Heilbronner Experten fordern eine Verkehrswende

Heilbronn  Das Umweltbundesamt hält eine Preiserhöhung beim Sprit, Tempolimits auf deutschen Autobahnen und eine höhere Lkw-Maut für notwendig, um die Klimaziele beim Verkehr einzuhalten. Heilbronner Experten befürworten die Debatte und fordern eine Verkehrswende.

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Stadtbahn, Auto, Bus, Radfahrer und Fußgänger: Die Allee in Heilbronn steht für das neue Nebeneinander der verschiedenen Verkehrsträger. Foto: Berger

Das Umweltbundesamt hält schärfere Maßnahmen für notwendig, um die Emissionen im Verkehrssektor zu senken. Das geht aus einem Papier der Behörde hervor, aus dem die "Süddeutsche Zeitung" zuerst zitiert hatte. Es war im Zuge der Verhandlungen der großen Koalition zum Klimapaket entstanden.

Demnach empfiehlt das Umweltbundesamt, Sprit merklich zu verteuern, um die Klimaziele zu erreichen. Der Preis für einen Liter Diesel müsse bis 2030 um 70 Cent steigen, der für einen Liter Benzin um 47 Cent. Die Pendlerpauschale und das Dienstwagenprivileg müssten abgeschafft werden. Außerdem solle ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf Autobahnen eingeführt und die Lkw-Maut angehoben werden.

Studie überrschaft Verkehrsexperten nicht

"Das ist für einen Verkehrsökonomen wenig überraschend", sagt Tobias Bernecker, Direktor des Instituts für Nachhaltigkeit in Verkehr und Logistik an der Hochschule Heilbronn. Er sieht das Papier als Aufforderung, alle verfügbaren Alternativen auszuloten. "Wenn das nicht passiert, ist die Veränderung der Preise unausweichlich."

Wenn Autofahren teurer werde, sinke der Spritverbrauch und damit der CO2-Ausstoß. Dabei sei jedoch nicht berücksichtigt, dass viele Menschen auf das Auto angewiesen sind, sagt Bernecker. Die Politik müsse einerseits Mobilität als Daseinsvorsorge gewährleisten und andererseits dafür sorgen, dass der Verkehr einen Beitrag zum Klimaschutz leistet.

Das Umweltbundesamt betont in dem Papier ebenfalls, dass soziale Härten aufgefangen werden müssen - etwa indem zusätzliche Steuereinnahmen durch den höheren Spritpreis an alle Bürger ausgezahlt werden.

 

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Modernes Autofahren bedeutet emissionsarme Fahrzeuge

Klar ist für Bernecker aber auch: "Wir werden nicht umhinkommen, dass die individuell maximal bequeme Form der Mobilität irgendwann teurer werden muss." Aufgabe der Politik sei es, "vollwertige Alternativen" zu schaffen. Dabei gehe es nicht nur um den ÖPNV-Ausbau und mehr Radwege, sondern um "modernes Autofahren", sagt Bernecker: "Wir brauchen Sharing-Modelle und emissionsarme und -freie Fahrzeuge." Schon jetzt könnten Menschen meist emissionsarme Autos für kurze Strecken nutzen, etwa für den Arbeitsweg oder zum Einkaufen. Für lange Strecken biete sich ein Mietwagen an.

Die Emissionen im Verkehrssektor sind seit 1990 kaum gesunken. Autoabgase verursachen knapp ein Fünftel der rund 800 Millionen Tonnen CO2, die Deutschland jährlich ausstößt. Die Bundesregierung will gegensteuern, indem sie E-Autos und alternative Kraftstoffe fördert, Sprit um rund 3 Cent verteuert und Bahntickets günstiger macht.

Auf dem Land braucht es einen guten Nahverkehr

Hans-Martin Sauter vom Regionalverband Hall-Heilbronn-Hohenlohe des ökologischen Verkehrsclubs VCD begrüßt die Debatte. "Wenn wir die Kehrtwende jetzt nicht hinbekommen, wird die Rechnung am Ende noch viel höher." Eine nachhaltige Verkehrswende sei ohne Einschränkungen nicht machbar, sagt Sauter: "Es geht nur, wenn wir alle unsere Lebensweise verändern."

Gleichzeitig müsse mehr Geld in den ÖPNV fließen. "Wenn ich auf dem Land lebe, muss dort auch ein Bus fahren. Sonst führt das zur Spaltung unserer Gesellschaft." Fehlanreize wie Steuererleichterungen für Firmenwagen müsse man abschaffen.

Scheuer winkt ab

Zu den Empfehlungen des Umweltbundesamts möchte sich Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nicht äußern. "Wir sind gerade mitten in der konkreten Umsetzung des ausgewogenen Klimapakets. Das ist gemeinsam so beschlossen - und nichts anderes", teilt er mit.

"Die Bürger erneut mit Verzicht, Verbot und Verteuerung à la Bundesumweltamt in Panik zu versetzen, ist der falsche Ansatz." Weitere Fragen unserer Redaktion beantwortete er nicht.


Christoph Donauer

Christoph Donauer

Autor

Christoph Donauer kümmert sich bei der Stimme um alles, was in Heilbronn, Deutschland und der Welt los ist. Seit 2019 ist er Redakteur für Politik und Wirtschaft. Davor war er als Journalist in Berlin, Brüssel, Dänemark und Stuttgart unterwegs.

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