Januar 2020 war viel zu warm und deutlich zu trocken

Region  Ist das noch Winter? Der Januar setzt den Trend auch in der Region weiter fort: Kein Eistag, keine Schneedecke und vier Grad wärmer als im langjährigen Mittel.

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Winterliche Stimmung wie hier im Dezember bei Bretzfeld kam in den zurückliegenden Wochen selten auf. Foto: Archiv/Tscherwitschke

Vier Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt: Der Monat Januar hat wieder viel Wärme in die Region gebracht und den Trend der letzten Jahre verstärkt. Das launige Wetter zeigt zwar immer mal Kapriolen. Aber die Ausschläge weisen zuletzt immer wieder in Richtung der Erderwärmung.

Mit einem Mittelwert von 4,1 Grad in Öhringen war es der siebtwärmste Januar seit Beginn der dortigen Aufzeichnungen im Jahr 1947. Es ging öfter in den zweistelligen Bereich, in Obersulm sogar bis zu frühlingshaften 15,5 Grad. 18 Frosttage, an denen das Thermometer unter null Grad sackte, stehen in der Öhringer Bilanz. Es gab jedoch keinen Eistag mit Kälte den ganzen Tag unter Null. Das langjährige Mittel liegt dort bei acht Eistagen.

Ein einziger Tag mit Schneedecke im Dezember

Ins Bild passt da auch die Schneearmut, die sich an allen Stationen zeigt. Kein einziger Tag mit Schneedecke wurde registriert. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel steht der Januar in Öhringen mit 13,3 Tagen Schneedecke in der Statistik. Auch Dezember und November geizten mit der weißen Pracht. Ausnahme: Öhringen am 3. Dezember. Dort lag immerhin an einem Tag Schnee. Echte Winterstimmung kommt da nicht auf.

Beim Niederschlag stuft Andreas Pfaffenzeller vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart den Januar als "deutlich zu trocken" ein. Er brachte mit 25 bis 30 Liter Regen je Quadratmeter nur die Hälfte der langjährigen Januar-Menge in die Region.

Zu wenig, um die Grundwasserspeicher im Winter wieder aufzufüllen? "Es reicht noch nicht", sagt Kreisforstamtsleiter Martin Rüter auf Anfrage. Man habe in den Bodenwasserschichten vom extremen Trockenjahr 2018 immer noch ein Defizit.

Die langjährige Regenmenge im Jahr beträgt in der Region nach Wetterdienst-Angaben im Durchschnitt um die 800 Liter je Quadratmeter. Im extremen Trockenjahr 2018 waren es nur 550 bis 600 Liter. Im Vorjahr fielen in Obersulm und Öhringen um 850 Liter. Soll erreicht - mehr aber auch nicht.

Februar startet mit bis zu 35 Liter Niederschlag binnen 48 Stunden

Mal an die 80 oder 100 Liter durch ein paar stärkere Regentage im Februar und auch Feuchte in den Sommermonaten würde Rüter sich für die vielerorts geschwächten Baumbestände wünschen. Immerhin gibt es einen Lichtblick: Der Februar startete mit einiger Nässe. Zwischen Samstag- und Montagmittag fielen in der Region binnen 48 Stunden mal 22 Liter (Obersulm), 24 Liter (Heilbronn) oder 35 Liter in Öhringen. In der Hohenloher Kreisstadt war das damit schon mehr Niederschlag als im ganzen Januar.


Selbst in der Region gab es schneereiche Winter - wie diese Galerie zeigt:


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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