KSK-Soldaten trainieren in der Region

Region  Anfang Februar üben 20 Bundeswehr-Soldaten des Kommandos Spezialkräfte in der Region, wie man flüchtige Personen ergreift. Es ist die erste Übung dieser Art.

Von Alexander Klug

KSK-Soldaten trainieren in der Region

In der Region üben die Soldaten der Kommando Spezialkräfte nicht in voller Ausrüstung, sondern in Zivilkleidung.

Foto: Archiv/dpa

 

Wenn die Bundeswehr eine Übung ankündigt, könnte man an Panzer denken, die über ein Feld rollen oder Hubschrauber über einem Waldstück. Doch wenn vom 5. bis 8. Anfang Februar 20 Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) von ihrem Standort in Calw aufbrechen, tun sie das unerkannt, in Jeans und Turnschuhen. Manche werden zu Jägern, andere zu Gejagten: Die Jäger sollen eine oder mehrere flüchtende Personen ausfindig machen und festsetzen − am besten, ohne großes Aufsehen zu erregen.

Wohin genau die Suche führt, ist nur grob umrissen: In Stadt- und Landkreis Heilbronn, dem Enzkreis, Pforzheim und Calw können sich die Gesuchten verstecken − in Calw steht die Graf-Zeppelin-Kaserne, der Heimatstützpunkt der KSK-Soldaten. Über das Heilbronner Landratsamt hat die Bundeswehr die Gemeinden und Bürger informiert.

Mit Farbmunition bestückt

Die Kommando-Soldaten werden vor allem für die Befreiung und Evakuierung von deutschen Geiseln in Krisengebieten eingesetzt und operieren geheim. Bei der Übung sind sie bewaffnet unterwegs, bestückt mit Farbmunition. Es sei die erste Übung dieser Art, wie der Sprecher des Landeskommandos Baden-Württemberg der Bundeswehr, Thomas Rullmann, sagt.

Wie genau die Aufteilung der Teilnehmer aussieht, sei noch nicht klar. "Aber eine oder mehrere Personen werden sich in einem zivilen Fahrzeug aus dem Staub machen. Die anderen fahren dann, ebenfalls in Zivil und in Autos, hinterher." Ihre Handfeuerwaffen haben die Soldaten dabei, tragen sie aber verdeckt. Vor allem, wenn sie zu Fuß unterwegs sind. "Die Soldaten sind auf normalen Straßen unterwegs, müssen sich an alle Verkehrsregeln halten", sagt der Bundeswehrsprecher. "Da sie keine hoheitlichen Aufgaben wahrnehmen, haben sie auch keine Sonderrechte."

Details bleiben geheim

Wenn die Suchenden den Flüchtigen stellen, müssen sie ihn auch dingfest machen. "Wie das genau passiert, ist nicht festgelegt. Es kann sein, dass sie sein Fahrzeug mit den anderen Autos blockieren." Sowohl die Polizei als auch Stadtverwaltungen, Landrats- und Forstämter seien informiert. "Es kann ja auch sein, dass die Suche über Waldwege durch einen Staatswald führt. Der Flüchtende ist frei beweglich." Im vergangenen Jahr habe es rund 280 Übungen von Infanteristen des Kommandos Spezialkräfte in Baden-Württemberg gegeben − unterschiedlichster Art, wie der Bundeswehrsprecher erläutert. "Aber eine dieser Art gibt es jetzt zum ersten Mal."

Über die Details und Inhalte der Übung könne er wenig sagen, führt ein Sprecher des Kommandos Spezialkräfte in Calw auf Nachfrage der Heilbronner Stimme aus. "Zu den Aktionen und Manövern des Kommandos Spezialkräfte halten wir uns sehr bedeckt." Zur Abschirmung habe die Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw einen hohen Sicherheitsstandard, auch innerhalb der Bundeswehr.

Die Soldaten seien bei so einer Übung und im Einsatz nicht maskiert unterwegs. "Die Masken, die man ab und zu im Fernsehen sieht, dienen nur dem Schutz der Identität, wenn es um offizielle Termine geht, bei denen Fotos oder Videos gemacht werden", sagt der Pressesprecher. Das sei ähnlich wie bei der Spezialeinheit der Bundespolizei, der GSG 9. "Im Fall dieser Übung sind die teilnehmenden Soldaten ja nicht dem Kommando zuordenbar."

 

Das Kommando Spezialkräfte:

Das Kommando Spezialkräfte ist eine Einheit der Bundeswehr, die im September 1996 als Reaktion auf die Befreiung deutscher Geiseln aus dem damaligen Bürgerkriegsgebiet Ruanda durch belgische Spezialkräfte gegründet wurde. Sie war in den vergangenen 22 Jahren auf dem Balkan und in Afghanistan im Einsatz. Die Einheit umfasst 1100 Soldaten am Standort Calw und gehört der Division Schnelle Kräfte an. Anders als die bereits in den 1970er Jahren gegründete Spezialeinheit des damaligen Bundesgrenzschutzes (der heutigen Bundespolizei), die GSG 9, ist das Kommando Spezialkräfte für Einsätze unter Kriegsbedingungen ausgerüstet und trainiert. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 und dem „Krieg gegen den Terror“ hat sich der Fokus auf Einsätze in Afghanistan verlagert. Auftrag dort ist die Jagd auf Führungsspitzen des Terrornetzwerks al-Quaida und der Taliban.