Gülleattacke auf Spaziergänger in Bad Wimpfen

Bad Wimpfen  Der Konflikt zwischen einem Landwirt und Spaziergängern am Ortsrand von Bad Wimpfen eskaliert. Bei einem Vorfall wurden eine Mutter und ihr Kind mit Gülle bespritzt. Ob es sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände oder Vorsatz handelte, ist unklar.

Von Alexander Klug
Erst Gülle, dann Gebrülle

Auf dem Feldweg am südlichen Rand von Bad Wimpfen kommen sich gelegentlich Spaziergänger, Radler und Landwirte in die Quere. Foto: Alexander Klug

Der Kinderwagen ist von Güllespritzern bedeckt, wie der eineinhalb Jahre alte Junge selbst. Hose, Jacke, Brille - auch seine Mutter ist nicht verschont geblieben. Noch Tage nach dem Vorfall auf einem Feldweg im Süden von Bad Wimpfen ist Melanie Weber sauer. "Er ist sehr nah an uns vorbeigefahren, dann hat er gebremst", sagt die junge Mutter, die in Wirklichkeit anders heißt.

"Er" ist ein Landwirt, der mit seinem Traktor einen Tank zog. Dann sei Gülle aus den Schläuchen an den Auslegerarmen gespritzt, erzählt die Frau. Auf sie, ihr Kind und zwei weitere Frauen mit Kinderwagen. "Bevor er weitergefahren ist, hat er uns noch ordentlich angebrüllt."

Die Polizei geht der Anzeige der beiden nach, der Täter konnte jedoch noch nicht ermittelt werden. Nach Angaben des Ehepaars ist ein Schaden von 2500 Euro entstanden.

"Worte helfen nicht mehr"

An einen Unfall glauben Melanie Weber und ihr Ehemann Rainer nicht. "Wir scheren nicht alle über einen Kamm. Aber es gibt schon solche, die bewusst provozieren“, meint er. Dabei seien die Mütter doch soweit es ging zur Seite gegangen. Die Stimmung zwischen Anwohnern und Landwirten sei angespannt. "Bei Treffen vor Ort und Versammlungen ist viel geredet worden. Aber Worte helfen nicht mehr, jetzt muss etwas getan werden", stellt Rainer Weber klar. "Aber ich habe das starke Gefühl, dass die Stadtverwaltung das aussitzen will." Er hält das Flugblatt in der Hand, mit dem ein Nachbar bereits vor Monaten auf Missstände und Gespräche hingewiesen hat.

Erst Gülle, dann Gebrülle

Kind und Kinderwagen waren nach dem Vorfall mit Gülle bespritzt.

Eine Nachbarin, die direkt am Feld wohnt, ergänzt, dass die Platzprobleme auf dem Feldweg und die Spannungen deswegen nicht das einzige Problem seien.

"Wenn auf der A6 nichts mehr geht, wird der Feldweg zur Ausweichroute", moniert sie. "Ich habe da auch schon 40-Tonner durchfahren sehen." Sie habe deswegen das Gespräch mit der Verwaltung gesucht. "Es hieß, dass da außer den Absperrungen an den kleinen Stichwegen nichts zu machen ist." Sie sind installiert worden, weil ein direktes Einbiegen auf den Feldweg zum Beispiel mit dem Fahrrad nicht möglich ist.

Unglückliche Umstände oder Vorsatz?

Zum Fall selbst könne er wenig sagen, meint Bad Wimpfens Bürgermeister Claus Brechter. "Die Ermittlungen sind im Gange. Den Vorfall bedaure ich." Die angespannte Stimmung zwischen Neubaugebietsbewohnern und Landwirten könne er nicht bestätigen. Es sei nun einmal so, dass einige Grundstücke des Baugebiets direkt an den Feldweg angrenzen, der Weg aber gleichzeitig Hauptwirtschaftsweg sei - die nächste Wohnbebauung ein paar Meter stehe bevor. "Es sollte doch möglich sein, vernünftig miteinander umzugehen."

Ob es sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände oder Vorsatz handelt, sei noch nicht klar, sagt Rainer Köller. Er ist Sprecher des Heilbronner Polizeipräsidiums. "Es gibt zwar einen Verdacht, einen Täter definitiv ermittelt haben wir aber noch nicht."

Viele können der Täter sein

Erst Gülle, dann Gebrülle
Auch die Kleider der Mutter wurden stark verschmutzt. Fotos: privat

Der Hof von Bernd Angelberger ist gerahmt von Landesstraßen und Lidl-Baustelle. Außer mit der Milch von Kühen verdient er mit dem Anbau von Gerste, Weizen, Zuckerrüben und Mais auf Feldern im Westen von Bad Wimpfen sein Geld - ihm gehört das direkt an das Wohngebiet angrenzende Feld. Zu seinem Fuhrpark gehört auch ein Tank-Anhänger wie der, der in den Vorfall verwickelt ist. "Vom Hof hier war es aber keiner. Und ich weiß auch nicht, wer es war."

Es gebe viele Möglichkeiten: Viele Bauern brächten unter anderem Gülle zur Biogasanlage, und nach der Verarbeitung die Reste der Gärungsprozesse auf die Felder. "Es gibt aber auch noch andere Biogasanlagen in der Nähe", sagt der Bad Wimpfener Landwirt. Die Situation auf dem betroffenen Feldweg sei in der Tat nicht einfach. "Die Fahrzeuge sind drei Meter breit, der Feldweg auch. Dass da wenig Platz ist, ist klar." Er spricht sich für eine Verbreiterung auf vier Meter aus.

 
 

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