In Heilbronn werden 26 Luftfilter aufgestellt

Heilbronn  Das 1,7 Millionen Euro teure Pilotprojekt mit Luftfiltersäulen an der Weinsberger Straße in Heilbronn soll die Stickstoffdioxid-Werte weiter senken. 85 Prozent finanziert das Verkehrsministerium in Stuttgart.

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Seit November 2019 gilt an der Weinsberger Straße in Heilbronn Tempo 40, um dort die Abgasemissionen zu senken. An der Hauptverkehrsader sollen demnächst 26 Luftfiltersäulen installiert werden.

Foto: Mario Berger

Nach wie vor drohen in der Stadt Heilbronn Dieselfahrverbote, weil es bislang nicht gelungen ist, die Stichstoffdioxid-Werte unter das geltende Limit von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft zu drücken. Tempo 40 an der stark belasteten Weinsberger Straße ist eine der Maßnahmen. Seit November 2019 sind die Schilder mit dem Zusatz "Luftreinhaltung" aufgestellt.

Heilbronn an sechster Stelle

Nun sollen die Werte mit Hilfe eines Pilotprojekts weiter reduziert werden: 26 Luftfiltersäulen werden an der Weinsberger Straße installiert. Kosten: 1,7 Millionen Euro. 85 Prozent der Summe werden vom Landes-Verkehrsministerium bezahlt, das damit neue Maßnahmen testen will, die Luftschadstoffwerte zu reduzieren. Im Jahr 2019 rangierte Heilbronn mit einem Jahresmittelwert von 47 Mikrogramm bundesweit an sechsthöchster Stelle.

In Stuttgart wurden die Luftfiltersäulen bereits erprobt. "Die Erfahrungen aus der Landeshauptstadt sind gut", erläutert Jens Boysen. Der stellvertretende Leiter des Amts für Straßenwesen präsentierte das Pilotprojekt jetzt im Bau- und Umweltausschuss der Stadt Heilbronn. Die Reduktion der Werte richte sich nach der Dichte der jeweiligen Bebauung: "Im Umfeld von Wohngebäuden sinken die Emissionen um bis zu 15 Prozent", sagt Boysen. Die 26 Säulen werden auf den Gehwegen und Grünstreifen an der Weinsberger Straße installiert.

260.000 Euro zahlt die Stadt

Die offizielle Zusage über die Fördermittel steht noch aus. "Wir erwarten täglich den Bescheid", berichtet Boysen. 1,45 Millionen Euro für die Anschaffung kommen vom Land. Die verbleibenden 260.000 Euro muss die Stadt Heilbronn beisteuern. Dafür sollen nicht benötigte Mittel aus der Förderung des ÖPNV verwendet werden.

Mehrheitlich stimmte der Ausschuss der Mittelvergabe zu. Allerdings hätte man das Geld lieber für ÖPNV-Maßnahmen ausgegeben heißt es bei Vertretern von CDU, SPD, Grünen, Linken. Es handele sich um frei gewordene Mittel, die nicht abgerufen wurden, stellt Amtsleiterin Christiane Ehrhardt klar. "Wir schädigen damit kein Projekt im Bereich des ÖPNV, das deshalb nicht stattfindet", ergänzt Baubürgermeister Wilfried Hajek. Dennoch solle sich die Kämmerei bemühen, andere Mittel zu finden.

Pilotprojekt für zwei Jahre

Das Pilotprojekt ist auf zwei Jahre angelegt. "Ich hoffe, dass wir die Filter dann nicht mehr brauchen", erklärt der Baubürgermeister. "Staubsauger am Straßenrand" können aus seiner Sicht nur eine Übergangslösung sein. "Aber wir alle wollen keine Fahrverbote." Langfristig müsse sich an Fahrzeugen etwas ändern.

Die Ablehnung der Ausgabe begründet Konrad Wanner (Linke) mit Verweis auf das Verursacherprinzip: "Mit der Luftfilteranlage wird nur an Folgen herumgedoktert." Die AfD votierte gegen den Antrag mit der Begründung: Nicht die Kommunen sollten die Kosten bezahlen.

Andere Städte waren besser

In Heilbronn werden für 1,7 Millionen Euro 26 Luftfilter aufgestellt
Klicken Sie auf die Grafik, um alle Städte zu sehen, die das "Stickstoffdioxid-Limit" überschreiten.

Die Luftfiltersäulen könnten die Luftreinhaltung in der Problemstraße beschleunigen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes gibt es einige Städte, die im Vorjahr den Stickoxidwert viel stärker als die Stadt Heilbronn gedrückt haben. Heilbronn schaffte ein Minus von fünf Mikrogramm gegenüber 2018.

Düsseldorf und Frankfurt erreichten einen Rückgang von zehn Mikrogramm, Berlin und Kiel von elf, Köln von 15. Stuttgart schaffte am Standort Neckartor gar ein Minus von 18 Mikrogramm. Dort wurden 23 spezielle Luftfilter in der Straße eingesetzt.

 

Bärbel Kistner

Bärbel Kistner

Autorin

Bärbel Kistner schreibt seit 1999 im Stadtkreis-Ressort der Heilbronner Stimme über Stadtentwicklung und Wohnen, über Trends im Einzelhandel und den demografischen Wandel  

Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.   

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