Heilbronner "Ursprung" soll den Ruf des Trollingers verbessern

Heilbronn  Die Genossenschaftskellerei Heilbronn gibt der Württemberger Hauptsorte ein zeitgemäßes Profil und animiert Kollegen zur Nachahmung. Der Trollinger namens Ursprung will das moderne Lebensgefühl treffen.

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Moderner Trollinger aus Heilbronn soll Kreise ziehen

Bisher wird der neue Trollinger-Typ namens "Ursprung" nur von Mitgliedern der Genossenschaftskellerei Heilbronn produziert. Doch die Initiative soll auf Wengerter in ganz Württemberg überspringen.

Foto: privat

 

Über Geschmack lässt sich streiten, auch beim Wein, gerade beim Trollinger. Liebhabern von internationalen Rotweinen ist er zu blass, zu leicht, zu glatt, kurzum: ein Opawein. 

Viele Schwaben sehen das anders. Für sie ist der Trollinger ein Kulturgut, das ihr Lebensgefühl widerspiegelt, weil er frisch und kernig schmeckt, durch seine Leichtigkeit und Frische zum zweiten oder dritten Glas animiert - und eigentlich immer passt. Doch Trollinger-Fans, die das Getränk in allen Lebenslagen hochhalten, sterben scheinbar aus. Die Wertschätzung, die dieser Heimatwein über Generationen im Neckarland genoss, schwindet mit der Globalisierung der Geschmäcker zusehends.

Die zündende Idee von WG-Chef Kircher

Vor diesem Hintergrund lassen viele Wengerter nicht locker, Qualität, Profil und Image der Rebsorte aufzupolieren. Tatsächlich gibt es inzwischen Trollingerweine, die selbst bei kritischen Multiplikatoren Lob ernten. Gleichwohl scheinen solche markanten, gut strukturierten Paradetrollinger nicht die Zungen der breiten Konsumentenschicht zu treffen. So ging die Rebfläche in den letzten 20 Jahren von einst 2500 Hektar auf 2100 Hektar zurück. In nicht wenigen Kellern lagern Übermengen aus früheren Jahren.

Qualität und Ruf schärfen

Diese Problemlage ließ dem Vorstandschef der Genossenschaftskellerei Heilbronn, Justin Kircher, lange keine Ruhe - bis ihm pünktlich zum Jahrgang 2018 eine "zündende Idee" kam. Das daraus erwachsene Konzept stellte die WG-Spitze nun der Presse vor - und natürlich auch den daraus entsprungenen Wein: den Trollinger namens Ursprung. Wie die beiden Geschäftsführer Karl Seiter und Michael Eißler betonen, zielt das Gesamtkonzept ausdrücklich auf Nachahmung ab.

Als größte Genossenschaft Württembergs wolle man vorausgehen, "um Qualität und Ruf des wichtigen Wirtschaftsfaktors und Kulturgutes in der Breite nachhaltig zu verbessern". In einem zweiten Schritt plane man eine landesweite Initiative namens "Trollingerstolz Württemberg", über die man Güter und Genossenschaften zwischen Taubergrund und Bodensee für die Trollinger-Kampagne gewinnen will.

Kostenpunkt: 5,95 Euro pro Flasche

Der "Ursprung" dieser breit angelegten Rettungsaktion soll der gleichnamige Trollinger sein. Die Trauben stammen zunächst ausschließlich von der besten Lage Heilbronns, vom Wartberg. Ein gutes Dutzend WG-Mitglieder erntet dort auf bis zu 15 Hektar maximal 100 Kilogramm pro Ar, also ein Drittel bis 50 Prozent weniger als üblich. Bei 5,95 Euro pro Flasche würden die beteiligten Wengerter ihr Traubengeld trotzdem erhöhen.

Die Trauben werden laut Kellerchef Arne Maier teils auf der Maische vergoren, teils auf 60 Grad erwärmt und lagern nach dem biologischen Säureabbau ein Jahr in Holzfässern und Stahltanks. Am Ende werden die unterschiedlichen Fraktionen cuvéetiert und abgefüllt. Das Ergebnis ist ein ausdrucksstarker Trollinger mit sanften Mandelaromen, Nuancen von Kirsche und Waldbeere, milder Säure, feinen Tanninen und animierendem Trinkfluss.

Ein Wein auf Höhe der Zeit

Für Ludwig Silbermann, der das Markenkonzept in der Ludwigsburger Agentur Château Louis, mitentwickelt hat, ist diese Art von Trollinger ein "ausgesprochen moderner Wein, ganz einfach, weil er das verkörpert, was heute gefragt ist: Leichtigkeit, Unbeschwertheit, Genussfreude." In Abgrenzung zu alkohollastigen "Allerweltsbomben" und als Gegenbewegung zu Massenproduktion und Anonymisierung stünden solche Heimatweine für Regionalität und Handwerk. In diesem Sinne zeige das Etikett die stilisierten Jahresringe einer Rebe.

"Trollinger ist bewusst in Handschrift geschrieben." Der Mittelpunkt sei ausgestanzt: eine Art Schlüsselloch zum Ursprung, dessen Grundidee bald auf andere Betriebe überspringen - und weite Kreise ziehen soll.

 

Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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