Haariges Risiko in den Eichen

Region  Das Kreisforstamt Heilbronn warnt vor Raupen des Eichenprozessionsspinners. Die feinen Haare können allergische Reaktionen auslösen. Warnschilder an betroffenen Gebieten werden aufgestellt. Wo kann es Probleme geben?

Von Reto Bosch
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Haariges Risiko in den Eichen

Förster Jörg Kuebart hängt ein Warnschild auf: "Achtung, Gesundheitsgefahr durch Eichenprozessionsspinner!" Wenn Spaziergänger überhaupt in betroffene Eichenwälder gehen, sollten sie unbedingt auf den Wegen bleiben. Foto: Mario Berger

Die Grillstelle am Haigern auf Talheimer Gemarkung liegt günstig. Auf der Südseite des Waldes, sonnig, trocken. Das ist gut für Ausflügler, aber auch für einen Schädling mit haarigem Risiko: Eichenprozessionsspinner haben sich in dem Waldstück breit gemacht. Die dünnen Haare der Raupen fliegen herab und können bei Menschen allergische Reaktionen auslösen. Entsprechende Meldungen haben das Kreisforstamt erreicht. Nun werden Warnschilder aufgehängt.

Hautreizungen, Rötungen oder Pusteln drohen

"Da oben ist ein Nest." Christian Feldmann zeigt auf eine Astgabel einer Eiche, direkt an der Grillstelle. "Ab dem dritten Larvenstadium bildet der Eichenprozessionsspinner feine, mit Proteinen gefüllte Haare aus", erklärt der Chef des Kreisforstamts Heilbronn. Und diese Haare bohren sich bei Menschen in die Haut, das Immunsystem reagiert. Mit Hautrötungen, Pusteln oder Schleimhautreizungen. Auch, weil auf dem Haigern viele Kinder unterwegs sind, lässt Feldmann die Warnschilder aufhängen. Botschaft: Die betroffenen Waldgebiete meiden.

Es gab Jahre, in denen auch in der Region Hubschrauber eingesetzt worden sind, um den Schädling mit Spritzmitteln zu bekämpfen. Eine sogenannte Massenvermehrung - sie kommt alle sieben bis zehn Jahre vor - stellt Feldmann 2018 nicht fest. "Es wird aber mehr", sagt der Untergruppenbacher Revierförster Jörg Kuebart.

Die Fachleute gehen davon aus, dass die Zahl der Insekten in den nächsten Jahren steigen wird - bis sie wieder massenhaft auftreten und Eichen kahlfressen. Das ist deshalb ein Problem, weil die Prozessionsspinner zu den Schädlingen gehören, die spät im Jahr zuschlagen und auch den zweiten Austrieb der Blätter verspeisen. Neben dem Haigern gibt es laut Kreisforstamt noch am Hörnle bei Brackenheim Probleme. Beim Weinsberger Kletterpark wurde vor einigen Wochen gespritzt.

Lage im Land angespannter als in den Vorjahren

Haariges Risiko in den Eichen

So sehen die Raupen des haarigen Schädlings aus.

Foto: privat

Wie sieht es im Land aus? "Die Lage ist regional angespannter als in den Vorjahren", sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums dieser Redaktion. Zur Bekämpfung seien jedoch keine außergewöhnlichen Schritte notwendig.

Schwerpunkte lägen nach ersten Informationen entlang der Rheinschiene, im Neckarland, im Östlichen Albvorland/Ries und auf der Flächenalb. Allerdings sei in ganz Baden-Württemberg der Eichenprozessionsspinner anzutreffen. "Dort wo er nicht bekämpft wird, ist mit seiner Zunahme und Ausweitung zu rechnen."

Häutung und Ruhephasen in Nestern am Baum

Seit Ende Mai hätten die Raupen das vierte Larvenstadium vollendet und stellten eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. Ab dem fünften Larvenstadium finden sich auch typische Gespinstnester an den Eichen, in denen sie sich zur Häutung und in Ruhephasen aufhalten - wie am Haigern. Die Häutungsreste stellten eine erhebliche und bis zu mehrere Jahre bestehende Gifthaarquelle dar.

Der Ministeriumssprecher empfiehlt: "In befallenen Regionen sollten Eichenwälder nur auf den Wegen betreten werden."

 

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