Heute vor 33 Jahren: Drei Tote auf Waldheide

Heilbronn  Am 11. Januar 1985 explodierte auf der Heilbronner Waldheide der Motor einer US-Atomrakete. Drei Soldaten starben. Am Sonntag, 14. Januar, um 14 Uhr findet eine Gedenkfeier statt: Damit wir nicht vergessen.

Von Kilian Krauth
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Der 4. Dezember 1944, der Tag der nahezu totalen Zerstörung Heilbronns am Ende des Zweiten Weltkriegs, ging als Schicksalstag der Stadt in die Geschichte ein. Ins kollektive Bewusstsein eingegraben hat sich auch dieses Datum: 11. Januar 1985. Heute vor 33 Jahren, es war an einem Freitag, explodierte auf der Waldheide das Triebwerk einer Pershing-II-Atomrakete. Die Stadt stand im Brennpunkt der Weltöffentlichkeit und wurde auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges zwischen Nato und Sowjetunion zum Mekka der Friedensbewegung.

Vom US-Fort zum Naherholungsgebiet

Schon wenige Jahre später setzte politisches Tauwetter ein. Gleichwohl wurde das Fort noch bis 1990 weiter ausgebaut. Kurz darauf zogen die letzten Soldaten ab. 1992 kaufte die Stadt das rund 50 Hektar große Gelände inmitten des Stadtwalds dem Bund ab und begann bald  mit der Renaturierung. Inzwischen hat sich die Natur das einstige Fort Redleg fast komplett zurückerobert, der ehemalige Stützpunkt für Vernichtungswaffen dient der Bevölkerung als Naherholungsgebiet. 

Letzte Zeugen des Kalten Kriegs

Allein am ehemaligen Tor 2  unweit der Donnbronner Straße oberhalb der Jägerhaus-Gaststätte steht noch ein letztes US-Gebäude. Die  Halle Nummer 901, an der noch „No smoking“-Schilder zu entdecken sind, wurde zum Schafstall umfunktioniert. Der asphaltierte Vorplatz geht nahtlos in die idyllische Heidelandschaft über. 100 Meter entfernt befindet sich an einem Trampelpfad ein mit Pflastersteinen umfriedetes Steinfeld. Es mutet wie eine Grabstätte an. Zwischen Buchs- und Thuja-Büschen sitzt ein naturbelassener Felsen. Auf einer Metalltafel stehen die Worte „Lest we forget“ – „Damit wir nicht vergessen“ – und die Namen John Leach, Todd A. Zephir und Darryl L. Shirley. Die Soldaten kamen hier am 11. Januar 1985 ums Leben. 

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Gedenkfeier an diesem Sonntag

Die International Veterans Association Neckarsulm veranstaltet am Sonntag, 14. Januar, um 14 Uhr am Denkmal auf der Waldheide eine Gedenkfeier. Zur Erinnerung an drei junge amerikanische Soldaten, die am 11. Januar 1985 durch die Explosion des Motors einer Pershing-II-Rakete auf dem damaligen US-Raketenstützpunkt Fort Redleg auf der Waldheide starben, hat der Verein ein Monument und eine Fahnenstange errichtet. 

Historischer Abriss

Die Waldheide liegt zwischen Heilbronn und Weinsberg. Ursprünglich als Acker und Weide genutzt, wurde sie im 19. Jahrhundert teilweise aufgeforstet. Von je her dient sie der Naherholung , ab 1883 auch als Exerzierplatz. 1935 wurde sie zudem zum Flugplatz. 1953 baute die US-Army die Landebahn aus, 1977 kamen die ersten Pershing-Raketen, aber erst mit dem Unfall von 1985 wurde die Stationierung der Atomwaffen öffentlich. 

 

 


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