Jagd auf Nilgänse auf Buga-Gelände erlaubt

Heilbronn  Veranstalter sehen keine andere Lösung als die Wasservogelart durch Jäger zu dezimieren. Von Naturschützern kommt Kritik an den Plänen. Der erste Abschussversuch ging daneben.

Von Carsten Friese

Jagd auf Nilgänse auf Buga-Gelände erlaubt

Die satten Wiesenflächen auf dem Buga-Areal haben Nilgänse offenbar angelockt. Der Nabu plädiert dafür, alternative Vertreibungsmethoden zu prüfen.

Foto: Mario Berger

 

Sie sind an vielen Orten in Deutschland ein Problem, und jetzt wollen auch die Veranstalter der Bundesgartenschau in Heilbronn gegen sie vorgehen: Nilgänse, eine eingewanderte Gänseart, die aggressiv gegenüber anderen Vögeln auftritt, sind für die Buga-Macher ein Problem. Sie haben bei der Stadt eine Sondergenehmigung beantragt, um auf dem Buga-Gelände Nilgänse schießen lassen zu können.

"Wir haben das Thema ernsthaft geprüft", sagt Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas auf Anfrage. "Uns ist aber keine andere Lösung bekannt." Bedenken wegen einer Gesundheitsgefährdung durch den Kot der Nilgänse und die Bedrohung der heimischen Artenvielfalt auf dem Buga-Gelände führt Faas an. Naturschützer sehen die Pläne kritisch.

Nabu: Sauberkeit auf dem Buga-Gelände ist kein Argument 

Dass die bewässerten, saftigen Buga-Wiesen die Nilgänse im trockenen Sommer angelockt hätten, führt BUND-Regionalgeschäftsführer Gottfried May-Stürmer ins Feld. Er glaubt, dass eine Vergrämung zum jetzigen Zeitpunkt "für die Katz" sei, weil andere Nilgänse nachrücken würden. In freier Natur sei die Nilgans derzeit bejagbar. Ab 15. Januar gelte für Wasservögel bis zum Herbst indes Schonzeit.

Entscheidend sei, wie eine Bejagung auf dem Buga-Gelände begründet wird und welche Auflagen es gebe. Nabu-Mitglied Christoph Armbruster findet, ein Abschuss müsse nach Recht und Gesetz und in einem vernünftigen Rahmen erfolgen. Sauberkeit auf dem Buga-Areal ist für ihn "kein Argument".

Britta Böhringer-Retter, Nabu-Vorsitzende Heilbronn und Umgebung, sieht einen Abschuss als letzte Möglichkeit. Sie ist skeptisch, ob hier Alternativen intensiv geprüft worden seien. Die Nabu-Chefin führt hüfthohe Zäune um Wasserflächen an, da Nilgänse freie Sicht auf Wasserflächen als Fluchtmöglichkeit brauchten. Man könnte auch mit Hilfe von Falken oder Geräuschen (Greifvögel, Hundegebell) Nilgänse vertreiben; zudem ist sie überzeugt, dass Nilgänse bei täglich Tausenden Besuchern auf dem Buga-Gelände nicht lange bleiben würden.

Buga-Chef: Wir können nicht überall Zäune bauen

Die Buga-Planer haben solche Überlegungen verworfen. Oliver Toellner hat erlebt, wie aggressiv Nilgänse sich ihm gegenüber verhalten haben. Auch Hanspeter Faas glaubt nicht, dass Nilgänse sich mit einfachen Mitteln vertreiben lassen. Rund 20 Nilgänse hielten sich inzwischen weit verteilt auf dem Buga-Areal auf, auch am Neckaruferpark, am Hafenplatz, an den Seen. "Da können wir nicht überall Zäune bauen, es geht auch um den gesamten Neckar."

Nilgänse hinterließen sehr viel Kot, der auch Krankheiten übertragen könne; zudem habe man Millionen für eine große Artenvielfalt auf dem Buga-Gelände ausgegeben. Enten, Schwäne, Reiher, Eisvögel lebten hier. Die aggressive Nilgans aber vertreibe heimische Arten, betont Faas. Und sie vermehre sich stark. "Für uns ist wichtig, im Vorfeld richtig zu reagieren" - statt nicht mehr reagieren zu können.

EU-Richtlinie: Heimische Arten erhalten

Es gibt eine EU-Verordnung über invasive Tierarten, die in neue Räume vordringen und heimische Arten zurückdrängen. Die Nilgans ist dort eingruppiert. Von "Beseitigung" und "Eindämmung" einer invasiven Art ist in der Verordnung die Rede. Es werde darin klar gefordert, die heimischen Arten zu erhalten, betont Faas. "Wir rotten die Nilgans ja nicht aus", sagt er. Man wolle ihre Zahl aber dezimieren. Jäger sollen die Aufgabe in den nächsten Wochen übernehmen.

In Frankfurt hat die Stadt bereits 2017 eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss von Nilgänsen in einem großen Freibad erteilt, in dem sich bis zu 100 Gänse auf den Wiesen niedergelassen hatten. In Kotproben waren Salmonellen festgestellt worden. Versuche mit Knallgeräuschen oder Flatterbändern hatten die Gänse nicht vertrieben. Auch Darmstadt hat inzwischen Abschüsse an städtischen Wasserflächen erlaubt.

Erster Versuch scheiterte

Rathaussprecher Christian Britzke bestätigt, dass die Stadt für das Buga-Gelände erstmals eine Sondererlaubnis zum Abschuss von Nilgänsen erteilt hat. Im genehmigten Zeitraum im September sei es aber nicht zum Abschuss gekommen, weil keine Gänse auf dem Gelände waren. Man werde bei einem weiteren Antrag erneut eine Erlaubnis erteilen. Mit Blick auf den Buga-Start sei es auch eine Zeitfrage. Andere Maßnahmen wie das Austauschen von Eiern in Nestern seien zeitaufwendig.