ICE hat zur Premiere gleich mal satte Verspätung

Heilbronn  Der erste Intercity-Express der Geschichte kommt in Heilbronn 47 Minuten zu spät an. Technische Störungen an der Strecke sind die Ursache. Ein Bürgermeister-Trio begrüßt den Schnellzug mit Blumen und Buga-Maskottchen. Überraschend ist: Fahrgäste zur Buga waren im ersten Zug nicht dabei.

Von Carsten Friese und Christoph Donauer

Am Montagmorgen um 10.28 Uhr rollte der ICE in Heilbronn ein. Foto: David Mülheims

 

Erst war die Enttäuschung groß, dann war es doch ein historischer Moment: Mit 47 Minuten Verspätung ist der allererste Intercity-Express (ICE) am Montagmorgen um 10.28 Uhr im Heilbronner Hauptbahnhof angekommen. Wegen technischer Störungen an der Strecke wurde die Premierenfahrt anlässlich der Bundesgartenschau von Köln nach Stuttgart ein Geduldsspiel.

„Ein Hauch von Bahngeschichte wehte gerade durch den Heilbronner Hauptbahnhof“, sagte Oberbürgermeister Harry Mergel kurz nach der Weiterfahrt des ICE. Er war mit seinen Amtskollegen Martin Diepgen und Agnes Christner zum Bahngleis gekommen, hatte einen Blumenstrauß und ein Buga-Maskottchen an das Zugpersonal übergeben. Mit einer Bahnkelle mit Grünsignal gab Mergel dann kurzerhand die Weiterfahrt des ICE 715 nach Stuttgart frei. Trotz der Verspätung überwiege die Freude, dass Heilbronn zur Zeit der Buga an den Fernverkehr angeschlossen sei.

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Studenten sind vor dem historischen Moment noch ganz cool

Es waren einige Schaulustige aufs Gleis 4 gekommen, um den besonderen Moment zu erleben. Der Heilbronner Peter Ande hatte sich extra das teurere Ticket gekauft, um sich die allererste ICE-Fahrt „als Gag“ zu gönnen. Da er um 11 Uhr einen geschäftlichen Termin in Stuttgart hatte, musste er umdenken und nahm eine Regionalbahn. „Was will man machen? Die Bahn ist sich einfach treu“, sagte er mit Sarkasmus. Ob der den zu viel bezahlten Fahrpreis erstattet bekommt, wollte er noch klären. „Jetzt kommt der erste ICE hier an und dann das“, ärgerte sich eine andere Bahnfahrerin. 

Mit einer Sony-Systemkamera stand Joshua Köhler am Bahngleis. Er habe als Student der Verkehrsbetriebswirtschaft Interesse an der Eisenbahn und wolle den besonderen Moment festhalten. Seine Mitstudenten André Friedsam und Niklas Hetfleisch waren ebenfalls mitgekommen. Wenige Minuten vor der Einfahrt waren sie noch „ganz cool“.

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Zwei Minuten später rollte der Zug Richtung Stuttgart. Foto: Carsten Friese

 

Gedanken an einen IC-Einsatz nach der Buga

Auch einige Eisenbahner des früheren Maschinenamts Heilbronn wollten den historischen Augenblick live erleben. „Das ist schon ein Ereignis“, fand der Lehrensteinsfelder Horst Gaßmann nach der Abfahrt des ICE. Wehmut empfand er nicht, er bedauerte, dass kaum Fahrgäste ausgestiegen seien. Maximal zehn Fahrgäste hatten den Zug in Heilbronn verlassen, viele mit Koffern; nach einer kurzen Stimme-Umfrage war keiner dabei, der zur Buga wollte. Die Nachfrage ist also noch ausbaufähig.

Dass der ICE durchs kurvige Neckartal ja gar keine volle Fahrt aufnehmen könne und er deshalb für Reisende, für die die Fahrzeit wichtig ist, nicht sehr attraktiv ist, merkte der Heilbronner Bernd Großhans an. Der Obersulmer Werner Werz denkt schon an die Zeit nach der Buga. „Es wäre gut, wenn der ICE von den Fahrgästen aus der Region angenommen wird.“ Bei einer guten Nachfrage würde die Bahn auch nach der Buga voraussichtlich weitere Fernzüge einsetzen. Für Horst Gaßmann muss das nicht zwingend ein ICE sein. IC-Doppelstockwagen wären optimal, findet er. Denn egal ob auf der Strecke nach Würzburg oder Mannheim: Viel schneller als 120 Stundenkilometer „können sie dort ohnehin nicht fahren“. 

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OB Harry Mergel hatte ebenfalls schon angedeutet, nach der Buga mit der Bahn die Fahrgastzahlen zu erörtern und dann auszuloten, was machbar ist.

Für Grünen-Stadtrat Wolf Theilacker war die Ankunft des ersten ICE auch trotz Verspätung eine große Freude. 2014 habe man mit der SPD zusammen im Regionalverband erstmals einen Antrag eingereicht, einen Intercity-Fernzug zur Buga nach Heilbronn zu holen. Dass dies klappen könne und jetzt sogar ein ICE hier hält, „hat damals doch keiner wirklich geglaubt“. 

Live-Blog

Unser Kollege Christoph Donauer hatte am Montagmorgen um 6.11 Uhr den ICE am Kölner Hauptbahnhof bestiegen - mit Fahrtziel Heilbronn. Was er auf seiner Fahrt nach Heilbronn erlebte, gibt es in diesem Blog zum Nachlesen.  

 

 

 

 

 

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