Ist Laufen bei großer Kälte schädlich?

Neckarsulm  Olympiamedaillengewinner Edgar Itt weiß, worauf es jetzt beim Sport im Freien ankommt. In Neckarsulm referierte er über Risiken und Vorzüge des Laufens bei frostigen Witterungsverhältnissen.

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"Wie, du gehst bei dem Wetter Laufen? Das ist doch viel zu kalt!" Wie oft haben regelmäßige Läufer diesen Spruch schon gehört und mussten sich erklären: "Nein, im Gegenteil, das ist gut fürs Immunsystem!" Was davon stimmt? Und was sollten Jogger im Winter beachten? Das erklärt der frühere Profisportler und Olympiamedaillengewinner Edgar Itt im Rahmen der heutigen Gesundheitsfrage.

 

Minustemperaturen

Die These hält sich hartnäckig: Wenn es Temperaturen unter minus 10 Grad hat, ist Joggen schädlich für die Bronchien. Edgar Itt möchte das nicht so pauschal verstanden wissen. Sein Rat: Spätestens im Herbst mit regelmäßigem Training beginnen, damit Organismus und Lunge sich langsam auf kältere Temperaturen einstellen können. Außerdem: Beim Joggen durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen. Der Grund: Durch die Nase hat die Luft einen längeren Weg bis zur Lunge und kann sich auf dem Weg dorthin erwärmen. Wem es schwerfällt, durch die Nase zu atmen, kann sich auch mit einem Funktionsschal, den er über den Mund zieht, behelfen. Auch so wird die Luft leicht angewärmt. Achtung: Keinen Baumwollschal verwenden, denn der wird schnell nass − und Auskühlen droht.

 

Kleidung

Edgar Itt rät zum Zwiebellook − also mehreren dünnen Lagen, die übereinander gezogen werden. Wichtig: Von innen nach außen Funktionskleidung tragen, über die Feuchtigkeit abtransportiert wird und die leicht trocknet. Wer zu kalten Füßen neigt, kann statt Sport- oder Kompressionsstrümpfen Skisocken tragen, die sind etwas dicker, und eventuell zusätzlich Stulpen über der Laufhose. Warm sein sollte auch der Kopf, über den viel Wärme verloren geht. Auch Halsbereich und Handgelenke sollten abgedeckt sein, um ein Auskühlen zu verhindern. Das Tragen von Handschuhen hält Itt dagegen für Geschmackssache.

 

Schuhe

Wenn die Socken etwas dicker sind, sollten auch die Schuhe ein wenig größer sein. Itt sagt: "Deshalb die Socken, die man im Winter trägt, mit ins Sportgeschäft nehmen, wenn man sich neue Schuhe kauft." Das Profil sollte im Winter etwas gröber sein − vor allem für Läufer, die viel auf Waldwegen unterwegs sind. Bei einem feinen Profil setze sich nämlich schnell Dreck in den Zwischenräumen fest, "und dann gibt das einen richtigen Schmierfilm, auf dem man leicht rutscht". Edgar Itt vergleicht das mit Autoreifen: "Man kann als Fahrer noch so gut sein, wenn man im Winter mit Sommerreifen herumfährt, bekommt man Probleme." Auch die richtige Lauftechnik sei im Winter von großer Bedeutung. "Wer sich unkoordiniert bewegt und seinen Körperschwerpunkt schlecht trifft, läuft Gefahr, die Balance zu verlieren und auszurutschen." Eine professionelle Laufanalyse mit Anleitung könne bei Bedarf helfen.

 

Dehnen

Ob Dehnen vor oder nach dem Sport nötig ist, ist eine Frage der Philosophie. Edgar Itt hält Stretching vor dem Laufen für sinnvoll, "um die Muskulatur wach zu machen". Vordere und hintere Oberschenkelmuskulatur, Waden, Rumpf und Schulter sowie Sprunggelenke und Achillessehnen sollten aufgewärmt werden. Achtung: Keine wippenden Bewegungen und das Stretching auch nicht übertreiben. Kurz vor der Schmerzgrenze sollte man aufhören. Für Sprunggelenke sind kreisende Bewegungen mit den Füßen gut. Die Schultern nicht vergessen, sagt Itt. "Sie sind wichtig, denn daraus kommt der Schwung."

 

Erkältungen

Eine eindringliche Warnung spricht er in Sachen Joggen bei Erkältungsanzeichen aus. "Auf gar keinen Fall. Warten Sie, bis Sie sich wieder ganz gesund fühlen", sagt Itt. Denn sonst drohen im schlimmsten Fall Herzrhythmusprobleme oder eine Herzmuskelentzündung. "Und das will wirklich keiner."

 

Valerie Blass

Valerie Blass

Autorin

Valerie Blass ist Autorin im Politik-Team. Ihr besonderes Interesse gilt Themen aus dem Bereich Gesundheit.

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