Im Hexenschlössle in Heilbronn gehen die Lichter aus

Heilbronn  Die Kultkneipe im Heilbronner Südviertel schließt in wenigen Tagen. Der Pachtvertrag wurde nach 15 Jahren nicht verlängert. Gäste sind über das Aus enttäuscht.

Von Joachim Friedl

Im Hexenschlössle gehen die Lichter aus

Anneliese Zeller (links) und Tochter Sabine Braune-Bluhm wissen, was ihre Gäste am liebsten trinken. Am 23. März schließt das "Hexenschlössle". Foto: Mario Berger,

Traurigkeit und Bitterkeit sind in das "Hexenschlössle" eingezogen. Von der Fröhlichkeit und Beschwingtheit unter den Gästen ist in den vergangenen Tagen nur wenig zu spüren. Die Kultkneipe im Heilbronner Südviertel schließt am 23. März für immer - nach 15 Jahren.

In der Zeit davor luden das "Schlössle", später das "Henrys" auf ein Bier, ein Glas Wein oder einen Absacker ein. Mehr als 45 Jahre Gastronomie drücken dem Haus mit dem verspielten Türmchen nunmehr den Stempel auf.

Eine schöne Zeit geht zu Ende

"Mir blutet das Herz", sagt wehmütig Wirtin Anneliese Zeller (65). Tochter Sabine Braune-Bluhm (48), die all die Jahre ebenfalls hinter dem Tresen stand, stimmt ihrer Mutter betrübt zu: "Eine schöne Zeit geht zu Ende. Hier fanden Paare zueinander, und es wurde an Schicksalen Anteil genommen. Jeder kennt die Lebensgeschichte vom anderen. Wir waren eine große Familie."

Der Grund dafür, dass es das "Hexenschlössle" in wenigen Tagen nicht mehr gibt, ist der, dass der Hausbesitzer den Pachtvertrag nicht verlängert hat. "Fragen Sie mich bitte nicht warum. Sonst sage ich noch was Dummes", winkt Anneliese Zeller frustriert ab. Erfreulich scheinen die Gespräche nicht verlaufen zu sein.

Seit gut zehn Jahren kommt Jochen Dürr in die versteckt hinter der Wilhelmstraße liegende urig-schummrige Raucherkneipe. "Es ist schade, dass das Lokal schließt", bedauert er. Nach Feierabend hat Jochen Dürr gerne auf ein Bier vorbeigeschaut: "Nur nette Leute, alle sind sofort per Du. Und von der Wirtin gibt´s gratis ein Küsschen dazu." "Uns allen wird die Kneipe fehlen", spricht Antje König den meisten Gäste aus der Seele: "Wir haben tolle Abende hier erlebt."

Urteil der Gäste: Absolute Wohlfühlkneipe

"Absolut unmöglich, dass das Hexenschlössle schließt", schimpft Uwe Kellig und schaut bekümmert Richtung Wirtin: "Wir vermissen die Anneliese schon jetzt." Von einer "absoluten Wohlfühlkneipe" spricht Lutz H. und schüttelt den Kopf: "Ich kann die Entscheidung des Hausbesitzers nicht nachvollziehen." Torsten B. ergänzt empört: "Solche Lokale sollten nicht mit Füßen getreten werden." Seine Frage, wo man sich künftig treffe, kann am Tresen niemand beantworten.

Die kleine Hexe am Eingang scheint von all den Veränderungen unbeeindruckt. Freundlich lächelnd heißt sie Gäste nach wie vor willkommen. Doch auch ihre Tage sind gezählt - wie die der anderen 130 großen und kleinen Hexenpuppen, die der Kneipe den Namen gaben. "Viele habe ich schon an meine Gäste verschenkt. Zur Erinnerung", schließt Anneliese Zeller langsam mit einer Ära ab, die 1997 im Südviertel begonnen hatte. Damals führte die Wirtin mit bayerischen Wurzeln mit Tochter Sabine das "Mac up" an der Wilhelmstraße.

Um 5 Uhr morgens ist Schluss

Am 23. März wird es sein wie immer. Um 5 Uhr in der Früh wird Anneliese Zeller als Letzte das Licht ausmachen und den Schlüssel herumdrehen. Das "Hexenschlössle" ist dann Vergangenheit.

 


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