Heilbronner Polizeisprecher ist sauer auf die ZDF-Heute-Show

Heilbronn/Mainz  Die Satiresendung "heute show" zeigte am Freitagabend eine Fotomontage mit dem Heilbronner Polizeisprecher Gerald Olma beim Joint-Anzünden. Verletzt das ZDF damit Olmas Persönlichkeitsrechte? Die Polizei prüft rechtliche Schritte gegen den Fernsehsender.

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Die Bebilderung eines Beitrags in Oliver Welkes "heute show" finden einige im Heilbronner Polizeipräsidium nicht zum Lachen. Screenshot: HSt (Gesicht des Polizisten im Nachhinein gepixelt)

Wer am Freitag gegen 23 Uhr das ZDF und die Satiresendung "heute show" einschaltete, konnte den Sprecher der Heilbronner Polizei, Gerald Olma, in Aktion erleben. Mit einem Feuerzeug in der Hand zündet er einer Dame einen Joint an. Oder doch nicht?

Die Redaktion der Show bebilderte einen Beitrag der "heute show" über die Legalisierung von Cannabis unter anderem mit Gerald Olma - das für die Sendung verwendete Foto ist aber eine Montage. Auf diesen Umstand wird jedoch nicht hingewiesen. Das Original stammt von der Präsentation von Spuckschutzhauben in Heilbronn im April. Eine Erlaubnis zur Verwendung des Fotos hat Olma nicht erteilt.

 

„Niemand vom ZDF hat sich erkundigt oder um Erlaubnis zur Verwendung des Fotos für diesen Zweck gebeten.“

von Gerald Olma

 

Er sei von der Verwendung der Fotomontage in der "heute show" total überrascht gewesen, sagt Gerald Olma. "Kollegen haben mich kurze Zeit später darauf aufmerksam gemacht. Mittlerweile erreichen mich E-Mails und Anrufe von vielen Seiten." Für ihn als Polizeisprecher und auch persönlich eine unangenehme Situation.

"Niemand vom ZDF hat sich erkundigt oder um Erlaubnis zur Verwendung des Fotos für diesen Zweck gebeten", sagt Gerald Olma. Das ursprüngliche Foto sei in einem völlig anderen Kontext entstanden und hat mit der aktuellen Diskussion um die Freigabe von Cannabis nichts zu tun. "Sowohl die Polizei als auch ich persönlich prüfen jetzt, ob und welche rechtlichen Schritte möglich und sinnvoll sind."

Reaktion des ZDF

Das Bild in der satirisch überspitzten Fotomontage diene lediglich als Symbolfoto für die in der Sendung dargelegte These, dass die Legalisierung von Cannabis die Polizei deutlich entlasten würde, schreibt das ZDF in einer Mitteilung. Das Foto entstamme einer Fotodatenbank. "In dem Beitrag ging es nicht darum, die Arbeit der Polizei oder sogar eine bestimmte Person herabzuwürdigen."

 

„In dem Beitrag ging es nicht darum, die Arbeit der Polizei oder sogar eine bestimmte Person herabzuwürdigen.“

von ZDF

 

Just der Umstand, dass es sich um ein Symbolfoto handelt, sieht Katrin Freihof kritisch. Sie ist auf Medienrecht spezialisierte Rechtsanwältin bei einer der drei Kanzleien des Unternehmens Resmedia in Mainz, Köln und Berlin. "Es stellt sich schon die Frage, warum die Redaktion sich genau für das Foto mit ihm entschieden hat", sagt die Anwältin. Es wäre ein Leichtes gewesen, für die Illustrierung des Themas eine Person zu finden, deren Zustimmung vorgelegen hätte. "Nur weil ein Foto einmal in der Datenbank einer Presseagentur landet, muss der Abgebildete ja nicht für alle Zeit alles hinnehmen."

Sie sieht möglicherweise das Persönlichkeitsrecht von Gerald Olma verletzt. Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit auf der einen und Persönlichkeitsrecht auf der anderen Seite müssten Fall für Fall abgewogen werden. "In diesem Fall sehe ich die Verwendung des Fotos skeptisch." Es gebe keinen zeitlichen oder inhaltlichen Zusammenhang mit dem ursprünglichen Ereignis mehr, der Heilbronner Polizeisprecher sei auch nicht so prominent, als dass er die Veröffentlichung hinnehmen müsste. "Allerdings muss man in so einem Fall auch das Thema Satire diskutieren."

Unterlassung und Schadenersatz denkbar

Als Reaktion kommt aus Freihofs Sicht vor allem eine Unterlassungserklärung in Betracht. "Wobei fraglich ist, ob angesichts sicher hoher Schnittkosten die Kosten einer Unterlassungserklärung nicht das kleinere Übel sind", erläutert die Anwältin. "Möglicherweise haben die Macher des Beitrags das Risiko schlicht in Kauf genommen." Eine Unterlassungserklärung habe jedoch nur eine Wirkung in die Zukunft - das Foto dürfte nicht ungestraft erneut verwendet wird. Für den Ausgleich des möglichen Schadens komme die Forderung nach Schadenersatz infrage.


Alexander Klug

Alexander Klug

Reporter

Alexander Klug ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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