Heilbronner Pferdemarkt hat eine 250 Jahre alte Tradition

Heilbronn  Knöpfe, Töpfe, Hobel, Salben: An den Marktständen gibt es noch immer Produkte, die man sonst kaum findet. Pferde spielen nicht mehr die Hauptrolle. Wir werfen einen Blick zurück auf die Traditionsveranstaltung, die am Wochenende wieder stattfindet.

Von Bärbel Kistner

 

Für Jubiläen wie das des Heilbronner Pferdemarkts sind Rechenkünste nicht schlecht. 1770 hat der Rat von Heilbronn die Einführung von drei besonderen Ross- und Viehmärkten beschlossen, die in der Chronik alle mitgezählt wurden.

Weil während der beiden Weltkriege der Pferdemarkt ausgesetzt wurde, kommt es, dass die traditionsreiche Veranstaltung im 249. Jahr zum 250. Mal stattfindet. "Ein kurioses Jubiläum, das zu dieser Kultveranstaltung passt", sagt Steffen Schoch, Geschäftsführer der veranstaltenden Heilbronn Marketing GmbH.

Markt als Startschuss für die Freiluftsaison

Inzwischen ist der Markt der Start in die Freiluftsaison der städtischen Veranstaltungen. Die Wetteraussichten sagen für das kommende, letzte Februarwochenende zweistellige Temperaturen und Sonnenschein voraus. Deshalb erwartet Schoch an den drei Pferdemarkttagen Samstag bis Montag 150 000 Besucher.

Das Wetter ist für den Markt vor allem in jüngerer Zeit eine kritische Komponente - und sorgte so manches Mal für Erfolg oder für Unzufriedenheit bei den Beschickern. Im Vorjahr war der Montag kalt, regnerisch und windig, die Besucher und Kunden machten sich rar, die Händler klagten. Den Kälterekord, zumindest seit Aufzeichnung der Wetterdaten, hält der Pferdemarkt im Jahr 1956. Das Thermometer fiel in Heilbronn auf eisige minus 23 Grad. Dennoch fand der Markt zwischen Oststraße und Allee trotz geschlossener Schneedecke reges Besucherinteresse.

Früher war der Markt ein Großereignis

220 Stände gab es in den 50er Jahren, mehr denn je, schrieb die Heilbronner Stimme. Tausende heißer Würstchen wurden verzehrt, zentnerweise gebrannte Mandeln verspeist. Die Standbetreiber seien "trotz des Standgelds, über das sie gewöhnlich meckerten, voll auf ihre Rechnung gekommen".

Pferdemarkt, das war früher in mehrfacher Hinsicht ein Großereignis. "Das war wie ein verkaufsoffener Sonntag für die gesamte Region", erklärt Schoch - und mit großer Bedeutung für die Landwirtschaft.

In der Nachkriegszeit spielten die Pferde tatsächlich noch eine wichtige Rolle für die Bauern, der Handel mit den Tieren war nicht wegzudenken vom Marktgeschehen. Von den 100 damals angebotenen Pferden waren drei Viertel stämmige Kaltblüter: Schwere Arbeitspferde für die Landwirtschaft, die zu Preisen von bis zu 1800 Mark den Besitzer wechselten. Der Handel ist Geschichte.

Die Pferdeprämierung bleibt weiter Bestandteil

Die Prämierung der Tiere dagegen hat sich als Tradition gehalten. Schon im 18. Jahrhundert wurden die schwersten Ochsen und die schönsten Pferde prämiert. Die Besitzer erhielten so genannte Viehmarktstaler für ihre Tiere.

In diesem Jahr sind mit rund 230 Pferden wieder deutlich mehr zur Prämierung auf den Reitanlagen am Trappensee angemeldet, die von einer Jury begutachtet werden. Am Sonntag, 15 Uhr, präsentiert der Heilbronner Reiterverein seine Reitshow. Preisverleihung für am besten bewertete Pferde ist am Montag um 11 Uhr in der Harmonie. Nicht fehlen darf auch das Ponyreiten für Kinder.

Jahrmarkt heißt jetzt Funpark

Für Steffen Schoch ist der Pferdemarkt neben der Pferdeschau eine Mischung aus Krämermarkt, landwirtschaftlicher Ausstellung und Jahrmarkt. Die Bauarbeiten für das Parkhotel und für den neu gestalteten Stadtgarten sollen der Jubiläumsveranstaltung keinen Abbruch tun. "Am Samstag werden keine Baufahrzeuge aufs Gelände fahren", betont Schoch. An der Karlstraße und vor der Harmonie bleibe alles wie gehabt, nur der Busparkplatz steht als Standort in diesem Jahr nicht zur Verfügung. Dafür soll der Friedenplatz mehr ins Bewusstsein rücken. Dort ist der "Funpark" mit Karussell aufgebaut.

Große Nachfrage nach Marktständen

Die Nachfrage bei den Standbeschickern bewertet Schoch als "ungebrochen". Von den 400 Plätzen sind 360 bereits fest vergeben. Die restlichen 40 werden, wie schon in den Vorjahren, von Marktmeister Alexander Ghassemi erst am Samstagmorgen unter den Interessenten verteilt. HMG-Chef Schoch rechnet damit, auch wegen des guten Wetters, dass noch rund 100 Händler auf gut Glück anreisen und sich um die verbliebenen Plätze rangeln werden.

 

Veranstaltungen

Marktgeschehen: 23. bis 25. Februar, Samstag und Sonntag 11 bis 19 Uhr, Montag 10 bis 18 Uhr. Am Samstag ist ab 14 Uhr erstmals Tanztee für Senioren in der Harmonie. Am Abend gibt es ab 18 Uhr eine Scheunenparty im Foyer mit DJ Richie De Bell und DJ Lümmel, Eintritt frei. Am Sonntag um 17 Uhr ist in der Harmonie ein hippologischer Vortrag von "Pferdeflüsterer" Jürgen Kurz über die Ausbildung von jungen Pferden. Eine über das Gelände verteilte Bilderreihe spannt den Bogen von der Vorindustrialisierung bis zum Maschineneinsatz. Die Jubiläumsbroschüre mit Veranstaltungsprogramm gibt es unter www.heilbronn.de

 

 

 

 

 

 


Kommentar hinzufügen