Glocke und Glas-Stele auf der Buga

Heilbronn  Fürs Auge und fürs Ohr: Das Programm der Kirchen macht Ostern auf der Gartenschau spürbar.

Von Bärbel Kistner
Glocke und Glas-Stele auf der Buga

Esther Sauer, Clara Seitz und Barbara Welle (v.li.) weihen die Stele des verstorbenen Heilbronner Glaskünstlers Raphael Seitz ein.

Heißer wird es auf der Buga wohl nicht mehr werden als wie beim Glockenguss in der Karwoche. Das Spektakel mit Höchsttemperaturen von 1150 Grad im Schmelzofen lockte viele Menschen in den Kirchengarten der Bundesgartenschau. Den Guss einer Kirchenglocke gibt es schließlich eher selten zu sehen.

Glockenbauer gießt vor Ort

Der Schwäbisch Haller Peter Glasbrenner, ein Glockenbauer mit mehr als 30-jähriger Erfahrung, hatte den ölbeheizten Schmelzofen auf das Gelände transportiert, um unter den neugierigen Augen der Besucher eine Glocke für den hölzernen Turm gegenüber der Stadtausstellung im Inzwischenland zu gießen.

Die Glocke soll künftig bei den regelmäßig im Kirchengarten stattfindenden Gottesdiensten läuten "und alle, die sie hören, zum Nachdenken bringen", sagt Glasbrenner. Auch bei Mittagsimpulsen und bei den Abendgebeten ertönt künftig die neue Buga-Glocke. Sie trägt den Namen "Leben schmecken - Sentire vitam". So lautet auch das Motto des Kirchengartens.

Falsche Glocke nötig

Mit sicherem Abstand verfolgten große und kleine Zuschauer den Experten bei der Arbeit. Stunden vor dem Guss hatte Glasbrenner mit Unterstützung seines Freundes Jan Maier den Ofen sowie eine dreiteilige Form aufgestellt, die aus Kern und Mantel und einer falschen Glocke aus Aluguss besteht. Die Gussform wurde im unteren Bereich zur Sicherheit mit Gips abgedichtet.

40 Kilo schwer

Glocke und Glas-Stele auf der Buga

Peter Glasbrenner (re.) und Jan Meier am ölbeheizten Schmelzofen, den sie zum Glockenguss in den Kirchengarten mitgebracht haben.

Fotos: Andreas Veigel

Etwa eine Stunde vor dem Guss hat der Glockenbauer Barren aus Bronze und Zinn zum Schmelzen in den Ofen verfrachtet. Der Gussvorgang selbst war rasch vorbei: Die schweißtreibende Arbeit dauerte nur knapp zwei Minuten. Einen Tag lang musste der Guss ruhen und die Glocke abkühlen. Am Karsamstag wurde sie aus der Form geholt und der Klöppel eingebaut. Erst wenn sie klingt, weiß Glasbrenner, dass der Guss gelungen ist. Ein dreigestrichenes Fis sollte ertönen. Durch das Schlagen kann es minimale Abweichungen beim Ton geben. "Das hören aber nur sehr gute Ohren", beantwortete Glasbrenner die Fragen der Besucher. Zirka 40 Kilo wiegt die Glocke, mit einem Durchmesser von 32 Zentimeters. Erstmals richtig im Einsatz war sie beim Ostergottesdienst.

Glaskünstler Raphael Seitz

Den Karfreitag haben die beiden Buga-Geistlichen Esther Sauer und Peter Seitz ganz bewusst gewählt, um eine Stele einzuweihen, die auf den 2015 verstorbenen Heilbronner Glaskünstler Raphael Seitz zurückgeht. Die farbige Stele ist eine Leihgabe für die Dauer der Bundesgartenschau, sie ist inmitten der Mustergräber oberhalb des Neckarufers aufgestellt.

Original im Atelier

Das Original hat Raphael Seitz vor zehn Jahren entworfen. Es steht im Atelier und wäre nicht für draußen geeignet, deshalb wurde die Stele extra noch einmal für die Buga aus Sicherheitsglas angefertigt. "Sie ist so gut wie identisch", berichtet Barbara Welle, die Lebensgefährtin von Raphael Seitz, die mit der gemeinsamen Tochter Clara Seitz zu dem kleinen Festakt gekommen ist. Das leuchtende Glas wird nach einer jahrhundertealten Rezeptur in Waldsassen hergestellt.

Begleitung in schweren Stunden

Die Stele trägt den Namen Transzendenz. Ihr Licht soll Menschen auch in schweren Stunden begleiten, gibt Barbara Welle die Intention des Künstlers wieder, der sich selbst als Glasmaler bezeichnet habe. In seiner Glaskunst finde sich Licht und Schatten und die Farbigkeit der Weinberge wieder. Damit wollte Seitz, der aus einer Heilbronner Wengerterfamilie stammt, die Verbindung zur Weinberglandschaft zum Ausdruck bringen. Für Esther Sauer ist das Gräberfeld auf der Bundesgartenschau ein wichtiger Ort. Die Kirche wolle präsent sein, "um Menschen in Zeiten des Abschieds und der Trauer zur Seite zu stehen und gemeinsam nach Antworten zu suchen".

 

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