Im Mehrfamilienhaus den eigenen Strom nutzen

Region  Der Energieversorger Zeag setzt bei der Quartiersentwicklung auf eine Mischung aus Blockheizkraftwerk und Photovoltaik. Auch Energeno investiert und kümmert sich um Kundschaft.

Von Simon Gajer
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Im Mehrfamilienhaus den eigenen Strom nutzen

Haus- und Wohnungsbesitzer können über Photovoltaik-Anlagen einen Teil ihres Strombedarfs selbst decken. Nur der Rest kommt dann noch vom Versorger.

Foto: kelifamily/stock.adobe.com

Mit Blockheizkraftwerk und Photovoltaik-Anlage sinken für die Bewohner in Mehrfamilienhäusern die Strompreise: Davon ist die Zeag Energie AG überzeugt.

Das Unternehmen berät Wohnungseigentümergemeinschaften und Bauträger beim Mieterstrom. Ohnehin hat sich der klassische Energieversorger längst weiterentwickelt. Ein gutes Beispiel dafür ist der Stadtteil Neckarbogen in Heilbronn, wo das Heilbronner Unternehmen mehr als Wärme und Energie liefert. Teil der sogenannten "integrierten Quartiersentwicklung" sind auch Glasfaseranbindung und die Infrastruktur für Elektromobilität.

Mieterstrom aus Photovoltaik senkt die Stromkosten

Für Claus Flore, der die Zeag-Bereiche Unternehmensentwicklung, Innovation und Kommunikation leitet, sprechen die Zahlen für sich: Wenn sich Häuser für den sogenannten Mieterstrom entscheiden, sinken für die teilnehmenden Wohnungen die Strompreise. Sind eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und ein Blockheizkraftwerk in unmittelbarer Nachbarschaft, gelten für die Abnehmer im Haus ganz andere Preise. Netzentgelte fallen weg, die Stromsteuer muss nicht bezahlt werden, zählt er Vorteile auf.

Entscheidet sich ein Haus dafür, steigt oft Zeag ein und investiert in die Anlagen. Grund: Das Komplettpaket könne sich auf 70.000 bis 100.000 Euro summieren, weiß Claus Flore. Für manche Eigentümergemeinschaft sei das zu viel. Wobei der Name, der von der Politik stammt, irreführend sei. Der Zeag-Verantwortliche betont: Jede Wohnung könne den Strom beziehen, nicht nur Mieter. Der restliche Strom, der nicht selbst produziert wird, kommt von Stromanbietern zu normalen Konditionen.

Solarmodule für den eigenen Balkon

Der Einstieg in Mieterstrom kommt für die Energiegenossenschaft Energeno aus Heilbronn derzeit nicht infrage. "Wir würden es gern machen, weil wir die Idee toll finden", sagt Projektleiter Sebastian Staudenmayer. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sprechen aber seiner Ansicht nach gegen einen Einstieg. Verschiedene Projekte seien durch die Genossenschaft geprüft worden. Damit sich die Umsetzung aber lohne, benötige man Häuser mit mindestens 15 bis 20 Einheiten. Ein Grund dafür seien Fixkosten: "Wir müssen Zähler setzen."

Stattdessen vermarkten die Genossen Solarmodule, die am Balkon oder im Vorgarten aufgebaut werden können. Eine Zielgruppe seien Mieter, die kein eigenes Dach haben, sagt Sebastian Staudenmayer. Um den eigenen Sonnenstrom zu nutzen, müsse man die Module nur in eine Steckdose einstecken. "Das wird rege angefragt."

Energeno sucht immer nach geeigneten Flächen für Photovoltaik-Anlagen. Von Einfamilienhäusern sei man aber abgekommen. "Die Eigentümer beraten wir", sagt Staudenmayer. Zurzeit sei die Genossenschaft bemüht, an Firmen oder Einzelhändler und deren Gebäude heranzukommen. Die Zusammenarbeit mit Kommunen läuft: Kürzlich begann die Kooperation mit Heilbronn.

Auf der Wilhelm-Hauff-Schule ging eine erste Anlage in Betrieb, die eine Leistung von 144 Kilowatt hat. "Wir haben noch eine 90-Kilowatt-Anlage in Eberstadt auf eine Industriehalle gebaut und die Gesamtanlage auf den Gebäuden der Aufbaugilde um 75 Kilowatt auf jetzt insgesamt über ein Megawatt erweitert", zählt Sebastian Staudenmayer jene regionalen Dachanlagen auf, die in jüngster Zeit hinzugekommen sind. Zudem sei Energeno mit den Rathäusern in Ilsfeld und Untergruppenbach im Gespräch.

 


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