Große Hilfsbereitschaft trotz eigener Schwierigkeiten

Region  Ein Automobilzulieferer spendet Schutzmasken an Ärzte, ein Unternehmen bietet kostenlose Unterkünfte für Helfer. Die Hilfsbereitschaft ist groß, doch der Bedarf auch: Bei den SLK-Kliniken werden derzeit die Schutzkittel knapp.

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Illustration: pedro/stock.adobe.com, HSt

Es sind Lichtblicke in diesen Zeiten: Unternehmen und Privatpersonen, die selbst zum Teil stark unter den Auswirkungen der Coronakrise leiden, wollen helfen, wo Hilfe dringend gebraucht wird: im medizinischen Bereich. Es gibt eine Reihe von Beispielen für Solidarität - mit Ärzten aus der Region oder mit der Diakoniestation Obersulm-Löwenstein-Wüstenrot.

Hilferuf des Ärztesprechers

Vor einer Woche hatte sich der Heilbronner Ärztesprecher Martin Uellner mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit gewandt: Den Arztpraxen in der Region gehe die Schutzausrüstung aus. Doch ohne Atemschutzmasken sei das Personal in den Praxen selbst einem großen Ansteckungsrisiko durch Corona-Infizierte ausgesetzt.

Automobilzulieferer gibt begehrte Schutzmasken weiter

Der Werkleiter eines Automobilzulieferers aus Neuenstadt las Uellners Brandbrief auf stimme.de und entschloss sich zu helfen. Das Unternehmen, das namentlich nicht erwähnt werden soll, spendete 150 FFP-2-Masken und 4000 chirurgische Masken an die Ärzteschaft in der Region. "Wir haben das Material vor einigen Jahren zum Schutz unserer Belegschaft vor der damals grassierenden Grippe gekauft", sagt der Werkleiter, der ebenfalls ungenannt bleiben möchte, im Gespräch mit unserer Redaktion. Nachdem er von dem Engpass gehört habe und weil das Unternehmen im Zuge der Coronakrise derzeit ohnehin geschlossen sei, "habe ich mir gedacht, dass die Masken bei Ärzten und Pflegekräften jetzt in besseren Händen sind". Die Masken kommen nach Auskunft von Martin Uellner nun in den Notfallpraxen in der Region zum Einsatz, "damit ist wenigstens die Notfallversorgung gesichert".

Frau will Masken für Diakoniestation nähen

Via Facebook hat die Diakoniestation Obersulm-Löwenstein-Wüstenrot einen Aufruf gestartet und um Mundschutz gebeten. "Es gibt nirgends mehr etwas", begründet die stellvertretende Pflegedienstleiterin Melanie Klemm die Aktion. Kaum war die Bitte gepostet, gab es schon die ersten Reaktionen. Etliche Menschen seien bereit, kleinere Mengen zur Verfügung zu stellen. "Darüber sind wir sehr froh. Damit ist uns erstmal viel geholfen", sagt Melanie Klemm. Eine Frau habe sogar zugesichert, 50 Mundschutzmasken für die Diakonie-Mitarbeiterinnen zu nähen. "Für bestimmte Tätigkeiten brauchen wir den Mundschutz einfach." Zudem gelte es ja nicht nur, Vorsicht wegen des Coronavirus walten zu lassen. Auch andere Viren, etwa das Norovirus, müsse man im Blick haben.

Bei SLK ist Ausrüstung ebenfalls knapp

Die Knappheit an Schutzausrüstung ist auch bei den SLK-Kliniken ein Dauerthema. Laut Geschäftsführer Thomas Weber ist es dem Unternehmen bisher gelungen, immer wieder kleinere Vorräte an Mundschutz, Kitteln und Handschuhen zu organisieren. "Wir kämpfen von Tag zu Tag um Nachschub." Aktuell bereite ihnen der Bestand an Kitteln zum Feuchtigkeitsschutz Sorge. "Unser Vorrat reicht noch etwa zehn bis zwölf Tage, dann sind wir blank."


Kostenlose Übernachtung für Einsatzkräfte

Ein weiteres Beispiel der Hilfsbereitschaft kommt aus Neckarsulm, wo das Unternehmen "Warum-ins-Hotel" seinen Sitz hat. In normalen Zeiten vermietet es Unterkünfte an Mitarbeiter großer regionaler Firmen. Aktuell stehen die meisten Wohnungen und Zimmer nach Auskunft von Inhaber Torsten Heyer leer, "wir sind bei zehn Prozent unserer normalen Auslastung". Eine schwierige Lage für Heyer − in der er trotzdem anderen helfen möchte. Er bietet Menschen aus Pflegeberufen, aus dem ärztlichen Dienst oder von der Polizei, die wegen der Coronakrise in der Region arbeiten, eine kostenlose Unterkunft an. "In diesen schweren Zeiten ist es wichtiger denn je, dass wir alle zusammenhalten und uns solidarisch mit all denjenigen zeigen, die täglich großen Einsatz erbringen", schreibt er in einem Facebook-Post und an unsere Redaktion. Viele verließen ihre Heimat, um dort zu helfen, wo es notwendig ist. "Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, ihnen zumindest die Sorge um eine Unterkunft zu nehmen und unsere Unterkünfte kostenlos zur Verfügung zu stellen." Einsatzkräfte, die aktuell in den Landkreis Heilbronn ziehen oder zeitweise hier arbeiten, könnten sich gern melden, sagt Heyer. Auch medizinisches Personal, das Angst habe, Angehörige anzustecken, sei willkommen. "Damit wollen auch wir unseren Beitrag für die Gesellschaft und zur Eindämmung des Coronavirus leisten." Mehr Infos unter www.warum-ins-hotel.de; Mail: info@warum-ins-hotel.de


Valerie Blass

Valerie Blass

Autorin

Valerie Blass ist Autorin im Politikressort. Ihr besonderes Interesse gilt Themen aus dem Bereich Gesundheit.

Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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