Gewinnt Heilbronn das Rennen um die Einwohnerzahl?

Südwesten/Heilbronn  Ulm hatte sich vor Jahren auf Platz sechs der größten Städte im Land geschoben, Pforzheim macht diesen Platz nun streitig. Insgeheim ist Heilbronn aber schon wieder vorn.

Von Christian Gleichauf

Rathaus Heilbronn mit Rathausplatz
Mehr als 128.000 Einwohner hat die Stadt Heilbronn zurzeit. Foto:Archiv/Seidel  

Keine andere Stadt in Baden-Württemberg hat sich so dynamisch entwickelt wie Heilbronn in den vergangenen Jahren, besagt das Städteranking der "Wirtschaftswoche". Nirgendwo in Deutschland hat sich der Immobilienmarkt so gut entwickelt wie hier. Statistiken, die zuletzt häufiger zitiert wurden. Doch zwei andere Städte in Baden-Württemberg zeigen, dass Heilbronn nicht einzigartig ist.

Mit dem Zensus wurde Heilbronn dezimiert

Seit Jahren bewegen sich die Städte Ulm, Pforzheim und Heilbronn nahezu im Gleichschritt, was die Einwohnerzahlen angeht. Das war nicht immer so. In den 1990er Jahren lag Heilbronn 5000 bis 7000 Einwohner vor den zwei Konkurrenten im Rennen um Platz sechs unter den Großstädten Baden-Württembergs. Anfang der 2000er holten aber Ulm und Pforzheim stetig auf.

Dann kam der Zensus 2011. Heilbronn verlor - zumindest auf dem Papier - 7500 Einwohner und wurde von Ulm überholt. Die Stadt an der Donau hatte innerhalb von 20 Jahren um mehr als 12.000 Einwohner zugelegt und dann - wie auch Pforzheim - durch den Zensus etwas weniger eingebüßt als Heilbronn.

Zwei Statistiken, zwei Ergebnisse

Seitdem rangiert das Oberzentrum des Unterlands auf dem zweiten Platz in diesem Trio. Nur einige Hundert Einwohner trennen die Städte nach dieser Statistik, die allerdings gewisse Mängel hat, wie sich zeigt. Denn tatsächlich dürfte Heilbronn längst wieder Spitzenreiter sein. Die Zahlen, die bei den städtischen Meldeämtern in Heilbronn, Ulm und Pforzheim geführt werden, zeichnen nämlich ein ganz anderes Bild als die Landesstatistik. Demnach hat Heilbronn schon jetzt mehr als 128.000 Einwohner. Pforzheim lag Ende 2018 knapp über 127.000. Ulm knapp unter 127.000.

Bevölkerungsentwicklung Heilbronn

127.500

125.113

(2017)

125.000

126.693

(2024)

126.328

(2033)

122.879

(2010)

122.500

120.000

117.500

116.716

(2011, Korrektur durch Zensus)

2015

2025

2010

2020*

2030

2035

HSt-Grafik, Quelle: Statistisches Landesamt

*ab 2018 Prognose

Bevölkerungsentwicklung Heilbronn

125.113

(2017)

127.500

125.000

122.879

(2010)

126.693

(2024)

126.328

(2033)

122.500

120.000

117.500

116.716

(2011, Korrektur durch Zensus)

2015

2025

2010

2020*

2030

2035

HSt-Grafik, Quelle: Statistisches Landesamt

*ab 2018 Prognose

Doch welches sind nun die korrekten Zahlen? "Wir haben eine sehr geringe Fehlerquote", ist Stephan Hegemann, Leiter Statistik bei der Stadt Heilbronn, überzeugt. Während die Stadt beispielsweise auch die Personen streiche, die sich "nach unbekannt" abmelden, würden diese beim Land weiter gezählt. "Von daher ist es auch paradox, dass unsere Zahl so deutlich über der des Statistischen Landesamts liegt", sagt Hegemann.

Beim Zensus wurden die Fehler multipliziert

Ein weiteres Problem kam mit dem Zensus 2011. Damals seien so wenige Einwohner befragt worden, dass man jeden Fehler mit 25 multipliziert habe, erklärt Hegemann. Die Stadt Heilbronn hätte solche Punkte gerne klären lassen - sie hatte gegen den Zensus geklagt. Nachdem die Klage mangels Aussicht auf Erfolg zurückgezogen wurde, warten die Statistiker nun auf den nächsten Zensus, der 2021 ansteht. "Die ersten Konferenzen dazu haben stattgefunden. Es wird jetzt alles in die Waagschale geworfen, um das Verfahren zu verbessern", sagt Stephan Hegemann.

Entspannung auf dem Wohnungsmarkt nicht abzusehen

Was die Prognose angeht, sieht sich die Stadt Heilbronn weiter vor einer dynamischen Entwicklung. Nach ihrer eigenen Berechnung wird die Einwohnerzahl in den nächsten zehn Jahren auf 132.000 ansteigen. Das Land ist hier deutlich zurückhaltender und sieht das Maximum schon 2024 bei 126.700 erreicht - eine Zahl, die längst übertroffen ist. In beiden Statistiken wird aber deutlich: Entspannung auf dem Wohnungsmarkt ist so schnell nicht in Sicht. Das ist die Kehrseite der Medaille.