fand SPD-Stadtrat Gerd Kempf: "Der Barthel ist eine Schande. Es ist die beste Nachricht des Jahres, dass dieser Schandfleck beseitigt wird." Die Architektur des Neubaus überzeuge, da sie Erinnerungen an das alte Kaufhaus Barthel wecke.

Aufwertung für die Allee

Von einem "sehr ausgewogenen und nicht überzogenen Neubau" sprach FWV-Stadtrat Heiner Dörner und sagte: "Eine tote Stelle im Zentrum wird beseitigt." Für Grünen-Stadträtin Eva Luderer wird der Neubau die Allee "deutlich aufwerten". "Ein toller Entwurf", lobte FDP-Stadtrat Gottfried Friz, und Pro-Stadtrat Alfred Dagenbach bekannte: "Ich kann dem Konzept ohne Wenn und Aber zustimmen."

 

Barthel-Geschichte

1949 eröffnete Wilhelm Barthel in einem kleinen Gebäude an der nördlichen Ecke der Allee/Kilianstraße − seit 1956 Schuhhaus Siller, heute Hochzeitshaus Kisa − sein Geschäft. In den Jahren 1953 bis 1956 entstand das Kaufhaus, das in der Folge als größtes Bekleidungshaus des Unterlands bekannt wurde.

1958 eröffnete Barthel noch die Kleiderfabrik WiBa in der Siebeneichgasse und die Gaststätte Postmichel in der Klarastraße. 1980 wurde das Gebäude an das Modehaus Krauß verpachtet.

Im Dezember 2008 wurde dann das "Heilbronner Kaufhaus" eröffnet, und im März 2010 fand die Wiedereröffnung des Kaufhauses unter dem alten Namen Barthel statt. Im Mai 2011 schloss das Haus wieder. Im September 2011 war Wiedereröffnung, seit Anfang 2018 steht das Gebäude nach einem Räumungsverkauf leer. 

Kommentar von Joachim Friedl: Aufbruch

Endlich tut sich was auf dem Barthel-Areal: Der unübersehbar markante Block aus der Nachkriegszeit ist in die Jahre gekommen und war zuletzt kein Schmuckstück mehr an der Heilbronner Allee. Der Abriss ist nur folgerichtig. Dass sich der Neubau am bisherigen Gebäude orientiert, ist gut, bleibt damit doch ein Stück Heilbronner Architekturgeschichte lebendig.

Mit seinen beiden Hochpunkten wird der neue Barthel eine städtebauliche Adresse, die Heilbronn guttun wird. Das Nutzungskonzept mit Wohnen, Hotel, Arztpraxen und Einzelhandel ist genau das, was im Zentrum gebraucht und zur Urbanität beitragen wird. Ein Wermutstropfen ist bei aller Freude, dass nicht das gesamte Quartier zwischen Allee, Kilian- und Klarastraße neu gestaltet wird. Wie toll wäre es, die Nachbargebäude in das Neubauprojekt einzubeziehen. Die Eigentümer können mit ihren Immobilien doch nur gewinnen, besonders auch mit Blick auf die geplante Neugestaltung des Wollhauszentrums.

Die städtebauliche Achse Wollhaus - Barthel - Klosterhof wird einmal zu einem Innenstadtquartier von hoher Attraktivität werden. Wer nicht dabei ist, der hat verloren. Dass die Stadt Heilbronn keine Möglichkeiten besitzt, die derzeit heterogene Eigentümerstruktur zu glätten, ist schade. Vielleicht sollte man sich im Rathaus überlegen, eine Art Immobilienfonds einzurichten, mit dem Gebäude, die an städtebaulich relevanten Orten in der Innenstadt stehen, aufgekauft werden können.

Bei Bedarf wäre die Kommune dann handlungsfähig und müsste nicht wie jetzt tatenlos zusehen, wie stadtgestalterische Großchancen vertan werden.