Hölderlin-Museum: Private Spende über 900.000 Euro

Lauffen  Der Gemeinderat bringt ein 4,3 Millionen teures Museumsareal auf den Weg. Im Mittelpunkt steht das Wohnhaus, in dem der Dichter Friedrich Hölderlin Kindheitsjahre verbracht hat.

Von Rolf Muth
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Mit der großen Lösung wird nicht nur das bestehende Hölderlinhaus saniert, sondern auch die angrenzende Scheune mit einem neuen Erschließungsbereich samt Anbau mit Weinterrasse realisiert. Darstellung: VON M

Der fast 270 Jahre alte Bau in der Nordheimer Straße ist recht unscheinbar, langweilig auf den ersten Blick: Wer daran vorbeifährt, hält ihn schlichtweg für marode. Es ist die Geschichte, die das Anwesen so wertvoll macht. Hölderlin hat hier Kindheitsjahre verbracht. Das Dichterhaus ist nicht ohne Grund baden-württembergisches Denkmal des Monats September und vom Bund als „national wertvolles Kulturdenkmal“ eingestuft. 

Bedeutendster deutscher Lyriker

Hölderlin bekommt selbst in Lauffen nicht überall die Beachtung, die er verdient: Er zählt zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern. Bis zu seinem 250. Geburtstag am 20. März 2020 soll sich das ändern, ein stimmiges Museumsareal mit Alt- und Neubau entstehen. Im Zentrum: das Hölderlinhaus. Dafür sorgt eine private Spende von 900.000 Euro.

Die Großzügigkeit des Mäzens gibt bei der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend wohl den Ausschlag, die auf 4,3 Millionen Euro geschätzte Lösung zu realisieren. Bislang hatte sich das Gremium lediglich für eine abgespeckte, 2,4 Millionen Euro teure Variante erwärmen können, mit Provisorien und Teilumbau zum Museum: Leben und Schaffen Friedrich Hölderlins in einer literarische Dauerausstellung, Empfang, Cafeteria und Museumspädagogik.

Hochkarätig besetzter Vorstand

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Das Wohnhaus Hölderlins (links) an der Nordheimer Straße steht im Mittelpunkt der Maßnahme. Teile des Gebäudes, etwa der Keller, stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Die Familie Hölderlin erneuerte 1750 das Obergeschoss. Foto: Rolf Muth

Für Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger, der dem hochkarätig besetzten Vorstand der Tübinger Hölderlingesellschaft angehört, muss dieser bisherige Wille wie das Fragment einer literarischen Arbeit vorgekommen sein: ein Anfang, so wie ein paar angerissene Verse, aber kein vollendetes Gedicht. Das ist nun vom Tisch.

Für die Sanierung des historischen Wohnhauses hat der Gemeinderat bereits die Strebewerk GmbH Stuttgart beauftragt. Für die erweiterte Maßnahme mit Stege, Foyer, Neubau und die Fortschreibung des literarischen Ausstellungskonzepts wurde das renommierte, preisgekrönte Stuttgarter Büro VON M beauftragt, das den Architektenwettbewerb gewonnen hat.

Planer Matthias Siegert stellte die Grundzüge des Projekts vor. Wohnhaus und Scheune werden durch Stege verbunden. Hier könnte eine raffinierte Gestaltung zur Geltung kommen: In der Luft hängende Exponate werden von den Stegen aus erfahrbar gemacht. Eine Idee, die Matthias bei einem Besuch im New Yorker Guggenheim-Museum gefallen hat.

Anbau für Ausstellungen

Eine Scheune im rückwärtigen Bereich wird abgerissen, also Platz geschaffen für einen Anbau samt Terrasse zu den Weinbergen, der Wechselausstellungen möglich macht. Quasi ein Riegel vor der Nordseite des Grundstücks mit verglaster Front. Damit sei eine vollumfängliche, barrierefreie Nutzung als Museum, Veranstaltungs- und Begegnungsort möglich. Im Vergleich zur abgespeckten Lösung könne gänzlich auf Provisorien verzichtet werden.

Die große Lösung lässt laut Siegert zudem ein Erschließungselement zu, das durch einen Aufzug die barrierefreie Nutzung des großen Gewölbekellers als Veranstaltungsraum möglich macht.

Förderung ist enorm

Die Förderquote für dieses außergewöhnliche Vorhaben ist enorm: Lauffen bekommt fast 2,6 Millionen Euro an Sanierungs- und Denkmalmitteln. Durch die private Spende ist es der Kommune nun möglich, das Vorhaben mit lediglich 700.000 Euro an Eigenmitteln zu realisieren. Der Gemeinderat ist damit hoch zufrieden, will jedoch einen genauen Blick darauf haben, dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen.

 

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