Junge Muslime gewinnen Preis für Theaterprojekt

Heilbronn  Die Heilbronner Gruppe mit dem ungewöhnlichen Namen Sojumb hat viel Erfolg mit ihrem Theaterstück "Déjàvu". Das baden-württembergische Sozialministerium hat die jungen Muslime mit dem Jugendbildungspreis ausgezeichnet.

Von Helmut Buchholz

Junge Muslime gewinnen Preis für Theaterprojekt

Streben jetzt zwar keine Schauspielkarriere an, wurden aber für ihr Langzeit-Theaterprojekt mit 1000 Euro Preisgeld belohnt: die Sojumb-Mitglieder.

Foto: Matthias Heibel

Was die Heilbronner Gruppe mit dem ungewöhnlichen Namen Sojumb auf die Beine gestellt hat, ist eine Bestleistung. Das haben die Mädchen und Jungs im Alter zwischen neun und 14 Jahren nun sogar amtlich.

Sie heimsten vom baden-württembergischen Sozialministerium den ersten Jugendbildungspreis für ihr Projekt "Déjàvu - Theater der Geschichte" ein. Sojumb heißt eigentlich ausgeschrieben "sozial engagierte junge Muslime für mehr Beteiligung".

Es ist ein Kreis von unabhängigen, deutschsprachigen Muslimen, der sich immer freitags trifft und der aus dem Freundeskreis der Eltern entstand. Seit 2015 wird Sojumb von Betreuern des Projekts "Extrem Demokratisch - Muslimische Jugendarbeit stärken" unterstützt.

Die Teens recherchieren im Altersheim

Im Frühjahr 2017 kam Sojumb-Mitglied Hakeem (11) auf die Idee, "etwas für Ältere zu machen, ein Theaterstück". Das sei ihm einfach so eingefallen. Gedacht, gesagt, getan. "Wir haben uns hingesetzt und überlegt, wie wir das ganze Projekt anpacken wollen", erinnert sich Betreuerin Tanja El Ghadouini. Schnell war ein Name gefunden: Déjàvu - französisch für: schon mal gesehen.

"Was früher mal war, gibt es jetzt auch wieder", erklärt Hana (14), was hinter dem Namen steckt. "Zum Beispiel Krieg." Außerdem "war der Name einfach cool", ergänzt Betreuerin Tanja El Ghadouini. Die Sojumb-Gruppe beschloss, im Altersheim zu recherchieren. Sie besuchte das Heilbronner Katharinenstift und hörte zu, was die Heimbewohner zu erzählen hatten. Die Teens löcherten auch die eigenen Großeltern. Nach jeder Begegnung legten sie Protokolle an. Am Ende standen viele Geschichten von Flucht, Vertreibung und Migration.

Viel Fantasie ist mit im Spiel

Was dann folgte, muss man wohl generalstabsmäßige Planung nennen. Mit ins Boot kam die Schauspielerin Angelika Hart, die maßgeblich dabei half, das Rohmaterial zu einem Theaterstück zu formen. Unterstützt hat Sojumb auch die katholische Erwachsenenbildung, Pro Seniore Neckarresidenz, Olga-Familienzentrum und die Dr.-Buhmann-Stiftung. Premiere war im Juli, weitere Auftritte folgten, etwa im Katharinenstift. Das Theater kam prima an. Es gibt sogar eine Hörspielfassung (unterwww. jugendarbeit-staerken.de).

Um was geht es bei dem Stück? "Es sind eigentlich viele Stücke, es geht um die vielen Gründe für Migration: Naturkatastrophen, Krieg, eine Operation für Opa, ein Lotto-Gewinn, ein Stipendium", erklärt Deniz (14). Viel Fantasie ist dabei mit im Spiel: eine Einladung zum Tee mit US-Präsident Trump und Auswanderer auf der Einhorn-Insel wie in der TV-Sendung Goodbye Deutschland.

Und die Moral von der Déjàvu-Geschichte? Hana (14) überlegt und antwortet: "Dass Migration nichts Schlimmes ist. Das hat früher auch schon geklappt." Jedenfalls habe das Projekt jede Menge Spaß gemacht, erklärt Deniz. Über die Preisverleihung in Stuttgart sagt Yassin (12): "Das war einer der besten Tage in meinem Leben."

 


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