Großes Interesse an Besuchertag im Kernkraftwerk

Neckarwestheim  Von außen ist fast alles wie immer. Innen schreitet der Rückbau des Kernkraftwerkes Neckarwestheim voran. Beim Aktionstag am Samstag gab der Energiekonzern EnBW den Besuchern Einblicke in eine Anlage, die Stück für Stück zerlegt wird.

Von Alexander Hettich
Email

Führung durch das Maschinenhaus von GKN I in Neckarwestheim: Ein Teil der orangefarbenen Hüllen ist weg, Turbinen werden demontiert.

Foto: Andreas Veigel

Die Besuchergruppe steht auf einer Galerie in rund 20 Metern Höhe. Unten, in der Maschinenhalle, sind die mächtigen Hüllen der Dampfturbinen zum Teil abgebaut. "Macht Sie das traurig, dass das alles verschwindet?", fragt einer der Gäste, die sich rechtzeitig für die ausgebuchten Rundgänge angemeldet haben. Axel Bühl, Standort-Projektleiter für den Rückbau, antwortet diplomatisch: "Die einen sagen so, die anderen so."

Rückbau dauert bis zu 15 Jahre

Der Atomausstieg ist beschlossene Sache. "Das gibt Planungssicherheit", sagt Lutz Schildmann, Sprecher von EnBW Kernkraft. Geplant hat der Konzern akribisch. Für den Rückbau jedes Blocks sind zehn bis 15 Jahre veranschlagt, mehr als sieben Milliarden Euro waren zurückgestellt für die Stilllegung der baden-württembergischen Kernkraftwerke Philippsburg, Obrigheim und Neckarwestheim. Block I im Gemeinschaftskraftwerk Neckar (GKN) ist seit 2011 vom Netz, seit etwas mehr als zwei Jahren läuft im GKN I der Rückbau.

Das heißt zum Teil auch: Neubau. Ein Abfalllager und ein Zentrum für die Bearbeitung von Reststoffen sind entstanden. Im Reaktor selbst sind unter anderem Hauptkühlmittelleitungen und Motoren der Pumpen demontiert. Der Schwerpunkt liegt am Samstag aber nicht auf dem Reaktor. Die Rundgänge führen erstmals im Rahmen dieser bereits mehrmals durchgeführten Aktionstage in die 30 Meter hohe Maschinenhalle. Hier erzeugten zwei Turbinenanlagen sowohl Strom für das öffentliche Netz als auch Bahnstrom, der eine andere Frequenz hat. Jetzt liegt das Herz der Anlagen frei, Turbinen sind zum Teil demontiert. Aber das ist erst der Anfang. "250 von 8000 Tonnen Material sind weggeschafft", erläutert Projektleiter Bühl. Das Maschinenhaus wird Mitte 2020 leer geräumt sein. Was mit den Gebäuden passiert, ist offen.

Zweiter Neckarwestheimer Block läuft bis 2022

Weniger als ein Prozent der anfallenden Stoffe sei radioaktiver Abfall, betont Jörg Michels, Geschäftsführer von EnBW Kernkraft, der sich im Anschluss an die Führungen den Fragen der Besucher stellt. Der Rückbau von Kernkraftwerken, so Michels, sei für die Industrie kein Neuland. Schon vor dem Atomausstieg seien Anlagen demontiert worden. Zum Einsatz kämen "bewährte Verfahren".

Der zweite Neckarwestheimer Reaktor, GKN II, ist weiter am Netz. Atomkraftgegner hatten seine sofortige Stilllegung gefordert, nachdem 2018 Schäden an Leitungsrohren bekannt geworden waren. Die Rohre seien repariert, die Betriebssicherheit zu keiner Zeit gefährdet gewesen, teilte die EnBW damals mit. GKN II wird spätestens 2022 als eines der letzten deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet.


Kommentar hinzufügen