Heilbronner Kaffeehaus-Betreiber begrüßen Kaffeesteuer-Diskussion

Heilbronn  Die Bundesminister für Entwicklung und Arbeit sprechen sich dafür aus, die Kaffeesteuer für fair gehandelte Bohnen abzuschaffen. Bei zwei Kaffeehäusern in Heilbronn sorgt dieser Vorstoß für Zustimmung.

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Sollte fair gehandelter Kaffee günstiger sein als konventionell hergestellte Bohnen? Diese Frage haben Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bei einem Besuch in Äthiopien aufgeworfen. Sie sprachen sich dafür aus, die Kaffeesteuer für Fairtrade-Kaffee abzuschaffen, um ihn attraktiver für Verbraucher zu machen. Diese würden dann eher zum fair produzieren Kaffee greifen, so das Argument der beiden Politiker.

Die Kaffeesteuer beträgt derzeit 2,19 Euro pro verkauftem Kilogramm Kaffee, egal ob mit oder ohne Fairtrade-Siegel. Als Verbrauchssteuer fließt sie direkt in den Staatshaushalt. Rund eine Milliarde Euro nimmt der Bund seit Jahren durch die Kaffeesteuer ein. In den meisten EU-Ländern wurde die Abgabe inzwischen abgeschafft.

 

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Hagen findet Direkthandel sinnvoller

Der Heilbronner Kaffeehausbetreiber Hanspeter Hagen begrüßt den Vorstoß: "Die Steuer müsste aber komplett wegfallen." Denn fair gehandelter Kaffee mache nur einen kleinen Teil des verkauften Kaffees aus. "Es muss darum gehen, dass das Geld den Produzenten vor Ort zugute kommt, nicht dem Handel", sagte Hagen. Er findet es deshalb wichtiger, direkt mit den Erzeugern zu verhandeln und die Bohnen im Direkthandel einzukaufen. "Sie verhandeln mit uns und bekommen ihr Geld, ohne Umwege." Erfahrungsgemäß seien so bis zu 40 Prozent höhere Preise möglich, auch wenn der Kaffee am Ende kein Fairtrade-Siegel trägt.

Die meisten Bohnen des Heilbronner Rösters tragen jedoch das Siegel für fairen Handel. Denn einige Städte, darunter Heilbronn und Neckarsulm haben sich der Initiative Fair-Trade-Stadt angeschlossen. Dabei verpflichten sich öffentliche Einrichtungen, fairen Handel zu unterstützen und vornehmlich solche Produkte einzukaufen und anzubieten.

Fairtrade-Kaffee macht nur 4,5 Prozent aus

In Deutschland wurden im Jahr 2018 insgesamt 20.000 Tonnen fairer Röstkaffee verkauft. Der Marktanteil lag damit jedoch nur bei 4,5 Prozent. Die Organisation Fairtrade Deutschland drängt bereits seit längerem darauf, dass die Kaffeesteuer fällt. "Kaffee ist das Lieblingsgetränk Nummer 1 in Deutschland, noch vor Bier und Mineralwasser", erklärt Sprecherin Edith Gmeiner. "Die Abschaffung der Kaffeesteuer für fairen Kaffee hätte somit mehr als nur Symbolkraft und wäre ein konkreter Handlungsschritt der Bundesregierung, fairen und nachhaltigen Konsum zu fördern."

Der Weltmarktpreis für ein Pfund Arabica-Kaffee lag in der ersten Jahreshälfte bei 88 US-Cent. Wer Mitglied im Fairtrade-System ist, erhält einen garantierten Mindestpreis von 1,40 Dollar pro Pfund. Zusätzlich gibt es eine Prämie für gemeinnützige Projekte in den Herkunftsländern. "Mit höheren Verkäufen unter Fairtrade-Bedingungen könnten mehr Kaffeebauern von stabilen Preisen und zusätzlichen Prämien profitieren", erklärt Gmeiner.

Samocca-Betreiberin Schinagl findet, Fairtrade muss Standard werden

Das Café Samocca im Stadtteil Neckarbogen hat ebenfalls selbst gerösteten Kaffee im Angebot. Vier Sorten tragen das Bio-Siegel, drei tragen zusätzlich das Fairtrade-Logo. Da das Samocca Teil eines Franchise-Systems ist, werden die Bohnen in der Firmenzentrale in Aalen geröstet. Aileen Schinagl, Kaffeehausleiterin in Heilbronn, findet die Abschaffung der Kaffeesteuer für Fairtrade-Bohnen sinnvoll. "Ich fände das sehr gut, wenn dadurch mehr Menschen unterstützt werden." Fairtrade müsse aus ihrer Sicht "zum Standard werden", auch für Produkte wie Kakao. Und wenn es nicht Fairtrade ist, gebe es immer noch die Möglichkeit, Verträge direkt mit den Bauern abzuschließen - auch in Aalen werde das gemacht, erklärt Schinagl.

Fairtrade ist übrigens nicht gleich Fairtrade: Da Kaffee nur aus einem Rohstoff besteht, muss er komplett fair gehandelt sein. Anders ist das bei sogenannten Mischprodukten wie Schokolade oder Müsli. Bei ihnen sind nur die Zutaten fair, die als Fairtrade-Ware bezogen werden können. In der Regel sind das Rohstoffe wie etwa Zucker oder Kakaopulver. Das Endprodukt muss aus mindestens 20 Prozent fairen Zutaten bestehen, der genaue Anteil muss in der Zutatenliste ausgewiesen werden.

 


Christoph Donauer

Christoph Donauer

Autor

Christoph Donauer kümmert sich bei der Stimme um alles, was in Heilbronn, Deutschland und der Welt los ist. Seit 2019 ist er Redakteur für Politik und Wirtschaft. Davor war er als Journalist in Berlin, Brüssel, Dänemark und Stuttgart unterwegs.

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