Haufenweise Ärger um Hundekot

Region  Landwirte wehren sich gegen Hundekot auf ihren Feldern und in Weinbergen. Sie weisen auf hygienische Probleme und ein durch Parasiten erhöhtes Fehlgeburtsrisiko bei Kühen hin. Es gibt aber noch mehr Probleme.

Von Reto Boch
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Haufenweise Ärger um HUndekotu

Hundekot ist nirgends gerne gesehen: weder in öffentlichen Parks noch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Foto: dpa

Die einen wollen ihre Felder bestellen oder Weinberge bewirtschaften, ohne ständig in Hundekot zu treten. Die anderen wollen mit ihren Vierbeinern an die frische Luft und zuweilen auch auf die Leine verzichten. Unterschiedliche Interessen, die dann in Einklang zu bringen sind, wenn beide Seiten Rücksicht nehmen. Aber das funktioniert nicht immer. "Ich habe es aufgegeben, die Leute anzusprechen. Manche machen sowieso, was sie wollen", sagt Helmut Eberle, Vize-Vorsitzender des Kreisbauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg.

Mit den meisten Spaziergängern gibt es keine Schwierigkeiten

Ein Punkt ist Eberle ganz wichtig zu betonen: Mit den meisten Mitbürgern gebe es keinerlei Schwierigkeiten. Aber natürlich treffen die Landwirte immer wieder auf Hundebesitzer, die den Kot ihrer Tiere im Weinberg liegen lassen. "Das passiert sogar, wenn man direkt daneben steht", berichtet Eberle.

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Regelmäßig finden die Bauern gefüllte Tüten auf ihren Feldern - Hundekot in Plastik. "Das wird einfach weggeworfen", sagt Helmut Eberle. Verstehen kann er es ohnehin nicht, dass Hundehalter sich Mühe machen, den Kot erst einsammeln und damit dann die Landschaft dekorieren.

Tierarzt bestätigt Risiko von Fehlgeburten

Aus hygienischer Sicht ist Hundekot auf Flächen, auf denen Lebensmittel erzeugt werden, natürlich nicht gern gesehen. "Die Verunreinigung von Grünland mit Hundekot kann eine große Gefahr für die Gesundheit von Nutztieren darstellen", erklärt der Landesbauernverband, der aktiv um Rücksicht bittet. Bei trächtigen Rindern könne der Parasit Neospora caninum zu Fehlgeburten führen. Eine Impfung gebe es nicht.

Begründete Warnung oder Panikmache? Tierarzt Hans-Georg Engler aus Jagsthausen sagt auf Anfrage: "Die Gefahr ist nachgewiesen." Vor nicht allzu langer Zeit sei genau dieser Fall in einem Betrieb aufgetreten, der von Engler und seinem Kollegen Thomas Buss betreut wird. Das komme immer wieder vor.

Hundekot kann Futter verunreinigen

In der Regel infiziert sich ein Hund dann, wenn er kontaminiertes Fleisch frisst. Über den Kot verunreinigt er Futter, das wiederum die trächtige Kuh aufnimmt. Die Parasiten können sehr lange im Futter überleben. Nicht immer klar ist allerdings, ob der Hofhund oder ein anderer Vierbeiner für die Infektion verantwortlich ist. Über die Gülle aus den Ställen verbreitet sich der Parasit laut Engler nicht.

Hundehalter und Spaziergänger beschweren sich zuweilen über allzu flott über die Feldwege knatternde Traktoren. Und die Landwirte sehen mit Schrecken, dass die Hunde im gestreckten Galopp über frisch eingesäte Felder jagen. Vergnügt beobachtet von ihren Besitzern, die womöglich noch nach Kräften Bälle auf die Äcker schleudern. "Die Jungpflanzen können zerstört sein", sagt Eberle.

Kollegen hätten berichtet, dass Hunde sogar auf Vlies und Folien gesehen wurden und mit ihren Pfoten Löcher verursacht haben. Den rechtlichen Rahmen spannt im Übrigen das Landesnaturschutzgesetz. Paragraf 44 sagt: Landwirtschaftlich genutzte Flächen dürfen in der Nutzzeit, also zwischen Aussaat und Ernte, nur auf Wegen betreten werden.

Ärgernis Hundekot, Begegnungsverkehr von Traktoren, Radfahrern und Spaziergängern auf den Feldwegen - viel Konflikpotenzial. Der Landesbauernverband macht einen Vorschlag, wie sich die Probleme lösen lassen: Gegenseitige Rücksichtnahme und ein Miteinander von allen Beteiligten.

 


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