„Glück entsteht und existiert nur in uns“

Interview  Die Lebensberaterin Larissa Hauser versucht, Menschen einen neuen Blick auf sich selbst und ihr Leben zu vermitteln. Uns hat die Weinsbergerin erzählt, wie das geht: ein Rezept fürs Glücklichsein.

Von Milva-Katharina Klöppel

Normalerweise stellt Larissa Hauser die Fragen. Die 29 Jahre alte Weinsbergerin hat sich vor einem Jahr als Life-Coach- und Yoga-Lehrerin selbstständig gemacht und hilft seitdem Menschen, die etwas verändern möchten – privat oder beruflich. Wichtig ist für sie dabei der Blick nach vorne. Die Wege, die Dank Hauser eingeschlagen werden, sind ganz unterschiedlich. Doch am Ende der Coachings bei „Ayu-Happy“, wie Hauser ihr Unternehmen genannt hat, sollen die Menschen von sich sagen: „Ja, I am happy. Ich bin glücklich.“ Doch das mit dem Glück ist ja immer so eine Sache ... 

Larissa Hauser, Life-Coach- und Yoga-Lehrerin

Frau Hauser, woran erkennen Sie einen glücklichen Menschen?

Larissa Hauser: An der Körperhaltung, am Gesicht. Vieles erkenne ich intuitiv am gesamten Erscheinungsbild. 

 

Spüren Sie, wenn Menschen zwar behaupten glücklich zu sein, es aber gar nicht sind?

Hauser: Wenn jemand sagt, er ist total glücklich, dann glaube ich das natürlich. Es gibt Menschen, die haben genau die gleichen Lebensumstände, und doch ist der eine zufrieden damit und hat ein Strahlen im Gesicht und der andere ist absolut unglücklich.

 

Was ist dann überhaupt Glück?

Hauser: Das Glück ist in uns. Es entsteht und existiert nur in uns. Allerdings suchen wir es immer in der Außenwelt, in anderen Menschen, Dingen, einem Beruf oder einer Beziehung, die uns glücklich macht. Anstatt zu verstehen, dass ich selbst entscheiden kann, ob ich mit dem, was ich habe, glücklich bin.

 

Haben wir diese Einstellung verlernt?

Hauser: Viele Menschen wissen es nicht mehr. Sie brauchen die Erinnerung daran, dass die Entscheidung, ob es ihnen gut geht oder nicht, bei ihnen selbst liegt. Wir meinen zum Beispiel, wenn wir nicht mehr Single sind, dann sind wir glücklich. Oder wenn wir einen Job mit 60.000 Euro Jahreseinkommen haben, dann geht es uns gut. Das ist ein Trugschluss.

 

Wobei ja ein Partner durchaus zum Glück beitragen kann, oder nicht?

Hauser: Auf jeden Fall. Aber wir haben immer die Illusion, dass uns etwas fehlt, um glücklich zu sein. Stattdessen sollten wir das, was da ist, akzeptieren, damit ins Reine kommen und sagen: Alles was jetzt kommt, kann nur noch schöner werden.

 

Gibt es ein Rezept fürs Glücklichsein?

Hauser: Jeden Menschen macht etwas anderes glücklich, jeder springt auf andere Themen an. Was mir sehr geholfen hat, waren Yoga und Meditation. Das muss aber nicht für jeden der Weg sein. Abgesehen davon finde ich Dankbarkeit sehr hilfreich. Wenn du dankbar bist, bist du schon in der Fülle, wie man in der Yogi-Szene sagt.

 

Was ist damit gemeint?

Hauser: Ich habe jeden Tag eine warme Dusche, ich habe den Kühlschrank voll mit Lebensmitteln, die auch noch bio sind. Ich sollte schauen, was ich alles habe. Was wurde mir als Geschenk schon auf diese Welt mitgegeben? Vieles davon sehe ich vielleicht gar nicht, weil ich immer meine, es müsste noch mehr geben. Auch zum Glücklichsein.

 

Die eigenen Bedürfnisse lassen sich oft nicht mit den gesellschaftlichen Erfordernissen vereinen. Ein Langschläfer muss trotzdem morgens ins Büro. Wie viel Anpassung ist in Ordnung?

Hauser: Der eigene, innere Kompass muss stimmen. Wir müssen uns als Menschen besser kennenlernen und unsere Bedürfnisse erkennen. Und dann stellt sich die Frage, wie bekomme ich es hin, dass ich meine Grundbedürfnisse und meine Werte leben kann. 

 

Du selbst hast deine erfolgreiche Anstellung in einem Büro geschmissen. Machen Nine-to-five-Jobs nicht glücklich?

Hauser: Ich habe gemerkt, dass ich gar nicht dazu passe. Zum Beispiel erinnere ich mich, wie eine Kollegin mal nachmittags zu mir sagte, dass ich doch mal still sitzen soll. Ich bin kein Zappelphilipp, stecke aber voller Energie und Lebensfreude. Da habe ich, obwohl alles gut gelaufen ist und ich sogar noch befördert wurde, gemerkt, dass ich das nicht bin.

 

Alles stehen und liegen lassen für das vermeintliche Glück kann aber nicht jeder ...

Hauser: Das wäre auch das Allerletzte, was ich jemandem empfehlen würde, wenn er zu mir ins Coaching kommt – kündige deinen Job und schau erstmal. Das Allererste ist, sich Gedanken zu machen. Produktive. Wir regen uns ständig darüber auf, wie nervig alles im Büro ist und reden mit jedem darüber, dass wir weg wollen, aber machen uns eigentlich keine Gedanken darüber, was wir stattdessen wollen. Was kann ich? Was macht mir Spaß?

 

Die klassische Selbstreflexion ...

Hauser: Interessanterweise wissen die Menschen meistens, was sie wollen. Viele haben nur nicht den Mut, dann auch in diese Richtung zu denken. Eine leise Idee, den Samen tragen die meisten in sich. Bloß meistens passt die Idee nicht in unsere Gesellschaft. So erlischt der Funke häufig sofort wieder.

 

Und man wird unglücklich ...

Hauser: Wir meinen immer, dass es für uns persönlich eine Stellenanzeige geben muss. Aber so ist es in der Realität nicht. Unternehmen erfinden die Stellenanzeigen ja auch bloß. Also erfinde doch mal deine Stellenanzeige! Welche Fähigkeiten bringst du mit, was würdest du gerne tun? Vielleicht ist das möglicherweise eine Stelle, die es so noch nicht gibt ...

 

Oder aber es gibt den Job und ich habe nur nicht danach geschaut?

Hauser: Genau, oder hatte keine Berührungspunkte, weil man sich ja häufig mit Leuten umgibt, die ähnliches machen wie man selbst. Es gibt oft nicht sofort den Plan. Es bedarf der Reflexion und der Zeit, diese Stellenanzeige für sich selber klar zu bekommen.

 

So wie Sie strahlen, scheinen Sie Ihren Traumjob gefunden zu haben. Aber gibt es auch Momente, in denen Sie zweifeln?

Hauser: Ja, es gibt immer wieder Momente, in denen auch ich mich hinterfrage. Auch mein Leben ist eine Reise und nichts ist festgeschrieben. Ich habe letztes Jahr hauptsächlich mit Yoga angefangen und neun Kurse pro Woche gegeben. Also richtig übertrieben. Aber ich musste ja auch gucken, dass Kohle zum Überleben reinkommt. Dann habe ich aber gemerkt, dass ich auch nicht nur die Yoga-Tante bin und habe die Coaching-Ausbildung angehängt.

 

Welche Rolle spielt beim Glücklichsein die Ernährung?

Hauser: Körper, Geist und Seele hängen zusammen. Unser Verdauungssystem ist das Wohnzimmer fürs Glück. Wenn die Verdauung nicht stimmt, wird es auch schwierig mit den Glücksgefühlen. Wer zum Beispiel sehr sprunghaft, sehr luftig ist und immer kalten Salat isst, der auch eher luftig ist, wird in der flatterigen Energie bleiben. So jemandem würde man im Ayurveda sagen, dass er etwas Warmes und Erdendes essen soll. Wenn man den Körper richtig steuert, kommt auch der Geist wieder in Ordnung.

 

Und wie wichtig ist Bewegung?

Hauser: Toll daran ist, dass wir wieder Sauerstoff durch unseren Körper zirkulieren lassen. Und unsere alltägliche Atmung läuft verkehrt herum. Wenn wir einatmen, ziehen wir den Bauch ein. Normalerweise muss beim Einatmen der Bauch raus, damit Luft rein kann. Wir sind oft so von unserem unteren Bauch, unserer Wampe, abgeschnitten und wollen sie verstecken, dass wir fast die ganze Zeit die Luft anhalten. Unterbewusst. Dadurch kommt die Energie, der Sauerstoff, gar nicht in unseren gesamten Körper. Das ist das Schöne am Sport, da atmet man automatisch kräftiger.

 

Du zitierst in deinem E-Book „Happy in sieben Tagen“ den Yogi Bhajan mit den Worten „Es ist dein Geburtsrecht, glücklich zu sein“.

Hauser: Eigentlich doch verrückt, dass Sie das hier im Interview so hervorheben. Wie kann es denn sein, dass wir das in Frage stellen? Wie verrückt ist es, dass wir daran erinnert werden müssen, dass wir glücklich sein dürfen ... Die Werbung, die Unternehmen suggerieren uns immer wieder unterbewusst, dass wir noch etwas brauchen, damit wir glücklich sind. Zum Beispiel die Zahnpasta für weißere Zähne.

 

Darf ich aber nicht auch mal schlechte Laune haben?

Hauser: Wir können nicht nur auf der Sonnenseite leben, dann hätten wir am Ende Hautprobleme. Meine Oma sagt immer: „Alles was zu viel ist, ist nix.“ Es braucht immer die Balance. Wenn sich die Tage mit schlechter Laune aber häufen, sollte man sich fragen, woran es liegt. Das dann aufschreiben und sich einen Überblick verschaffen.

 

Was kann ich kurzfristig machen, um glücklich zu werden?

Hauser: (lacht) Auch wieder ein Tipp von meiner Oma: „Stell dich vor den Spiegel und verziehe dein Gesicht. Und schon lachst du.“ Alleine dadurch denkt dein Gehirn, dass du zufrieden bist. Oder einfach Menschen anlächeln. Die lächeln dann automatisch zurück.

 


Larissa Hauser ist heute 29 Jahre alt und hat Betriebswirtschaftslehre studiert. Danach arbeitete sie bei einem großen Versandhaus in Hamburg. 2015 gab sie diese Anstellung auf und absolvierte eine Ausbildung zum Life-Coach – außerdem zur Yogalehrerin und Ayurveda-Ernährungsberaterin. Schließlich machte sie sich vor rund einem Jahr unter dem Namen „Ayu-Happy“ selbstständig.