Heilbronn wird ab Dienstag für ein halbes Jahr ICE-Halt

Heilbronn  Morgens mit dem ICE von Heilbronn nach Berlin und nachmittags zurück: Vom kommenden Dienstag bis Anfang Oktober ist das möglich. Wegen der Corona-Pandemie ist das Fahrgastaufkommen derzeit gering, was die Situation auf der Frankenbahn entspannt.

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Viel beachtete Premiere im August 2019: Während der Buga hielt der ICE in Heilbronn. Nun wird die Stadt erneut Schnellzug-Halt, allerdings nur bis Anfang Oktober.

Foto: Archiv/Berger

Heilbronn hat wieder einen Flirt mit dem Fernverkehr der Bahn - wie schon zu Buga-Zeiten, als der ICE durchs Neckartal fuhr. Sonderlich zuverlässig war die Verbindung damals nicht, immer wieder wurden Züge gestrichen. Nun fährt der ICE täglich außer sonntags um 6.35 Uhr Richtung Hauptstadt, wo er um 11.53 Uhr ankommt. Am Berliner Hauptbahnhof fährt der Schnellzug außer samstags um 15.57 Uhr ab und hält um 21.04 Uhr in Heilbronn.

Schnellzug fährt nur während Großprojekt

Das Angebot ist Teil eines Entlastungskonzepts der Bahn während der Sanierung der Schnellbahnstrecke zwischen Stuttgart und Mannheim. Diese Trasse, die für den gesamten Bahnverkehr im Land von zentraler Bedeutung ist, wird vom 10. April an saniert und ist gesperrt. An diesen Plänen ändert auch die Corona-Krise nichts, wie ein Bahn-Sprecher auf Stimme-Nachfrage bestätigte. "Ich freue mich, dass der ICE bald wieder in Heilbronn hält", sagt Oberbürgermeister Harry Mergel. Die Schnellzugverbindung sei jetzt attraktiver als beim Intermezzo 2019: "Morgens nach Berlin, abends wieder zurück - und dann noch vier Stunden Zeit in der Hauptstadt." Mergel hofft gleichwohl, "dass die Verbindung besser klappt als 2019, als jede Menge Züge unangekündigt ausfielen."

Wegen Corona werden nur wenige mitfahren

Einen Ansturm auf den ICE wird es zum Start nicht geben. Im Moment wird von Fahrten, die nicht unbedingt nötig sind, grundsätzlich abgeraten. Für die Premiere kommende Woche gebe es "geringe Buchungszahlen", so der Bahnsprecher. Wie genau die Auslastung sein wird, ist derzeit schwer zu sagen. Die Bahn hat die Zugbindung bei Sparpreisen und Super-Sparpreisen aufgehoben.

Aufgeschoben sind die Sorgen um die Frankenbahn. Die Sperrung der Schnellbahnstrecke hätte im neckartal absehbar zu einem deutlich höheren Passagieraufkommen geführt. Weil ICE in den Norden wegfallen, gäbe es folgende Alternative: Von Stuttgart mit dem Regionalexpress über Heilbronn nach Würzburg, dann von dort mit dem ICE weiter. Zwar hatte das Land reagiert und wollte Kapazitäten erhöhen. Der ökologisch orientierte Verkehrsclub VCD hatte trotzdem befürchtet, das Angebot werde nicht ausreichen.

Engpässe sind nun vorerst nicht zu erwarten. "Grundsätzlich rechnen wir aufgrund des derzeit sehr stark zurückgegangenen Fernverkehrs in nächster Zeit nicht damit, dass die Schnellfahrstreckensperrung zu spürbaren Nachfrageeffekten auf der Frankenbahn führen wird", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums auf Anfrage.

Entlastungskonzept ist weitgehend hinfällig

Das Land wollte Regionalexpress-Betreiber Go-Ahead mit Doppelstockzügen der DB aushelfen. Das passiert auch, wie des Ministerium mitteilt, allerdings fahren weniger Doppelstöcker als geplant. Das Fahrplanangebot bleibt ausgedünnt. So fährt die RE 8 zwischen Stuttgart, Heilbronn und Würzburg weiter nur alle zwei Stunden statt stündlich. In den Zügen, die fahren, wird mit frei werdenden Fahrzeugen mehr Platz geschaffen. Ziel ist es, so das Ministerium, ""möglichst die empfohlenen Mindestabstände einhalten zu können".


Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist stellvertretender Leiter der Regionalredaktion. Er arbeitet seit 2003 bei der Heilbronner Stimme, berichtet über Verkehrsthemen, über Kommunalpolitik und Heilbronn.

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