Holzfäller-Show in Widdern

Widdern  Es ist ein Nischensport und die, die ihn machen, reisen dafür durch ganz Europa: das Sportholzfällen. In Widdern fand am Pfingstmontag zum 29. Mal der Holzfäller-Wettbewerb auf dem Sportplatz am Pfingstmarkt statt.

Von Marie-Luise Schächtele
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Beim Holzfällerwettbewerb in Widdern zeigten Teilnehmer, wie sie mit Axt und Motorsäge umgehen können. Foto: Mario Berger

 

Ein Baumstamm steht auf dem Sportplatz. Er ist mit Stützen auf dem Rasen befestigt, denn gleich wirken starke Kräfte auf ihn ein und der Stamm darf nicht umfallen. Kilian Schmid hebt mit beiden Händen eine große Axt und schlägt eine tiefe Kerbe in den Stamm. Er klemmt ein Holzbrett in den Einschnitt, das selbst etwa einen Meter lang ist, steigt auf das Board und schlägt von dort aus an einer zweiten Stelle auf das Holz, bis eine Kerbe entsteht. Er steckt ein zweites Brett in die zweite Kerbe, klettert hinauf und richtet seine ganze Kraft darauf, einen Stamm zu durchtrennen, der ganz oben auf dem Holzstamm befestigt ist. „Springboard“ heißt die Disziplin.
 
Bei einer anderen Übung, „Liegend schroten“, treten die drei Frauen, die teilnehmen, gegeneinander an. Sie stehen auf einem Baumstamm und müssen ihn durchteilen. Yolanda Hagmann schlägt mit einer großen Bewegung mit der Schneide ihrer Axt erst von der einen, dann von der anderen Seite in das Holz. Jeder Schlag kostet Kraft. Auch die Axt herauszuziehen, ist mühsam. Doch sie setzt gleich wieder an. Und die 34-jährige Schweizerin, die von Beruf Landschaftsarchitektin ist, wird bei der Aufgabe Erste.

Sie kommt aus Ramsen im Kanton Schaffhausen. „Am Wochenende waren wir noch bei einem Wettbewerb in Tschechien“, sagt sie. In Kanada, woher sie ursprünglich stammt, hat sie 2006 mit dem Sport angefangen. „In Nordamerika ist er total verbreitet.“ Sie mag es, mit den Geräten zu arbeiten. „Der Sport gefällt mir, die Leute“, sagt sie. „Es gibt keine bessere Sportart.“ Ob es in dem Sport mehr um den Spaß geht als um das Gewinnen? „Nein“, sagt sie. Sie will ihre Zeit verbessern.

 

Teilnehmer reisen aus ganz Europa an
 
Viele der Sportler machen im echten Leben, was mehr oder weniger stark mit Natur und Holz zu tun hat. Kilian Schmid, der auch Schweizer und extra angereist ist, ist Landmaschinenmechaniker. Der Belgier aus der Nähe von Antwerpen Maarten Cuvelier Baumpfleger. Und auch der Tscheche Martin Komarek, mehrfacher Vizeweltmeister und Vorjahressieger, ist Baumpfleger und gestaltet aus Holz Skulpturen. Die Eltern der Sportlerin Nadine Münzenmaier (30) besitzen in Neuffen im Landkreis Esslingen eine Landwirtschaft.
 
Wer dagegen wie er für den Eigenbedarf Holz mache, könne den Sport nicht betreiben, sagt Zuschauer Jan Vachaja (24). Es sei ein „Extremsport“. Die Bewegungsabläufe brauche man im Alltag nicht. Und man benötige viel Geduld.

Widderner sind stolz auf ihren Wettkampf
 
Zum Beispiel, um die „Kombination“ zu schaffen, bei der in kurzer Zeit viele unterschiedliche Aufgaben gelöst werden müssen: Mit einer Powersäge müssen von einem Stamm so schnell wie möglich drei Scheiben abgeschnitten werden. Anschließend müssen von einem kleinen dünnen Stamm, der währenddessen frei auf dem Boden stehen soll, mit einer Motorsäge 15 kleine Scheiben abgesägt werden. Sie dürfen nicht herunterfallen. Doch die Stämme fallen ständig um, mitsamt der Holzscheiben. Die Sportler stapeln sie wieder aufeinander. Schließlich muss aus einem schmalen Stamm auch noch ein Holzbrett ausgesägt werden.
 
Die Widderner sind stolz auf ihren Wettkampf: „Als wir die Idee hatten, habe ich meine Mitarbeiter zwangsverpflichtet, mitzumachen“, sagt Organisator Ulrich Bopp, der ein Baugeschäft hat. Inzwischen habe sich der Wettbewerb professionalisiert.

 

 


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