Heilbronn ist im Vergleich wieder mal spitze

Region  Nirgends lässt sich so sorgenfrei in Immobilien investieren wie in Heilbronn, sagt eine Studie. Doch die hat ziemlich viele Haken. Ein paar Erkenntnisse liefert sie trotzdem.

Von Christian Gleichauf

Heilbronn ist wieder mal spitze!
In Heilbronn ist es besonders einfach, Immobilien zu kaufen. Angeblich. Foto: Berger  

Heilbronn steht bei einer Vergleichsstudie wieder mal an der Spitze. In keiner Großstadt Baden-Württembergs muss man einen so kleinen Anteil seines Einkommens für die Immobilienfinanzierung aufwenden. Und in keinem Kreis sind die Aussichten für die Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen besser. Solche Superlative lassen sich aus dem Wohnatlas des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) herauslesen, der im Auftrag der Postbank erstellt wurde.

Für Kaufentscheidungen untauglich

Es sind Zahlen, die grundsätzlich für die Stadt sprechen. Und auch der Landkreis steht äußerst gut da. Doch als Argument für den hemmungslosen Immobilienkauf sollten die Prognosen und Quoten nicht herhalten. Denn die Einschätzung des HWWI ist nur eine Momentaufnahme, und die kann sich jederzeit wieder ändern.

Das zeigt der Blick auf die prognostizierte Wertentwicklung von 2017. Damals sah der Wohnatlas die jährliche Steigerung der Kaufpreise in Heilbronn bis 2030 noch bei vier Prozent. Nun sind es nur noch drei Prozent. Die Erklärung liefert die Leiterin der Studie beim HWWI, Dörte Nitt-Drießelmann: Die Bevölkerungsentwicklung in Heilbronn sei im vergangenen Jahr geringer ausgefallen als angenommen. Und: Das Wohnungsangebot hat sich stärker nach oben entwickelt als prognostiziert.

Heilbronn ist wieder mal spitze!

Nun waren das offenbar krasse Annahmen, wenn sich die Wohnungssituation in Heilbronn sozusagen entspannter darstellt als erwartet. Dass es grundsätzlich zu wenige Wohnungen gibt, zeigen die Wohnungspreise an. Die Kaufpreise sind zwischen 2016 und 2017 pro Quadratmeter um sage und schreibe 16 Prozent angestiegen, inflationsbereinigt immer noch um 14 Prozent.

Mini-Apartments werden für Höchstpreise verkauft

Doch auch darf man nicht übersehen, dass zuletzt viele sehr kleine Wohnungen gebaut und verkauft wurden. Gerade mit Studenten-Apartments sind derzeit Höchstpreise zu erzielen. Übrigens auch etwas, das zu den Erkenntnissen des HWWI passt: "Vor allem junge Menschen sind zuletzt in die Stadt gezogen", sagt die Volkswirtin Nitt-Drießelmann.

Wieder einmal kommt in dieser Studie dann noch die Lieblings-Statistik der Heilbronner zum Tragen: Das Durchschnittseinkommen. Wenige Großverdiener sorgen dafür, dass in Heilbronn jeder Haushalt im Schnitt 58.000 Euro zur Verfügung hat - mehr als sonstwo in Baden-Württemberg.

Das entspricht auch der Rangliste der Landesstatistiker, die das durchschnittliche verfügbare Einkommen - pro Kopf in diesem Fall - mit 38.000 Euro angeben. Auch Spitzenverdienste werden bei der Berechnung nicht gekappt, erklärt Nicole Gurka vom Statistischen Landesamt in Stuttgart. "Wo sollten wir denn kappen?" Allerdings sei auffällig, dass in Heilbronn nicht die Arbeitnehmerentgelte den großen Batzen ausmachen, sondern die Einkommen aus Vermögen und unternehmerischer Tätigkeit. Wer wie viel bezahlt, weiß allerdings nur das Finanzamt.

Ein paar Erkenntnisse gibt es trotzdem

Die begrenzte Aussagekraft dieser Zahlen im Hinterkopf, bleiben trotzdem ein paar Erkenntnisse: Heilbronn wird tatsächlich jünger. Von einer Immobilienblase ist man im nationalen Vergleich offenbar noch etwas entfernt. Und wer sich im Durchschnitt nicht wiederfindet, der gehört offenbar zur Mehrheit.

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