"Hair" ist mehr als freie Liebe und kiffen

Jagsthausen  Wie "Hair" zum Welterfolg wurde: Wir liefern Hintergrundwissen für die Burgfestspiel-Premiere am Freitag in Jagsthausen.

Von Vanessa Müller

"Hair" ist mehr als freie Liebe und kiffen

Alles Liebe, Frieden und ein paar bunte Blümchen drumherum? Von wegen. Auch wenn das Kult-Musical "Hair" heute oft als knallbunte Hippie-Party daherkommt, unterlegt mit ein paar groovigen Songs zum Mitsingen, steckt doch viel mehr dahinter. Warum 1969 die gesamte Stuttgarter Staatsanwaltschaft in eine Böblinger Vorstellung marschierte? Oder Kirchenmusik und nackte Blumenkinder doch irgendwie zusammenpassen? Das erklären wir kurz und knackig in zwölf Comicbildern.

Denn am Freitag, 8. Juni, eröffnet das Stück die neue Spielzeit bei den Burgfestspielen Jagsthausen. Punktgenau 50 Jahre nach seiner Premiere am New Yorker Broadway. Und wer die Nebensitzer mit ein paar schlauen Sätzen zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte beglücken möchte, findet im Artikel die passenden Infos.

Nackte durften sich nicht bewegen

Apropos nackt: "Wir haben damals viel Staub aufgewirbelt", erinnerte sich Regisseur Tom O"Horgan 1990 in einem Fernsehinterview. Vorher habe es am Broadway nämlich keine freien Körper gegeben. "Unsere Darsteller zogen ihre Kleider als Akt der Befreiung aus - und am Ende der Aufführung stürmte die Polizei auf die Bühne und nahm sie fest." Obwohl es sich dabei um Schauspieler handelte, hielt das Publikum sie zunächst für echte Beamte. Tatsächlich waren die Theatermacher aber abgesichert: Eine Stadtverordnung erlaubte Nacktheit auf der Bühne - solange sich die nackigen Schauspieler nicht bewegten.

Den Ensemblemitgliedern stand es frei, ob sie auf der Bühne blank zogen. Die spätere Oscar-Preisträgerin Diane Keaton etwa weigerte sich. Lockerer sah das in der Londoner Aufführung Tim Curry, der später durch ein anderes Musical und dessen Verfilmung weltberühmt wurde: als Doktor Frank N. Furter in "The Rocky Horror Show".

Gegen den Trump-Irrsinn

Während die beiden Autoren James Rado und Jerome Ragni zwar keine Hippies waren, aber mit ihren wilden Haaren und Klamotten durchaus ins Bild passten, posierte der Jazzmusiker und Organist Galt MacDermot neben ihnen im Anzug. Er komponierte die eingängigen, oft kirchentonalen Melodien, mischte afrikanische Rhythmen unter die Stücke. Und in Jagsthausen? Da versprechen die Theatermacher einen modernen Ansatz. Regisseur Franz-Joseph Dieken sieht viele Parallelen zu heute: "Die Kriegssituation ist identisch, wenn man sieht, welcher Irrsinn unter anderem von Trump losgetreten wird". Und pssst: Mr. President soll sogar einen Auftritt im Burggraben haben.

 

Was sonst noch läuft:

Liebe und Frieden oder lieber Mantel und Degen? Sieben Stücke in prominenter Besetzung werden zwischen dem 8. Juni und 26. August in Jagsthausen gegeben. Mit dem Kultmusical "Hair" eröffnen die Burgfestspiele am kommenden Freitag ihre diesjährige Spielzeit. Auch wer nicht auf Hippies steht, kann im Anschluss aus sechs weiteren Schauspielen, Musicals sowie Kinder- und Familienstücken wählen. Über 80 Aufführungen werden im Burghof sowie im Gewölbe der Götzenburg den Sommer über gespielt.

Von den Abenteuern des jungen Kadetten D"Artagnan erzählt die Mantel- und Degen-Komödie "Die drei Musketiere" nach dem Roman von Alexandre Dumas (Premiere 15. Juni). Er verlässt sein Heimatdorf, um als Musketier in den Dienst Ludwigs XIII. und vor allem seiner Königin zu treten.

In "Der bewegte Mann - Das Musical" (Premiere 29. Juni) könnten Axel und Doro so glücklich sein. Doch während Doro für eine Beziehung bereit ist, kann Axel sich nicht vorstellen, seine unwiderstehliche Männlichkeit nur einer Frau zu widmen. Und so kommt es wie es kommen muss: Verwirrungen über Verwirrungen - und am Ende findet sie ihn im Bett mit Norbert.

"Baskerville" (Premiere 6. Juli) soll für Krimi-Feeling sorgen. Der weltberühmte Sherlock Holmes ist gemeinsam mit seinem treuen Gefährten Dr. Watson dem "Hund von Baskerville" auf der Spur. Aber ist es wirklich ein Hund, der im Devonshire Moor seine grausamen Verbrechen verübt, oder stecken doch eher menschliche Intrigen hinter den Todesfällen?

Ein neuer "Götz", der am 23. Juni Premiere feiert, soll für Überraschung sorgen. Der Gedanke der Freiheit, die Lage der Menschen in Deutschland am Ende des Mittelalters sind die Themen in Goethes Jugendwerk. Adelheid von Walldorf, Adalbert von Weislingen, die Bauern, die Fürsten, der Kaiser, sie alle suchen einen Weg, auf dem sie ihre Freiheit und Würde in einer Zeit des Wandels bewahren oder sich erkämpfen können.

"Der kleine Rabe Socke: Alles meins!" (Premiere 10. Juni) wird wieder aufgenommen. Der kleine Rabe mit der rot-weiß geringelten Socke am linken Fuß luchst seinen Freunden trickreich alle Lieblingsspielzeuge ab. Sein Nest platzt fast aus den Nähten, aber keiner möchte mehr mit ihm spielen. Was nützen die schönsten Sachen, wenn man sie nicht mit Freunden teilen kann?

Wer kennt die Geschichte "Das tapfere Schneiderlein" (Premiere am 17. Juni) nicht, das mit Geschick und Klugheit alle überlistet - zwei Riesen dazu bringt, sich gegenseitig zu schlagen und ein rasendes Wildschwein fängt?

Karten

Der Vorverkauf für die Aufführungen läuft. Vorstellungen für Erwachsene starten um 20.30 Uhr, die für Kinder je nach Veranstaltungstag zwischen 10 und 16 Uhr. Karten: www.burgfestspiele-jagsthausen.de, per E-Mail an burgfestspiele@jagsthausen, Telefon 07943 912345.

 

 


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