Grundschüler forschen mit Blumensamen aus dem All

Heilbronn  Bei seiner Mission im All hatte "Astro-Alex" Alexander Gerst Wildblumensamen im Gepäck. Schüler sollen die Saat erforschen. Den Auftakt machte die Heilbronner Silcherschule am Freitag in der Experimenta.

Grundschüler forschen mit Blumensamen aus dem All

Aus dem All in die Erde: Grundschüler der Heilbronner Silcherschule forschen als erste mit der Saat, die Alexander Gerst im Weltraum begleitete.

Foto: Matthias Heibel

Gut verpackt flogen die kleinen Körner mit 28.000 Stundenkilometern um die Welt, jetzt sind sie zurück auf der Erde. Wildblumensamen, die Astronaut Alexander Gerst bei seiner Weltraummission dabei hatte, sind am Freitag in der Experimenta an Viertklässler der Heilbronner Silcher-Schule übergeben worden. Die Schüler sollen erforschen, wie dem Saatgut der Ausflug ins All bekommen ist.

Heilbronner Pioniere bei bundesweitem Projekt

Space Seeds, Weltraumsaaten, heißt das Schülerprojekt, bei dem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Heilbronner Science Center zusammenarbeiten. "Wildblumen sind entscheidend für die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt", sagte Alexander Gerst in einer Videobotschaft, die vor rund 50 Gästen der Auftaktveranstaltung an die Kuppel im Science Dome der Experimenta projiziert wurde.

Die Arbeit im All habe ihm vor Augen geführt, "wie zerbrechlich der blaue Planet ist", betonte der aus Künzelsau stammende Astronaut. Das Projekt solle ein kleines Stück dazu beitragen, "dass Leben auf der Erde blüht".

Plötzlich waren die Beutel auf der ISS verschollen.

Mitmachen bei Space Seeds

Grundschulen aus ganz Deutschland können sich mit dritten und vierten Klassen ab 23. September unter space2school.de bewerben. Da nur wenige Gramm nötig sind, dürften mehrere Hundert Schulen zum Zug kommen.

Während der Horizons-Mission hatten Gerst und seine Crew 198 Tage auf der Raumstation ISS verbracht, die in 400 Kilometern Höhe um die Erde sauste. Immer mit dabei: Zwei Kilogramm Wildblütensamen, fein säuberlich verschweißt in vier goldfarbene Beutel. Eine kleine Panne gab es dabei, wie der ISS-Missionsmanager Volker Schmid mit einem Schmunzeln erzählte. Die Beutel waren unauffindbar.

"Die Crew hat sie an zwei Wochenenden gesucht" - und doch noch aufgetrieben. Freuen dürfen sich Grundschüler in ganz Deutschland, die sich nun mit dritten und vierten Klassen um die Teilnahme bewerben können. Sie bekommen ein kleines Päckchen Saatgut mit Weltraum-Erfahrung, dazu dieselbe Menge handelsübliche Samen, die den Planeten nie verlassen haben.

Erforschen, welche Folgen der Ausflug hatte

"Wie geht es den Blumensamen überhaupt?" Das ist laut Alexandra Herzog die Leitfrage. Die Samen seien im All etwa hoher Strahlung ausgesetzt gewesen, erläuterte die Koordinatorin für Schulprojekte beim DLR. Wachsen die Blumen aus Weltraumsaat anders? Wie verhalten sich Tiere? Das wollen auch Nachwuchsforscher der Heilbronner Silcherschule ergründen, die am Freitag Pionierarbeit leisteten und als erste eine Probe überreicht bekamen. Die Kinder bepflanzten damit gleich Rabatten, die in der Experimenta ausgestellt werden, sie werden aber auch ein Beet in der Schule gestalten.

Heimische Blumenwiesen seien "vielleicht nicht so unendlich wie der Kosmos", sagte der Naturfilmer Jan Haft bei der Eröffnung. "Ihre Vielfalt ist aber so groß, dass Generationen immer Neues zu entdecken haben." Das Saatgut, das mit Alexander Gerst durchs All schwebte, hatte Ernst Rieger zur Verfügung gestellt. Der Landwirt aus Blaufelden im Landkreis Schwäbisch Hall hat sich dem Erhalt der angestammten Wildblumen verschrieben. "Wir wollen das Ursprüngliche haben", betonte er.

 


Alexander Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist seit 2003 bei der Heilbronner Stimme. Er berichtet über den Kraichgau, Verkehr, Pendler und Themen aus benachbarten Landkreisen. 

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