Heilbronner Stadträte plädieren für bunte Inselspitze

Heilbronn  Was wird wohl aus der Heilbronner Inselspitze? Kommunalpolitiker aus den verschiedenen Fraktionen sprechen sich für ein vielseitiges Nutzungskonzept aus - ein fester Weinausschank ist für manche Befragte dabei denkbar.

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Heilbronner Stadträte plädieren für bunte Inselspitze

Die Inselspitze in ihrer heutigen Form und die Galerie entstanden 1996 beim Neubau der Friedrich-Ebert-Brücke.

Was wird wohl aus der Heilbronner Inselspitze unterhalb der Friedrich-Ebert-Brücke? Oberbürgermeister Harry Mergel ist "für alles offen, was passt". Zunächst dachte er an eine Nutzung wie bisher, also mit Ausstellungen, Kulturveranstaltungen oder Diskussionsrunden.

Studenten haben inzwischen die Idee eines Lokals namens "Spitz" ins Spiel gebracht.  Andere regen einen Weinausschank an.  Was sagen Stadträte? Die Stimme fragte nach.

Der reizvolle Ort sollte dauerhaft bespielt werden

CDU-Fraktionssprecher Thomas Randecker spricht von einem "ganz besonderen Ort in der Stadt", der zuletzt durch die Schau zur Stadtentwicklung, inklusive Modell, "ganz fest ins Bewusstsein gerückt wurde". Leider habe es während der Buga dort wenige Veranstaltungen gegeben. Deshalb sollte bei einer Neukonzeption nicht nur die Pacht den Ausschlag geben.

Eine Weiternutzung alleine durch die Stadt hält die CDU "für wenig zielführend", weil es an dem "tollen Ort" sonst nur wenige Veranstaltungen gäbe. Randecker: "Die Inselspitze muss kontinuierlich verpachtet und bespielt werden." Deshalb sollte die Nutzung ausgeschrieben werden.

Ideale Location für Events und Aktionen

"Die Inselspitze muss ein öffentlich zugänglicher Ort für alle Heilbronner und unsere Gäste bleiben", betont Rainer Hinderer (SPD). Die Lage biete "einen hervorragenden Rahmen, um im Sommer ein Glas Wein oder Saft und im Winter einen Glühwein oder Punsch zu trinken, dazwischen eine Ausstellung zu besuchen, Kleinkunst zu genießen". Zudem sei sie eine gute "Location für Events und Aktionen". Dazu braucht es laut Hinderer keine großen Baumaßnahmen, sondern "Mut zum kreativen Provisorium".

Heilbronner Stadträte plädieren für bunte Inselspitze

Wie hier bei der langen Nacht der Kultur gab es in der Galerie viele Kulturveranstaltungen, Vorträge und Ausstellungen.

Nico Weimann (FDP) plädiert für einen "Weinerlebnispunkt". Unkompliziert, unprätentiös, aber lebendig und vielseitig sollten heimische Weine präsentiert werden, winters ergänzt durch kleinere Veranstaltungen. "Die Nutzung im Sommer ist aufgrund der Lage und Atmosphäre bereits ein Erfolgsgarant", meint Weinmann. Der Stand der Wein-Villa auf der Buga habe gezeigt, dass Bedarf und Nachfrage für einen entsprechenden Weinausschank bestehe.

Gastro-Konzept von Studenten prüfen

Die Grünen finden es laut Susanne Bay "klasse, dass einige Ideen im Raum stehen, die den besonderen Ort für viele erlebbar machen" könnten. Bay rät, das Gastro-Konzept von Studenten zu prüfen und Berechnungen für einen Umbau auf die nötigsten Dinge zu beschränken, um sie nicht gleich auszubooten. Vielleicht bestehe noch Interesse seitens der Kulturszene, vermutet Bay weiter.

Heilbronner Stadträte plädieren für bunte Inselspitze

Ab und zu trotzten Musiker dem rumpelnden Geräusch der Stadtbahn.

"Ein Weinausschank in Kombination mit feinem Kulturprogramm wäre auch eine klasse Sache". Sie regt an, über ein niederschwellig eingerichtetes Pop-up- Lokal nachzudenken, das von verschiedenen Gruppen für einen bestimmten Zeitraum gemietet werden kann.

Gegen eine Bewirtung spricht laut Herbert Burkhardt (FWV) die bauliche Situation und die Infrastruktur. Und: "Ein Weinstand gehört auf den Marktplatz, jedenfalls ins Zentrum." Die FWV könnte sich auf der Inselspitze eine von der HMG organisierte Kleinkunstbühne vorstellen. "Wir sind aber für andere gute Vorschläge offen."

Schüttes rotes Haus stehen lassen

Heilbronner Stadträte plädieren für bunte Inselspitze

Der Stadtausstellung "Aufbruch Heilbronn" folgte 2019 eine Schau von Thomas Schütte, dessen inzwischen rotes "One Man House" bis heute steht.

Fotos: Archiv, Seidel, Berger

Erhard Jöst (Linke) betont: Der markante Ort sei nicht zuletzt durch das "One Man House" von Thomas Schütte aufgewertet worden, weshalb das rote Gehäuse als Ruhepol erhalten und die Galerie für Veranstaltungen genutzt werden sollten: für Ausstellungen, Lesungen, Vortrags- und Diskussionen, für Konzerte aber kaum - wegen des Bahnlärms. Um- und Ausbauten sind für Jöst nicht erforderlich, sie wären sogar kontraproduktiv. Auf keinen Fall sollte dort ein Lokal positioniert werden, ein "unkomplizierter Weinausschank" aber schon.

Raphael Benner beantwortet die Anfrage in einem Satz: "Die AfD- Fraktion findet einen Weinausschank angemessen, um die regionalen Weine zu promoten." Und Alfred Dagenbach (Pro) stellt fest: "Heilbronn ist arm an solchen Kleinoden. Man sollte sie nicht fest vergeben, sondern über die HMG für besondere Anlässe kultureller oder privater Art wie Hochzeitsfeiern, Ehrungen et cetera zur Verfügung stellen." Für einen Weinausschank würde er den Platz bei der Neckarbühne beim Soleo bevorzugen.

 
 
 

Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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