In der Krise einen kühlen Kopf bewahren

Region  Angesichts der eingeschränkten Bewegungsfreiheit ist Struktur im Alltag besonders wichtig, sagen Psychologen. Sie raten dazu, soziale Kontakte über Video oder Chats zu pflegen. Auch Pläne für die Zeit nach der Pandemie zu schmieden, kann helfen.

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Sich zu Hause selbst zu motivieren, fällt nicht jedem leicht, ist aber nötig.

Foto: rh2010/stock. adobe.com

Mindestens bis nach den Osterferien, vielleicht länger, heißt es: zu Hause bleiben und soziale Kontakte auf ein Minimum reduzieren. Eine Ausnahmesituation, wie sie die meisten Menschen in Deutschland noch nie erlebt haben. Diese deutliche Einschränkung der Bewegungsfreiheit wirkt auf viele belastend.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPS) hat Tipps zusammengestellt, die dabei helfen sollen, die häusliche Isolation gut zu überstehen. Dabei gilt laut DGPS: "Jeder Mensch muss seine eigene, zu ihm passende, Strategie finden."

Das Papier der DGPS, aus dem wir hier zitieren, ist online abrufbar und mit dem Titel "Psychologische Tipps und Hilfen in einer herausfordernden Zeit" überschrieben.

Disziplin

Das ist quasi der Rahmen, der jetzt unser Handeln leiten sollte, sagen die Psychologen. Sich gehenlassen und den ganzen Tag ungeduscht im Schlafanzug zu Hause rumlümmeln? Das ist keine gute Idee, so die Experten − auch wenn die Arbeit im Homeoffice für viele diese Möglichkeit bietet. Doch der Mensch brauche Struktur: "Sie gibt Sicherheit und hilft, mit Stresssituationen umzugehen."

Der Rat: Einen "Plan für den Tag" machen. So habe man das Gefühl, der Situation nicht hilflos ausgeliefert zu sein, sondern sie aktiv mitzugestalten. Dazu gehört auch: Aufstehen und zu Bett gehen zu den üblichen Zeiten und sich anziehen, als ob man ins Büro gehe. Dasselbe gilt für Kinder: Auch sie sollten die gewohnte Tagesstruktur einhalten. Lern- und Freizeit sollten geplant werden, genauso wie gemeinsame Aktivitäten.

Medienkonsum

Die meisten Menschen haben gerade deutlich mehr Zeit als sonst, sich mit dem Nachrichtengeschehen zu befassen und viele verspüren das Bedürfnis, sich über die aktuelle Lage auf dem Laufenden zu halten. Das merken auch wir: Die Leser und Online-Nutzer verlassen sich auf die sorgfältig recherchierten Informationen der Stimme, die Zugriffszahlen bei Themen, die sich mit der Corona-Krise befassen, sind stark in die Höhe gegangen.

Die Psychologen sagen: Es macht Sinn, sich zu informieren, denn Fakten geben Orientierung und tragen dazu bei, sich weniger hilflos zu fühlen. Aber sie raten auch dazu, sich nicht permanent mit der Nachrichtenlage zu befassen − eine zu starke Beschäftigung könne negative Gefühle auslösen oder diese verstärken.

Soziale Kontakte pflegen

Sich mit Freunden treffen − das geht gerade nicht. Doch es gibt zahlreiche technische Möglichkeiten, sich trotzdem mit der besten Freundin auszutauschen, mit den Eltern in Kontakt zu bleiben oder sich mit den Kollegen zu besprechen. Chats, Videokonferenzen oder soziale Netzwerke helfen, sich nicht allein zu fühlen. Die Psychologen raten dazu, Gespräche auf positive Dinge zu lenken, statt nur zu diskutieren, was alles gerade nicht geht.

Die Frage: "Was hat dich heute gefreut?" könne dabei helfen − genauso wie die Erinnerung an schöne Erlebnisse aus der Vergangenheit. Gerade jetzt ist auch eine gute Gelegenheit, die Tante endlich wieder anzurufen, mit der man schon lange keinen Kontakt mehr hatte, weil sonst irgendwie immer die Zeit gefehlt hat.

Bewegung

Regelmäßige Bewegung ist wichtig, denn sie tut Körper und Psyche gut und stärkt das Immunsystem. Ein Spaziergang, Radfahren oder Joggen an der frischen Luft helfen, Stress abzubauen und Belastungen besser zu bewältigen. Auch auf engem Raum − in den eigenen vier Wänden, auf dem Balkon oder im Garten − ist Sport möglich.

Das Internet ist voll von Mitmach-Videos mit unterschiedlichen Angeboten. Auch Anbieter aus der Region machen ihre Kurse online verfügbar, so wie die Neckarsulmer Sport-Union und Reha am Bahnhof in Neckarsulm, über die wir in der vergangenen Woche berichtet haben.

Durchhalten

Die Lage ist schwierig, doch die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen werden irgendwann vorüber sein und eine Zeit der Normalisierung wird folgen. Der Appell der DGPS : "Sie können selbst dazu beitragen, dies zu beschleunigen, indem Sie besonnen und entschlossen handeln. Halten Sie durch!". Auch wenn das nicht immer leicht falle. Pläne zu machen für die Zeit, wenn alles vorbei ist, könne helfen, die Situation optimistischer zu sehen.

 

 


Valerie Blass

Valerie Blass

Autorin

Valerie Blass ist Autorin im Politikressort. Ihr besonderes Interesse gilt Themen aus dem Bereich Gesundheit.

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