Gift der Herbstzeitlosen bringt Pferde in Lebensgefahr

Neckarwestheim/Region  Herbstzeitlose im Heu lassen Pferde schwer erkranken. In einem Privatstall in Neckarwestheim sind acht Tiere betroffen, zwei werden mehr als zwei Monate in einer Klinik behandelt. Laut Tierärztin nimmt das Problem zu.

Von Reto Bosch

Gift der Herbstzeitlosen bringt Pferde in Lebensgefahr

Carolin Arnold ist froh, dass es Traber und Walli nach der Colchicin-Vergiftung wieder besser geht.

 

Traber und Walli galoppieren durch die Koppel. Eine Katze kann sich mit einem beherzten Sprung gerade noch in Sicherheit bringen. Vor zwei Monaten rangen die beiden Pferde noch mit dem Tod und gegen das Gift der Herbstzeitlosen.

Heute geht es den Tieren deutlich besser, sie stehen aber immer noch in der Pferdeklinik von Dr. Almuth von Scheven in Bad Rappenau. Sie sagt: "Das Problem mit Vergiftungen durch die Herbstzeitlose nimmt extrem zu." Gerade im Winter, weil die Pflanze beim Trocknen zu Heu ihre Bitterstoffe verliert.

Tiere entwickeln gesundheitliche Probleme

Die Familie von Carolin Arnold betreibt einen kleinen Privatstall in Neckarwestheim. Ein Pferd gehört ihr, ein anderes der Schwester, dazu kommen ein paar Pensionspferde. Im Spätherbst 2018 stellt Carolin Arnold fest, dass die acht Tiere unter gesundheitlichen Problemen leiden. Zunächst wirken die unterschiedlich ausgeprägten Symptome noch nicht bedrohlich, das ändert sich aber. Die Tiere entwickeln Koliken, Fieber, Durchfälle. Tierärztin von Scheven schlägt vor, Blut und Heu untersuchen zu lassen. Die Analyse ist eindeutig: Colchicin, das Gift der Herbstzeitlosen.

Herbstzeitlose
Colchicin heißt das Gift der Herbstzeitlosen, das Pferden gefährlich werden kann.  

Die Therapie beginnt zunächst auf dem Hof in Neckarwestheim, unter anderem mit Medikamenten. Bei sechs Pferden mit Erfolg. Für die ältesten Tiere, Traber und Walli, gilt das nicht. "Sie hatten einen steifen Gang, neurologische Aussetzer, konnten fast nicht mehr stehen", sagt Carolin Arnold. Die beiden Pferde werden nach Bad Rappenau in die Klinik von Almuth von Scheven gebracht. Die Entgiftung wird intensiviert, die Pferde bekommen Infusionen, von Scheven setzt Toxin-Catcher ein. Nach und nach beginnt diese Behandlung zu greifen. Nach Auskunft von Carolin Arnold sind bis heute rund 50.000 Euro an Tierarztkosten aufgelaufen.

Heulieferant meldet Schaden seiner Haftpflichtversicherung

Die Neckarwestheimerin ist froh, dass sich ihr Heulieferant "sehr einsichtig" gezeigt hat und den Schaden seiner Betriebshaftpflicht gemeldet hat. Carolin Arnold weist darauf hin, dass Landwirte dazu angehalten seien, ihre Wiesen zu prüfen, bevor sie die Mähmaschinen anwerfen. Warum auch immer: Herbstzeitlose sind im Heu gelandet. Die Neckarwestheimerin zeigt die vertrockneten Blätter, noch höhere Giftkonzentrationen weisen die kleinen Samenkapseln auf. Almuth von Scheven vermutet, dass die Trockenheit des vergangenen Jahres Wachstum und Giftgehalt der Herbstzeitlosen begünstigt hat. In der jüngsten Zeit hat sie mehr als ein Dutzend vergiftete Pferde behandelt - viel mehr als früher.

Universität bekommt mehr Proben als früher

Gift der Herbstzeitlosen bringt Pferde in Lebensgefahr

Wer getrocknete Herbstzeitlose im Heu erkennen will, muss einen geübten Blick dafür haben.

 

Einen wissenschaftlich abgesicherten Trend kann Professor Hermann Ammer von der Ludwigs-Maximilians-Universität in München nicht bestätigten. Seine Fakultät ist in der Lage, Colchicin in Blut und Heu nachzuweisen - wenn die Qualität der Proben in Ordnung ist. Er erklärt auf Anfrage unserer Redaktion: "Wir bekommen tatsächlich mehr Proben." Ob die Zahl der Colchicin-Vergiftungen aber wirklich zugenommen habe, könne niemand sagen.

Ammer geht von einer hohen Dunkelziffer aus, zahlreiche Colchicin-Vergiftungen würden nicht als solche erkannt. Viele Faktoren spielten eine Rolle. Da heute öfter gemäht werde, sei es schwieriger, die Herbstzeitlosen zu erkennen. Dem Landratsamt Heilbronn ist eine Häufung von Fällen nicht bekannt. "Das liegt daran, dass der Anteil der Grünflächen bei uns gering ist", erklärt Pressesprecher Manfred Körner.

Traber und Walli haben das Schlimmste überstanden. Noch diese Woche darf Traber in den heimischen Stall umziehen, in seinem Blut ist kein Colchicin mehr nachweisbar. Beim 29-jährigen Walli dürfte es noch etwas dauern. Carolin Arnold ist eines wichtig: Pferdehalter sollten immer wieder ihr Heu begutachten - damit es anderen Pferden nicht so geht wie Walli und Traber.