Jetzt kommt Tempo 40 in 17 weiteren Heilbronner Straßen

Heilbronn  Die Stadt Heilbronn weitet das Areal mit Tempolimit in der Innenstadt aus, um die Luftqualität in der Fläche zu verbessern. Ein Umweltingenieur beziffert den Effekt, dadurch problematische Stickoxide zu verringern, auf zwei bis vier Prozent.

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Bisher galt Tempo 40 im Stadtzentrum nur in der Weinsberger Straße. Jetzt kommen flächendeckend 17 weitere Straßen hinzu. Die Stadt will die Luftqualität in der Fläche verbessern und den Verkehrsfluss in der Innenstadt erhalten.

Foto: Mario Berger

Die Stadt Heilbronn will einen nächsten Schritt zur Verbesserung der Luftqualität in der Innenstadt machen: Nach der Weinsberger Straße soll in 17 weiteren Straßen Tempo 40 gelten. Heute werden die ersten Schilder aufgestellt, um die Autofahrer auf das neue Tempolimit aufmerksam zu machen.

Es ist eine schnelle Reaktion der Stadt, nachdem Bürger und die Deutsche Umwelthilfe das Luftfilterprojekt in der Weinsberger Straße als nur punktuelle Verbesserung der Luftqualität an der amtlichen Messstation kritisiert hatten. In der Straße sollen 26 Spezialfilter Umgebungsluft ansaugen, Stickoxide binden und die nach wie vor zu hohen Werte des Luftschadstoffs Richtung Grenzwert senken. Bis zum Sommer sollen die Filter installiert werden.

Tempo-Anpassungen, um Ausweichverkehr zu vermeiden

Jetzt schreitet die Stadt in weiteren Straßen mit Tempo 40 zur Tat. Und zwar einerseits in jenen, in denen Berechnungen einen ebenfalls zu hohen Jahresmittelwert für Stickoxide ergeben haben. Das sind Mannheimer Straße, Ost- und Südstraße, Wilhelm-, Urban- und Wollhausstraße. "Unser Kurs bleibt: Luftqualität verbessern, Fahrverbote verhindern", erklärt Oberbürgermeister Harry Mergel den Sinn der Maßnahme. Er appelliert an Autofahrer, die neue Tempovorgabe "zu beachten und gegebenenfalls alte Dieselfahrzeuge nachzurüsten oder durch neue zu ersetzen". Experten seien sich einig, dass sich die Luftqualität bei Tempo 40 gegenüber dem 50er-Limit deutlich verbessert.

Um den Verkehrsfluss insgesamt zu erhalten - und um Ausweichverkehr zu vermeiden - legt die Verwaltung andererseits in weiteren elf Straßen ebenfalls Tempo 40 als Höchstgeschwindigkeit fest. Dazu zählen Bahnhofstraße, West- und Karlsruher Straße, Allee, Karlstraße, Paul-Göbel-Straße, Orth- und Burenstraße, Paulinen-, Schaeuffelen- und ein Teil der Neckarsulmer Straße. 140 neue Schilder soll der Bauhof ab heute Punkt für Punkt aufstellen. Die Karte zeigt, dass die Kernstadt bei den größeren Straßen damit zu einer Art Tempo-40-Zone wird.

"In der Allee zum Beispiel liegen die berechneten Werte nicht über dem Grenzwert. Wir möchten aber nicht, dass Ausweichverkehr entsteht, und wollen den Verkehrsfluss gewährleisten", betont Rathaussprecherin Suse Bucher-Pinell die Hintergründe.

Experte rät, auch die Ampeln an neues Tempo anzupassen

Autofahrer müssen sich jetzt vielerorts an Tempo 40 gewöhnen. Was kann es konkret bringen? "Ein Allheilmittel ist Tempo 40 nicht. Aber es bringt eine Verringerung", stellt der Heilbronner Umweltingenieur Matthias Rau auf Stimme-Anfrage mit Blick auf die Luftschadstoffe fest.

Sein Büro beschäftigt sich mit Luftreinhalteplänen unter anderem für die Stadt Stuttgart, hat Testfahrversuche gemacht und Modelle zu Stickoxidemissionen und -immissionen berechnet. Rau beziffert einen Rückgang der Immissionswerte am Straßenrand bei Tempo 40 statt 50 mit "zwei bis vier Prozent". Wichtig wäre dabei, auch die Ampelanlagen auf Tempo 40 einzustellen, "um den Verkehr zu verflüssigen".

Um die Luftqualität weiter zu verbessern, arbeitet die Stadt aktuell am beschleunigten Nachrüsten von Bussen und Dienstfahrzeugen, am Vorrang für Elektro-Fahrzeuge und am Ausbau der Radroute Ost. Zudem ist angedacht, die Parkscheinpflicht in der nördlichen Innenstadt auf das Wochenende auszuweiten.

 

Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.

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