Ist der Buga-ICE eine Streichverbindung?

Region  Der Buga-ICE fährt Heilbronn wieder an. Die Verbindung war in den vergangenen zwei Wochen ausgefallen. Neuen Recherchen der Heilbronner Stimme zufolge könnte der Dauerausfall allerdings Folge einer möglicherweise bewusst vorgenommenen Fahrplanänderung gewesen sein.

Von Christian Gleichauf
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Seltenes Schauspiel: Der ICE 714 fährt am Montagnachmittag wieder durchs Neckartal. Dieses Foto entstand in Eberbach.

Foto: Christoph Garstka

Der Dauerausfall des Buga-ICEs in den ersten zwei Juli-Wochen könnte die Konsequenz einer gezielten Fahrplanveränderung gewesen sein. Bahn-Kenner führen dafür gute Gründe an: Seit 9. Juni kann der ICE 714/715 entfallen, ohne dass andere Verbindungen betroffen sind. Die Bahn dementiert: "Ihre Interpretation, die DB hätte hier eine ,Sollbruchstelle" geschaffen, um das ICE-Zugpaar 714/715 für andere Zugausfälle einzusetzen, stimmt nicht." Derzeit fährt der ICE die Buga-Stadt Heilbronn wieder planmäßig an.

Wenige Fahrgäste steigen am Montag zu

Montag, 17. Juli, Heilbronner Hauptbahnhof. Die Anzeigetafel kündigt den ICE 715 aus Köln mit fünfminütiger Verspätung an. Eine Familie aus Frankreich und ein Mann, der so kurzfristig den ICE nutzen möchte, dass er noch kein Ticket kaufen konnte, sind die Einzigen, die zusteigen möchten. Dass der Zug fährt, daran hatte nach zehn Tagen "kurzfristiger Ausfälle" offenbar kaum noch jemand geglaubt.

Was die Auslastung des Neckartal-ICEs auch in der Vergangenheit angeht, gibt es unterschiedliche Einschätzungen - je nach Perspektive. Selbst Bahn-Mitarbeiter in Heilbronn sind überrascht, wie gut der Zug genutzt wurde angesichts der Tatsache, dass die Ankunfts- und Abfahrtzeiten für einen Buga-Besuch kaum passen. Bahn-Beobachter Christoph Garstka aus Neckargerach hält die Auslastung zwar für eher schwach, sieht aber nicht nur in der langsamen Fahrt durchs Neckartal eine Ursache. "Auch ohne den Umweg über Heilbronn war der ICE aus Köln über Wiesbaden eher ein Alibi-ICE" - weil er länger braucht als über Frankfurt.

Die Bahn-Pressestelle bleibt zugeknöpft

Die Bahn gibt auf Anfrage keine Auskunft über die Auslastung. Vielleicht weil dann nachvollziehbar wäre, dass ihr Interesse am Buga-ICE eher gering sein dürfte? Dass sie die Verbindung über Heilbronn mit dem sogenannten kleinen Fahrplanwechsel zur Streichverbindung umgebaut habe, weist sie jedenfalls umgehend zurück. Die Zugbildungspläne, die das nahelegen, sind öffentlich zugänglich - wenn auch nicht leicht zu verstehen. Bahn-Insider haben sich an die Stimme gewandt und halfen, das Material zu interpretieren.

Ist der Neckartal-ICE eine Streichverbindung?

Ankunft des ICE 715 in Heilbronn am Montagmorgen. Zwei Wochen lang war er ausgefallen.

Foto: Christian Gleichauf

Wagenmaterial bis Juni effizient eingesetzt

Demnach war der ICE 715 von Ende April bis Anfang Juni Teil eines komplizierten Umlaufplans. Der Zug fährt laut Winterfahrplan von Köln über Heilbronn nach Stuttgart und dann als ICE 9574 weiter nach Paris. Von dort geht es zurück nach Frankfurt, wo er teils mehrfach über Saarbrücken oder Straßburg nach Paris pendelt. Von dort aus geht es irgendwann wieder nach Stuttgart und dann als ICE 714 über Heilbronn zurück nach Köln.

Jede Verspätung, jeder Ausfall auf der Strecke über Heilbronn hat also Konsequenzen für diesen effizienten, mehrtägigen Zugumlauf. Weil zudem auch Auslandsverbindungen betroffen wären, müsste die Bahn bei einem Ausfall zusätzlich hohe Strafzahlungen leisten, erläutert ein Bahn-Kenner.

 

Ab 9. Juni fährt der Zug nur noch nach Stuttgart und wieder zurück

Seit dem Sommerfahrplan sieht das anders aus: Der ICE 715 fährt morgens nur von Köln nach Stuttgart und als ICE 714 nachmittags wieder zurück und wird abgestellt. "Dass eine Zuggarnitur, die keine neun Stunden am Tag eingesetzt wird, nicht gerade höchste Priorität genießt, ist offensichtlich", lautet dazu der Kommentar eines Bahn-Kenners. Beweisen lasse sich damit natürlich nichts.

Die Bahn beantwortet weitere Fragen nicht. Etwa ob wegen der fehlenden ICEs nun andere Verbindungen ausfallen müssen. Ob es eine politische Entscheidung war, den Buga-ICE fahren zu lassen. Wie es weitergeht mit dem Fernverkehr in Heilbronn. Lapidar heißt es: „Die Ausfälle resultierten aus Fahrzeugverfügbarkeitsproblemen. Der Ausfall erfolgte jeweils so kurzfristig, weil bis zum letzten versucht wurde, diese Verbindung zu fahren, was dann leider nicht umsetzbar war.“ Das passe nicht zur Beobachtung, dass auf Wochen keine Sparpreise buchbar waren, merkt ein Kritiker gegenüber unserer Redaktion an.

Mehr zum Thema: Die Bahn hat gezeigt, wie schnell sie reagieren kann, wenn sich eine Verbindung nicht lohnt. Stimme-Redakteur Christian Gleichauf kommentiert 

 

 

 

Bahn-Freunde kommen zu Wort

Bereits nach wenigen Zugausfällen hatte sich Christoph Garstka aus Neckargerach an unsere Zeitung gewandt. Seine Leidenschaft gilt der Bahn-Fotografie, und die Chance, einen ICE im Neckartal zu fotografieren, wollte er sich nicht oft entgehen lassen. Doch Tag für Tag wurde er enttäuscht. Am Montag konnte er nun wieder den Auslöser drücken.

Auch Frederik Heim-Nerlich freute sich am Montagmorgen, dass der ICE wieder fährt. Wenigstens zur Buga-Zeit kann er so eine umsteigefreie Verbindung aus Limburg zu seinem Arbeitsort Heilbronn nutzen. Seit 16 Jahren fährt er Bahn - und hat sich schon an manche Panne gewöhnt. Die Informationspolitik bei den jüngsten Ausfällen "war aber schon extrem negativ", findet er. "Zum Glück ist die Buga auch ohne ICE ein Erfolg."

Nach der Buga muss Heim-Nerlich wieder zweimal umsteigen, wenn er nach Heilbronn oder nach Hause fährt. Dass weiterhin Fernzüge in Heilbronn halten, hält er für unwahrscheinlich. Garstka fordert genau das. "Es muss ja kein ICE sein." Auf der Gäubahn würde das Land übrigens einen Teil der Kosten übernehmen - schließlich ersetzen die Fernzüge Nahverkehrsverbindungen. "Das wäre doch auch ein Modell fürs Neckartal." Das Landesverkehrsministerium nahm dazu auf Anfrage noch nicht Stellung.

 
 
 
 

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