Gute Laune im ICE trotz langer Wartezeit

Heilbronn/Stuttgart  Manche fiebern der Fahrt entgegen, andere landen unfreiwillig im ersten ICE nach Heilbronn. Gewöhnen könnten sich aber alle daran. Die Verspätung nehmen die Fahrgäste gelassen.

Von Michelle Christin List
Gute Laune im Express trotz langer Wartezeit

Markus Kempf, Meinhard Wendel, Yannick Schäfner und Zugführerin Christin Braun (von links) nehmen die Verspätung gelassen.

Fotos: Michelle Christin List

"Wenn ich einen Termin hätte, wäre die Verspätung doof. So ist alles okay", sagt Ramona Blum beim Einsteigen in den ICE. Die 57-jährige Eppingerin wollte unbedingt gleich bei der ersten Fahrt dabei sein. Dass die 47 Minuten später als geplant beginnt, sieht sie gelassen. Immerhin sei sie ja froh, dass der Zug überhaupt fährt und nicht komplett ausfällt. "Das wäre aber auch einfach zu blamabel gewesen. Also wurden wohl alle Hebel in Bewegung gesetzt", sagt eine Mitarbeiterin von der Reise-Information.

Heilbronnerin genießt die ruhige Fahrt

Peter und Anna-Maria Bernhardt warten auf die Regionalbahn nach Stuttgart, können diesen ICE-Hype nicht verstehen. "Mit dem ICE würden wir für die Fahrt hin und zurück insgesamt 20 Euro mehr zahlen. Das ist uns die Sache nicht wert", sagt Peter Bernhardt.

Ramona Blum hingegen ist sich nach fünf Minuten Fahrt in der zweiten Klasse sicher: "Das hat sich rentiert. Die Sitze sind so komfortabel. Es ist viel ruhiger. Sowohl im Abteil als auch die Fahrt an sich." Zugführerin Christin Braun hört das gerne. "Die meisten Leute sind gut drauf, nehmen die Verzögerung entspannt in Kauf." Anders sei das bei den Pendlern, die zur Arbeit müssen.

Oder doch nicht? "Wir sind Pendler und super drauf", betont Yannick Schäfner im Speiseabteil lachend. Für ihn gab es gerade Rührei, Brötchen und Cappuccino. Viermal pro Woche fährt er mit seinen Kollegen von Mannheim aus zur Arbeit nach Stuttgart. "Heute geht es aber nur darum, bei der ICE-Fahrt dabei zu sein. "Wir beide haben in Heilbronn Verkehrsbetriebswirtschaft studiert und deshalb einen besonderen Bezug zur Stadt", erklärt Schäfners Kollege Meinhard Wendel.

Nicht jeder ist freiweillig im Express gelandet

Unfreiwillig in diesem Zug gelandet ist André Junge aus Heidelberg. "Mein erster Zug hatte Verspätung, also bin ich auf diesen aufgesprungen. Das war ein super Zufall. Anders hätte ich gar nicht von einem ICE nach Heilbronn erfahren." Wenn der 51-Jährige in Zukunft die Bundesgartenschau besucht, will er vom Auto auf den ICE umsteigen.

Ähnlich ging es Christa Flechsenhar: "Um acht Uhr wollte ich zum Arzttermin nach Mannheim starten. Zwei Zugausfälle haben mich in diesen ICE gebracht. Jetzt bin ich bei einem historischen Moment dabei", sagt die 79-Jährige.

Gute Laune im Express trotz langer Wartezeit

Gertraud Huber könnte sich an die Fahrt im ICE gewöhnen.

So manch einer sieht Nachholbedarf

"Da könnte man sich dran gewöhnen", sagt die 72-jährige Heilbronnerin Gertraud Huber vor dem Ausstieg in Stuttgart. Mit ihrer Erste-Klasse-Schnupper-Bahncard fährt sie auch zurück ICE.

Marc Gundel hingegen sitzt in der Regionalbahn nach Heilbronn. Im Vergleich zu eben bedeutet das eine holprige, quietschige Fahrt mit abgestandener Luft und schweren Türen. Für Museumsleiter Gundel ist das zweitrangig: "Es geht nicht um bequeme Sessel, sondern um eine pünktliche, gute Verbindung. Und da besteht von Heilbronn aus auf jeden Fall noch Nachholbedarf."

 

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