Karamba Diaby erhält Integrationspreis in Heilbronn

Heilbronn  Es ist erst wenige Tage her, dass sein Bürgerbüro in Halle an der Saale attackiert und mehrere Einschusslöcher in der Scheibe festgestellt wurden. Am Samstag wurde Karamba Diaby vom Verein Diaphania mit dem Integrationspreis ausgezeichnet.

Von unserer Redakteurin Kirsi-Fee Rexin
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Ein Fest im Zeichen der Demokratie

Preisträger Karamba Diaby mit (von links) Laudator Frank Richter, Moderatorin Stefanie Schenk, Evelyne Gebhardt sowie Carmen und Reinhold Würth.

Foto: Mario Berger

"So ein Vorfall lässt sich nicht so einfach wegwischen", gibt Dr. Karamba Diaby zu. "Aber ich lasse mich nicht einschüchtern", stellt der Bundestagsabgeordnete klar. Es ist genau diese Einstellung, für die der SPD-Bundestagsabgeordnete den Integrationspreis von Diaphania erhält.

Rund 150 Gäste sind am Samstag der Einladung zum 18. Internationalen Neujahrsfest der Europäischen Gesellschaft für Politik, Kultur und Soziales in den Abraham-Gumbel-Saal in der Heilbronner Volksbank gefolgt − nicht nur, um der Veranstaltung beizuwohnen, sondern auch, um ein Zeichen für die Demokratie zu setzen. Zuvor hatte sich der Politiker im Beisein von Oberbürgermeister Harry Mergel ins Goldene Buch der Stadt eingetragen.

Juratovic betrachtet aktuelle Entwicklung mit Sorge

"Der Besuch meines Freundes, Karamba Diaby, steht schon seit einem Jahr fest", betont Josip Juratovic gleich zu Beginn, um Gerüchte auszuräumen, Diaby nutze nun den Vorfall, um sich "aufzuplustern". Die aktuelle Entwicklung betrachtet er mit Sorge. "Die repräsentative Demokratie gerät zunehmend in Gefahr durch die direkte Demokratie." Die schweigende Mehrheit werde größer − auch weil die Menschen Angst hätten. "Aber wer in Demokratie schläft, wird in Diktatur erwachen", fordert er zum aktiven Kampf für den Erhalt der Staatsform auf.

Dazu passt die Festrede des sächsischen Theologen, Bürgerrechtlers und Landtagsabgeordneten Frank Richter: Er plädiert für eine Demokratie für alle, die aber klar Stellung beziehen müsse, und lobt in seiner Laudatio das unerschütterliche Engagement Diabys: "Von Menschen wie ihm können wir lernen, wie das Zusammenleben in einer sich immer heterogener entwickelnden Gesellschaft gelingen kann", sagt Richter. "Und wie es ist, wenn Menschlichkeit das oberste Prinzip unseres Zusammenlebens ist." Wer vermeintlich Fremde, Politiker oder Polizisten bedrohe, "der zielt ins Herz unserer Demokratie". Die Lacher hat Richter auf seiner Seite, als er erzählt, dass der vermeintlich Fremde, der noch zu DDR-Zeiten als Student nach Halle kam und dort promovierte, ein großer Kleingartenfreund ist.

Hajek lobt Wohnzimmergespräche

Der Heilbronner Baubürgermeister Wilfried Hajek betont die Bedeutung von Vereinen wie Diaphania, die sich für Völkerverständigung und Toleranz einsetzten. "Das ist heute wichtiger, denn je." Der Diskurs sei härter und rauer geworden, obgleich die Welt so gut vernetzt sei wie nie zuvor. Viele Menschen hätten Angst vor Kriminalität und Kulturverlust. "Scharfmacher segeln auf diesen Ängsten." Dabei würden Neubürger uns kulturell und wirtschaftlich bereichern. "Einer dieser Menschen ist Dr. Karamba Diaby", sagt Hajek und lobt dessen Wohnzimmergespräche, bei denen er sich in seinem Wahlkreis mit Bürgern zusammensetzt, isst und über Politik spricht. "Ich glaube, so sieht echte Basisarbeit aus."

Sichtlich gerührt ist Karamba Diaby, als ihm die Diaphania-Ehrenvorsitzende Carmen Würth den Integrationspreis übergibt. "Ich freue mich, dass meine Arbeit auch hier wahrgenommen und geschätzt wird", bedankt sich der Preisträger für die Auszeichnung. Der große Zuspruch in den vergangenen Tagen bestätige ihm, dass "die überwiegende Mehrheit eine offene und solidarische Gesellschaft" will.

Als "Hörgenuss auf allerhöchstem Niveau", lobt zu Recht Moderatorin Stefanie Schenk die Auftritte des Kammerchors und -orchesters des Heilbronner Mönchsee-Gymnasiums, die das Fest unter der Leitung von Claus Hutschenreuther und Agnes Karasek umrahmen.

 

Info

Karamba Diaby wurde im Senegal geboren, kam zum Studieren nach Deutschland und lebt in Halle (Saale). Seit 2013 sitzt er für die SPD im Bundestag. Die Europäische Gesellschaft Diaphania mit Sitz in Stuttgart ist seit 2004 im kulturellen und sozialen Bereich aktiv. Ein Schwerpunkt der Aktivitäten liegt in der Förderung des Gedankens der Integration und der Völkerverständigung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Förderung der Akzeptanz für Menschen mit Behinderungen. 


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