IG-Metall-Bezirksleiter fordert mehr Mut und weniger Nostalgie

Heilbronn  Beim DGB-Jahresempfang in Heilbronnn wirbt der Gewerkschafter Roman Zitzelsberger für Klimaschutz, Energiewende und technologische Kompetenz. Mit einem "Weiter so" lasse sich der gewaltige Transformationsprozess nicht gestalten, warnt Zitzelsberger.

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IG-Metall-Bezirksleiter Zitzelsberger fordert mehr Mut und weniger Nostalgie

Gut gelaunte Gewerkschafter (von links): Roman Zitzelsberger (IG Metall) , Gabriele Frenzer-Wolf, Silke Ortwein, Bernhard Löffler (alle DGB).

Foto: Andreas Veigel

Wenn der oberste Metallgewerkschafter Baden-Württembergs kurz vor dem Beginn einer Tarifrunde Hauptredner bei einem DGB-Empfang ist, steht eigentlich fest, was kommt: Markige Rhetorik, um die eigenen Reihen zu schließen, heftige Angriffe gegen die Arbeitgeber, die den Beschäftigten nichts von ihren Gewinnen abgeben wollen.

Der Gewerkschafter sorgt sich um das große Ganze

Beim Neujahrsempfang des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Heilbronn am Dienstagabend ist das anders. Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, widersteht der Versuchung, für die Anliegen der Gewerkschaft in der Tarifauseinandersetzung zu trommeln. Stattdessen widmet er sich dem Thema, das nicht nur ihn, sondern wohl das ganze Land umtreibt: Der gewaltige Veränderungsprozess, der gerade stattfindet und alle Lebensbereiche erfassen wird.

Dabei geht es Zitzelsberger nicht nur um "seine" Metall- und Elektroindustrie, sondern um das große Ganze. Das wird beim Thema Klimaschutz deutlich: "Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel am eigenen Leib spürt, und die letzte Generation, die etwas dagegen tun kann", zitiert er Barack Obama. Und stellt klar: "Es ist kein Platz für Kohle, Öl und Gas." Das werden Viele in der Autoregion Heilbronn nicht gerne hören.

Die Energiewende soll endlich umgesetzt werden

Zwar spricht Zitzelsberger nicht explizit vom Aus des Verbrennungsmotors. Aber Sätze wie "Wir stehen an einem Scheideweg", "Wir müssen ernst machen mit der Energiewende" oder "Ein weiter so bringt uns nicht weiter" zeigen, dass er nach vorne schaut. Mit Nostalgie und dem sehnsuchtsvollen Blick zurück löst man keine Probleme von heute und morgen.

Dass die Herausforderungen gewaltig sind und vielen Menschen Sorge bereiten, ist Zitzelsberger klar. "Es gibt eine tiefgreifende Verunsicherung", sagt er. Viele Menschen hätten Verlustängste, fürchteten, nicht mehr gebraucht zu werden. Doch deswegen als Gesellschaft in Angststarre zu verfallen, sei die völlig falsche Reaktion.

Der Gewerkschafter fordert stattdessen mehr Mut bei der Gestaltung der Transformation und warnt vor einer technologischen Verzwergung. Gerade den Baden-Württembergern sei es bisher immer gelungen, technologische Lösungen für aktuelle Probleme zu entwickeln. Dieses Zutrauen wünscht sich Zitzelsberger heute mehr denn je.

Die Menschen müssen beim Veränderungsprozess mitgenommen werden

Um den Dreiklang Transformation, Arbeit und Gerechtigkeit hinzubekommen, bedürfte es massiver Investitionen in Produkte, Prozesse und Infrastruktur sowie intelligenter regionaler Strukturpolitik. Außerdem fordert der IG-Metall-Bezirksleiter eine umfassende Bildungsoffensive, die die Menschen auf den Wandel vorbereitet. "Wir verstehen viel zu wenig von Digitalisierung", sagt er.

Weiterbildung müsse grundsätzlich auch unabhängig von konkreten betrieblichen Erfordernissen möglich sein, wirbt Zitzelsberger für das von den Arbeitgebern kritisierte Bildungszeitgesetz. Ganz ohne Spitzen gegen den Tarifpartner geht es dann doch nicht.


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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