Gutachten: B27-Anschluss entlastet Neckarsulmer Innenstadt

Neckarsulm  Die Neckarsulmer Stadtverwaltung hat das Verkehrsgutachten zum umstritten B27-Anschluss Binswanger Straße vorgestellt und sieht sich in den Plänen für das Millionenvorhaben bestätigt.

Von Steffan Maurhoff

 

Der Dialog um den umstrittenen B 27-Anschluss in Neckarsulm geht in die nächste Runde. Die Stadtverwaltung hat am Montagvormittag in einem Pressegespräch die Ergebnisse eines Verkehrsgutachtens zum Anschluss der Bundesstraße an die Binswanger Straße vorgestellt - ein heißes kommunalpolitisches Eisen. Am Abend folgte eine öffentliche Diskussion, bei dem sich Befürworter wie Gegner zu Wort meldeten. Im Raum steht nach wie vor ein Bürgerentscheid über den Anschluss.

Ein Großprojekt in schwierigen Zeiten

Das Gutachten des Ludwigsburger Büros BS Ingenieure nimmt den Zeitraum bis 2030 unter die Lupe und kommt zu einem klaren Schluss: Der Verkehr auf der künftig vierspurigen B27 und der ausgebauten A6 wird deutlich zunehmen, aber die Neckarsulmer Innenstadt und die Südtangente werden deutlich entlastet - mit B27-Anschluss.

Das Gutachten war mit Spannung erwartet worden, geht es doch um ein 38-Millionen-Euro-Projekt, an dem die Stadt Neckarsulm einen zweistelligen Millionenbetrag selbst übernehmen müsste. Und das in Zeiten, in denen die finanziell mittlerweile angeschlagene Stadt auch das Freizeitbad Aquatoll mit Millionenaufwand auf Vordermann bringen will.

Eine umfassende Datenbasis

Das Büro BS Ingenieure hat bereits im Auftrag von Audi und der Schwarz-Gruppe ein Verkehrsmodell für den Wirtschaftsraum Heilbronn-Neckarsulm erstellt und nun die vertiefende Untersuchung für das Stadtgebiet, den B 27-Anschluss und den Trendpark erarbeitet - auch vor dem Hintergrund der Umzugspläne der Schwarz-Gruppe in Richtung Bad Wimpfen und Kochendorf und einschließlich der Vorgaben durch den Mobilitätspakt. "Wir haben jetzt eine umfassende, breite Datenbasis", meinte Bürgermeisterin Dr. Suzanne Mösel bei der Vorstellung der Zahlen.

Gutachten: B27-Anschluss entlastet Neckarsulmer Innenstadt

Es ist sattsam bekannt: Das Verkehrsaufkommen rund um Neckarsulm ist schon heute enorm. Auf der B27 sind im Bereich Viktorshöhe der Analyse zufolge zurzeit werktäglich 58 100 Fahrzeuge unterwegs. Wolfgang Schröder vom Büro BS Ingenieure: "Wir sind an der Belastungsgrenze."

Auch interessant: Neckarsulm und Heilbronn sind Pendler-Hochburgen 

Für das Jahr 2030 errechnete er hier 72 150 Fahrzeuge. Ein ähnlich klares Bild auf Höhe des geplanten B 27-Anschlusses mit 40 350 Fahrzeugen heute und 53.400 im Jahr 2030. Zwar brächten der Autobahnausbau und die vierspurige Erweiterung der B27 künftig auch ohne Anschluss einen gewissen Entlastungseffekt für die Innenstadt, so die Gutachter. Sie errechneten beispielsweise 450 Fahrzeuge weniger in der Binswanger Straße.

Auch die Südtangente wäre entlastet

Doch mit Anschluss wäre dieser Effekt bedeutend größer, wie Wolfgang Schröder prognostizierte: 5650 Autos weniger in der Binswanger Straße, 6600 weniger in der Gymnasiumstraße oder 5000 weniger auf der K 2000 bei Audi. Schröder fasste zusammen: "Das Stadtgebiet Neckarsulm wird entlastet." Der B27-Anschluss Binswanger Straße bringe insbesondere etwas für die Binswanger- und Hohenloher Straße, entlaste auch die Gymnasiumstraße, die Saarstraße, die Viktor-Brunner-Straße - und die Südtangente.

Das Gutachten sollte auch Aufschluss darüber bringen, ob der Anschluss weitere Gewerbeentwicklungen und im geplanten Gebiet "Linkes Tal" ermöglicht. Das ist dem Büro zufolge der Fall - auch über die ohnehin einkalkulierte Entwicklung von 4200 Arbeitsplätzen hinaus. Aber nicht in einem solchen Maß wie im Trendpark.

Nachteile des Anschlusses

Oberbürgermeister Steffen Hertwigs Fazit: "Das Gutachten zeigt eindrucksvoll, dass es ohne Investitionen in die verkehrliche Infrastruktur nicht gehen wird." Deutlich zeige es auch, dass die Innenstadt um mehrere Tausend Fahrzeuge entlastet werde. "Das werden die Bürger spüren." Darüber hinaus könne man ortsansässigen Betrieben eine gewisse Wachstumsperspektive bieten. "Abwanderungswünschen könnten wir etwas entgegensetzen."

Der B 27-Anschluss hätte den Gutachtern zufolge für wenige Bereiche in der Innenstadt Nachteile, etwa für die Richard-Wagner-Straße. Statt derzeit 5900 Fahrzeugen werktäglich führen dort 7100 im Jahr 2030 - auch von und zum B27-Anschluss, der heute noch nicht besteht. Als Ausgleich soll aktiver Schallschutz her: zwischen zwei und sechs Meter hohe Wände.


Rund 200 Besucher bei Info-Veranstaltung

Gut besucht war die Gutachteranhörung  im Josef-Lindemann-Saal der städtischen Musikschule am Montagabend. Etwa 200 Bürger kamen zu dieser zweiten öffentlichen Informationsveranstaltung zum B27-Anschluss. >>Was Bürger und Gemeinderäte zum Gutachten sagen (Premium)