Hochschul-Forum: Jungwinzer schreiben Nachhaltigkeit groß

Heilbronn  Spannende Präsentation des Studiengangs Weinmarketing und Management an der Hochschule Heilbronn mit 500 Besuchern und 400 Tropfen aus ganz Deutschland. Bioweine sind im Kommen.

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Hochschul-Forum: Jungwinzer schreiben Nachhaltigkeit groß

Die Provino-Vorstandsriege (von links) Felizitas Kojek, Julia Noll, Katharina Makarov und Mika Wied freut sich über den Erfolg des 23. Weinforums.

Foto: Mario Berger

Fridays for Future, Rettet-die-Bienen-Volksbegehren, Glyphosat-Verbot: Schlagworte wie diese sind in aller Munde. Angesichts der Klimadebatte erkennt Armin Gemmrich von der Hochschule Heilbronn auch beim Wein eine "neue Sensibiliät".

Den Schritt vom konventionellen zum umweltschonenden Weinbau hätten die meisten Betriebe längst vollzogen. Derzeit wachse der Öko-Anbau zusehends. Einen Schritt weiter geht der Professor mit Dine, dem von ihm 2009 gegründeten Deutschen Institut für Nachhaltige Entwicklung. Es zertifiziert den "CO2-Fußabdruck" des gesamten Betriebs und neuerdings sogar die "Klimaneutralität".

Auffallend viel Spitzenbetriebe

Mit Genugtuung stellt Gemmrich beim 23. Weinforum des studentischen Vereins Provino im Hochschulcampus Sontheim fest, dass "Öko" und "Bio" gerade bei Spitzenbetrieben immer wichtiger werden. 400 Weine von 150 Winzern aus allen 13 deutschen Anbaugebieten hatten Studierende des Studiengangs Weinmarketing und Management von Sponsoren an Land ziehen können.

Die meisten der 500 Besucher waren begeistert von der Vielfalt und Qualität. "Das ist fast eine Prädikatsgüter-Präsentation", so Felizitas Kojek, Julia Noll, Katharina Makarov und Mika Wied vom Provino-Vorstand.

Klimawandel mit Licht- und Schattenseiten

Sie berichten, dass Themen des nachhaltigen Wirtschaftens in ihrem Lehrplan eine wachsende Rolle zukommt. Zweischneidig sei dabei der Klimawandel zu betrachten. "Einerseits werden inzwischen auch nördlich der Alpen mediterrane Sorten reif, was vor allem Rotweinen zugute kommt", weiß Wied. Gleichzeitig steige in heißen Jahren der Alkoholgehalt, was bei Weißweinen nicht gewünscht sei. Außerdem wanderten von Süden Krankheiten und Schädlinge ein.

"Mit Extremen wie Trockenheit und Hagel steigt das Anbaurisiko", weiß Kojek. Dass damit die Arbeit im Weinberg immer aufwendiger wird, wissen Christoph Golter und Carolin Häußer, die sich im Hochschulfoyer einen Stand teilen. "Wir befinden uns mitten in der Zertifizierung zum EU-Bio-Siegel", berichtet die Winzertochter aus Winnenden, "aus Überzeugung, aber auch, weil das heute gut zu kommunizieren ist".

Genussvolle Doppelpässe

Von der Innovationsfreude der Studenten zeugten beim 23. Weinforum des Vereins Provino Stände zum Foodpairing, also zum Zusammenspiel anderer Lebensmittel und Süßigkeiten mit Wein. So gab es bei den Brüdern Pfeffer kesse Kombinationen mit Käse, während die Chocolaterie Holzderber mit Schokolade und Wein spielte, Die Bäckerei Kipp hatte das passene Brot dabei. Auch Absacker fehlten nicht: Whisky, präsentiert von Dozentin Kristina Kramer, oder „Kaffee und Kippe“, von den aus dem Mobilat bekannten Firmengründern Richi, Adly, Dominique, Dennis und Marco. Nicht zu vergessen: Die Studenten-Genossenschaft Perspektive Wein schenkte eigene Hochschulweine aus. 

"Wir sind nah dran an Bio", berichtet Golter. Was den Ilsfelder von der Zertifizierung abhält, ist Kupfer, den Öko-Winzer im Notfall gegen Mehltau spritzen dürften. "Für den Boden ist das nicht nachhaltig." Außerdem will Golter "flexibel reagieren können".

Um betriebswirtschaftliche Vorteile und Umweltschutz unter einen Hut zu bekommen, setzt der Jungwinzer zunehmend auf Piwis, also besonders robuste neue Rebsorten, die über gezielte Züchtung "immer mehr und immer besser" würden.

Neue robuste Sorten als Alternative

Auch Anna Weinreuter vom gleichnamigen Weingut in Leingarten hat einen Piwi dabei, einen Saigner. Ihre Familie habe sich schon vor Jahren bei Ecovin und Bioland zertifizieren lassen. "Darüber hinaus ist uns Nachhaltigkeit im ganzen Betrieb wichtig, vom Recycling bis zum guten Umgang miteinander." Nebenbei macht Anna Werbung für die Pop-up-Weinbar, die ihre Familie beim Marrahaus eingerichtet hat.

 

 


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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