Heilbronner feiern die Eröffnung der Buga

Heilbronn  173 blühende Tage haben am Mittwoch begonnen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lobte bei der Eröffnungsfeier die Leistung aller an der 27. Bundesgartenschau beteiligten Personen. Seine Rede verfolgten trotz Regens rund 1700 Zuschauer auf dem Heilbronner Marktplatz.

Von Joachim Friedl von Carsten Friese
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Die 27. Bundesgartenschau ist am Mittwoch in Heilbronn von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in feierlichem Rahmen eröffnet worden.

Bis zum 6. Oktober können Besucher die Symbiose aus farbenfroher Gartenschau und zukunftsweisender Stadtentwicklung erleben. Mehr als 5000 Veranstaltungen locken auf das 40 Hektar große ehemalige Gewerbe- und Industriegebiet am Neckar.

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"Sie haben sich mächtig ins Zeug gelegt." Neben einem großen Kompliment für das, was alle an der Buga Beteiligten in den vergangenen sieben Jahren floristisch und architektonisch geleistet haben, erklärte Steinmeier das Thema Wohnen zur Existenzfrage: "Wir müssen verhindern, dass unsere Städte zum sozialen Kampfplatz um das Wohnen werden."

 

Städte dürfen nicht zum sozialen Kampfplatz werden

Mit dem Stadtteil Neckarbogen sei durch die Einbeziehung von genossenschaftlichem und sozialem Wohnungsbau etwas Besonderes mit Vorbildfunktion entstanden. In einem leidenschaftlichen Appell warnte Steinmeier vor ideologischen Grabenkämpfen: "Sie schaffen keine neuen Wohnungen." Von Nöten seien beherzte Kommunen, Investoren, Bauherren und Stadtplaner, die sich der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst seien.

"Mit Blick in die Zukunft muss es gelingen, urbanes Wohnen und Arbeiten mit einem Leben in der Natur zu verbinden", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Das sei die Botschaft, die von der Bundesgartenschau Heilbronn ausgehe, denn Natur- und Artenschutz beginne bei jedem einzelnen Bürger. Vorgärten als Steinwüsten böten keinerlei Nachhaltigkeit: "Leben ist, wo es summt und brummt."

 

 

Jubel auf dem Marktplatz beim Public Viewing für den Bundespräsidenten

Eröffnung der Buga: Public Viewing auf dem Marktplatz
Weil nicht alle zur Feier mit Bundespräsident Steinmeier gehen konnten, gab es auf dem Marktplatz ein Public Viewing. Rund 1700 Menschen kamen trotz Regens. Foto: Ralf Seidel

Als der Bundespräsident dann gegen 12 Uhr vor geladenen Gästen die Bundesgartenschau eröffnet, brandet auch dem Heilbronner Marktplatz vor einer großen Leinwand plötzlich Jubel auf. Dorthin waren zum Public Viewing der Eröffnungsfeier trotz Regens nach Heilbronn-Marketing-Angaben gut 1700 Menschen gekommen. Sie füllen den Marktplatz wie zu guten Weindorf-Zeiten. „Das ist beachtlich. Man spürt die besondere Stimmung in der Stadt“, freut sich Heilbronn-Marketing-Chef Steffen Schoch.

Samt Regenschirm waren die Nordhausenerin Silvia Neubig mit den Enkeln Mara (10) und Nils (8) zum Marktplatz gekommen. Sie hat den Kindern von Ehrengast Frank-Walter Steinmeier erzählt, der in seinem Amt „so etwas wie die Queen von England“ sei. Dass sie nicht direkt zur Feier mit den geladenen Gästen durften, fand Neubig schade. Dann eben Public Viewing.

Vorfreude auf die Farbenpracht der Buga

In orangefarbenen Overalls fielen auf dem Marktplatz Mitarbeiter der Stadt auf, zum Beispiel der Entsorgungsbetriebe. Man habe frei bekommen, um das Public Viewing anzusehen, erzählte Martin Ott. Er fand das „eine schöne Geste“. Die Mitarbeiter würden ja auf dem Buga-Gelände auch arbeiten, zum Beispiel regelmäßig die Seen und die Wassertreppe säubern.

In leichte Regencapes gehüllt saß eine Frauengruppe an einem der aufgestellten Tische. Als Naturliebhaberin freut sich die Heilbronnerin Cordula Alfian auf die Farbenpracht auf der Buga. Auch für Kinder sei des Gelände schön gestaltet. Anja Grimme erzählte, sie sei einfach neugierig, jetzt zu sehen, was aus den Riesen-Investitionen in das Gelände geworden ist.

Die Menschen rücken enger zusammen

Frank-Walter Steinmeier spricht bei der Eröffnungsfeier für die Heilbronner Bundesgartenschau
Frank-Walter Steinmeier spricht bei der Eröffnungsfeier für die Heilbronner Bundesgartenschau. Foto: Mario Berger

Auch Harry Mergel begrüßte die geladenen Buga-Gäste. Er sei überzeugt, dass mit der Buga die Menschen in der Stadt und in der Region "noch enger zusammenrücken und das Miteinander gestärkt wird". Für den Heilbronner Oberbürgermeister war der erste Buga-Tag aber nicht nur ein Tag der Freude, sondern auch ein Tag des Dankes. An die Adresse des gesamten Buga-Teams mit Geschäftsführer Hanspeter Faas an der Spitze sagte er in seiner Begrüßungsrede: "Ihr seid großartig."

Dass SWR-Moderator Michael Antwerpes während der Eröffnungsfeier Alt-Bundespräsident Theodor Heuss mal eben zu einem „gebürtigen Heilbronner“ statt zu einem Brackenheimer macht, fiel auf dem Marktplatz natürlich auf. Es herrschte aber viel Toleranz. „Das lassen wir als Heilbronner gern auch mal so stehen“, sagte ein Gast.

Volle Kilianskirche, voller Marktplatz

Bereits vor der Eröffnungsfeier war die Heilbronner Kilianskirche voll besetzt bei einem ökumenischen Gottesdienst mit Landesbischof Frank Otfried July und Gebhard Fürst, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Gut 1700 Menschen waren auf den Marktplatz gekommen, um dort die Liveübertragung des SWR von der Eröffnungsfeier auf dem Experimenta-Platz mitzuverfolgen.

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