Kassenbonpflicht nervt Händler und Kunden

Heilbronn  Die neue Regelung seit 1. Januar stößt auf wenig Gegenliebe, auch, weil die meisten Bons über den Restmüll entsorgt werden müssen.

Von Sebastian Kohler und Bärbel Kistner

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Wer in einer Bäckerei eine Tasse Kaffee bestellt, lässt den Kassenzettel oft liegen.

Foto: dpa

Bereits im Vorfeld sorgte die zum Jahreswechsel eingeführte Bonpflicht für Aufregung im Einzelhandel. Ob Bäcker oder Imbissbetreiber: Gewerbetreibende müssen ab sofort selbst für Kleinstbeträge bei jedem Kauf einen Bon ausdrucken und dem Kunden überreichen. Ziel ist es, Schummeleien zu verhindern. Die Steuergewerkschaft schätzt, dass durch den Betrug an den Kassen ein Schaden von zehn Milliarden Euro jährlich entsteht. Wie Kunden und Händler auf die Regelung reagieren, zeigt ein Rundgang in der Heilbronner Innenstadt am ersten Werktag im neuen Jahr.

Überrascht, das jemand den Bon will

Sueda Deniz rechnet für einen Donut 1,40 Euro ab und fragt routinemäßig, ob der Kunde den Kassenzettel möchte. Als die Frage bejaht wird, schaut sie überrascht auf. "Bisher wollte noch niemand den Bon haben", sagt die 18-jährige Verkäuferin bei Happy Donazz in der Stadtgalerie. Sie findet es blödsinnig, dass das Ausdrucken zur Pflicht geworden ist. Schließlich werden Lebensmittel in der Regel nicht umgetauscht.

Nicht umweltfreundlich

Auch Brigitte Hertweck ist irritiert: "Das Ganze ist nicht umweltfreundlich gedacht. In einem Imbiss macht der Kassenzettel keinen Sinn", meint die Mitarbeiterin der Wurstbraterei Silzer. Bisher habe noch keiner ihrer Gäste auf die Frage nach einem Bon positiv reagiert. Dieser würde höchstens bei Großbestellungen gefordert. "Wir haben jetzt mehr Kosten und müssen die Bons extra entsorgen", erklärt die 59-Jährige.

Papierrollen kosten Geld

In dieselbe Kerbe haut Cem Kara von Cans Gemüsedöner: "Die Papierrollen kosten uns 60 bis 70 Euro im Monat zusätzlich." Für den 48-Jährigen sind dies unnötige Ausgaben. Die Kasse sei technisch so ausgerüstet, "dass wir sowieso nicht betrügen können." Für die Umwelt sei die Regelung schlecht. Kunden könnten damit nichts anfangen. "Wenn kein Mülleimer in der Nähe ist, landen die Bons halt auf dem Boden." Sein Fazit zur Kassenbon-pflicht: "Totaler Quatsch."

Noch klarere Worte findet Elisabeth Siefken (62): Für sie ist es der größte Mist. Bei Ticket & More gibt es Lottoscheine, Tabakwaren und Zeitschriften zu kaufen. "Wir sollten den Herrschaften, die sich das ausgedacht haben, die Zettel vor die Tür schmeißen", pflichtet Kollegin Ursula Dofek (58) bei.

In den Restmüll

Auch der Schreibwarenladen an der Allee hat ein betrugssicheres Kassensystem, deswegen erfülle die Verpflichtung nicht Sinn und Zweck. Dazu komme, dass das Thermopapier nicht über das Altpapier recycelt werden kann, sondern als Restmüll entsorgt werden muss. Dofek bringt die gegensätzlichen Botschaften der Politik auf den Punkt: "Alle machen wegen der Umwelt Terz, und dann verpflichtet man uns zum Müllmachen."

20 Zentimeter langer Bon

Kassenbonpflicht nervt Händler und Kunden

Alle Händler müssen ihren Kunden einen Kassenbon in die Hand drücken, unabhängig vom Betrag.

Foto: Dennis Mugler

Auch bei der Kundschaft stößt die Bon-Regelung auf Unverständnis. "Aus Umweltgründen ist das unmöglich", sagen Ines und Uwe Müller, die bei der Bäckerei Härdtner an der Allee Kaffee und Brötchen bestellt haben. Den Kassenbon haben sie ungefragt mit dem Rückgeld in die Hand gedrückt bekommen. "Für vier Sachen ist er fast 20 Zentimeter lang", ärgert sich das Paar aus Leingarten über die Papierverschwendung. Bis zur Mittagszeit haben die Mitarbeiterinnen der Bäckerei-Filiale bereits drei Müllsäcke mit den Thermopapierbons gefüllt.

Digitale Lösungen gefragt

Der Großteil der Kunden lässt das Papier auf der Theke liegen. Andreas Stritter hat seinen Bon ausnahmsweise mitgenommen: "Man müsste sie sammeln und nach Berlin schicken." Er geht davon aus, dass sich die entstehenden Mehrkosten "auf kurz oder lang auf die Preise niederschlagen werden".

Bäckerei-Juniorchef Nico Härdtner hofft, dass die ausgedruckten Bons bald wieder Geschichte sind: "Wir beschäftigen uns mit digitalen Lösungen, um darauf verzichten zu können." Bis dahin habe man immerhin versucht, die Kassenzettel so klein wie möglich zu halten und das Bäckerei-Logo weggelassen.

 

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