Heilbronner Kneipe darf nicht Pumuckl heißen

Heilbronn  Rechteinhaber am bekannten Kobold wollen Lizenzgebühren vom Heilbronner Kneipenwirt Michael Fuchs. Sein Lokal in der Gerberstraße führt den Namen seit 30 Jahren.

Von Alexander Klug
Noch steht der Name des beliebten Kobolds über dem Eingang der Kneipe von Michael Fuchs. Doch das wird sich bald ändern. Foto: Alexander Klug

Roter Wuschelkopf, gelbes Hemd, grüne Hose. Spätestens, wenn die ersten Takte der Musik mitsamt freudigem „Hurra, hurra“ erklingen, ist klar, um wen es geht: Pumuckl. Wie der bekannte und beliebte Kobold heißt auch die Kneipe von Michael Fuchs an der Gerberstraße 29, mitten in Heilbronn. „Pumuckl“ steht über der Eingangstür, der Kobold thront über der Theke, mit einem Dartpfeil in der Hand strahlt Pumuckl von der Getränkekarte. Doch freudig geht es zurzeit nicht zu hinter den roten Mauern.

Denn das Lokal nach dem Kobold zu benennen finden diejenigen nicht in Ordnung, denen die Rechte rund um die Zeichentrickfigur gehören – zumindest, wenn das ohne Absprache und gratis passiert. Beide Seiten zeigen sich kompromissbereit, nach einigen Verhandlungsrunden stehen nun Forderungen in einer Höhe von insgesamt rund 3000 Euro im Raum.

Mail an die Rechteinhaber

Den Anfang gemacht hat er im Grunde selbst, gibt Michael Fuchs leicht zerknirscht zu. „Ich habe eine Mail an die Rechteinhaber geschrieben, ob ich Trikots mit dem Kobold gestalten lassen darf.“ Denn in dem Heilbronner Lokal sind sechs Teams von Dartspielern beheimatet, insgesamt rund 50 Spieler. „Einige treten in der Bezirksoberliga an, der zweithöchsten Spielklasse. In Dartkreisen sind wir sehr bekannt. Da wissen die Leute genau, wo sie hinmüssen, wenn sie Pumuckl hören.“ Seit über 30 Jahren heißt die Kneipe zwischen Sushi-Restaurant und Musikschule wie der Kobold, seit fünf Jahren ist Michael Fuchs der Pächter.

„Warum die Vorbetreiber das Lokal so genannt haben, weiß ich nicht“, sagt der 53-Jährige. „Aber ich dachte, das wäre geklärt und in Ordnung und war schockiert. 30 Jahre lang hat sich niemand deswegen gemeldet. Wir haben damals und bis heute in gutem Glauben gehandelt, nichts Unrechtes zu tun.“

Wirt sieht sich in der Existenz bedroht

Der Wirt sieht durch die Forderungen sich und sein Geschäft in der Existenz bedroht. „3000 Euro auf einen Schlag übersteigen definitiv unsere Möglichkeiten“, sagt Michael Fuchs. Zumal unglückliche Umstände von der defekten Kaffeemaschine bis zum Schaden am Auto hinzugekommen seien. „Wir haben zwei Mal Zahlungsaufschub bekommen. Aber auf einen Schlag habe ich das Geld im Moment einfach nicht.“ Bei Nicht-Zahlung stehe aber die Klage vor Gericht ins Haus – was für den Kneipenwirt noch deutlich teurer werden dürfte.

Auf die im regulären Rechtsweg deutlich höheren Kosten verweist auch Steffi Vogel. Sie ist die Tochter von Ursula und Brian Bagnall, Ursula ist die Tochter von Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut und wird von ihrer Tochter Steffi Vogel vertreten. „Bisher waren die Gespräche freundlich und wir sind aufeinander zugegangen“, sagt Steffi Vogel, die ihre Mutter und Rechteinhaberin Ursula Bagnall vertritt. Dazu habe auch der weitgehende Verzicht auf Lizenzgebühren für die jahrzehntelange unrechtmäßige Nutzung von Figur und Name gehört. „Zu 100 Prozent von einer Bezahlung absehen können wir schon aus Gerechtigkeitsgründen nicht. Es gibt viele Lizenznehmer, auch kleine, die sich an ihre Vereinbarungen mit uns halten und bezahlen.“

Neuer Name für das Lokal

Sollte das Lokal ab dem neuen Jahr anders heißen und sämtliche weiteren Nutzungen unterlassen, sei mit der einmaligen Überweisung alles erledigt. Enthalten ist Geld für die literarischen und grafischen Rechteinhaber und eine Anwältin. Ein aus ihrer Sicht geringer Betrag, gemessen an der um ein Vielfaches höheren Summe, die ihnen ihrer Meinung nach zustehe. „Auf einen gewissen Betrag wollen wir aber nicht verzichten, andererseits niemanden ruinieren. Wir überlegen, wie wir mit der Situation umgehen.“

Dass es mit dem bestehenden Namen weitergeht, kann sich Michael Fuchs nicht vorstellen – zumal die Rechteinhaber deutlich machen, dass ihnen die Nähe von Alkoholausschank und Pumuckl-Image missfällt und sie deswegen ohnehin nur zu einer kurzfristigen Erlaubnis bereit wären. „Zusammen mit meinen Gästen habe ich mir einen neuen Namen und ein neues Logo überlegt“, sagt Michael Fuchs. Von seinem eigenen Namen inspiriert, könnte das Lokal ab dem neuen Jahr „Fuchsbau“ heißen.


Jahrelanger Streit

Die aktuellen Inhaber der literarischen und grafischen Pumuckl-Rechte bemühen sich um einen Neustart für den Umgang mit dem Kobold. Jahrzehntelang bestimmten Gerichtsverfahren um die Urheberschaft und die häufig unerlaubte Benutzung die Schlagzeilen. So stritten sich die literarische Pumuckl-Erfinderin Ellis Kraut und die Zeichnerin Barbara von Johnson erbittert vor verschiedenen Gerichten – bis 1978 hat von Johnson die Zeichnungen für alle Pumuckl-Bücher und Schallplattenhüllen angefertigt. Es ging unter anderem um ihre Beteiligung an einem Kinofilm und einer Fernsehserie sowie darum, wer bestimmen darf, dass Pumuckl per Zeichen-Wettbewerb eine Freundin bekommt. 2012 versöhnten sie sich. 

 

 


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